Vicki Penfold verstarb im Alter von 95 Jahren in Puerto de la Cruz


© Moisés Pérez

Sie lebte und arbeitete seit fast 50 Jahren in ihrer Wahlheimat

Am 2. Februar, kurz nach ihrem 95. Geburtstag, ist Vicki Penfold, die begnadete Künstlerin, in ihrem Haus in Puerto de la Cruz verstorben. Mit ihrem Tod hat Teneriffa eine herausragende Persönlichkeit verloren, die mit ihren Bildern und Skulpturen in der Welt der Kunst hohes Ansehen genoss. Sie war Mitglied der Königlichen Kanarischen Akademie der Schönen Künste und Ehrenbürgerin von Puerto de la Cruz.

„Ich habe einmal nachgerechnet, dass ich tatsächlich mehr als die Hälfte meines Leben hier in Puerto de la Cruz verbracht habe“, erklärte sie, als wir sie aus Anlass ihres 90. Geburtstages in ihrem Atelier besuchten. Dabei verlief ihr Leben geradezu unglaublich, denn sie erlebte zahlreiche dramatische Situationen an den unterschiedlichsten Punkten dieser Welt.

Am 8. Januar 1918 im polnischen Krakau geboren, wurde sie als Zwanzigjährige, die von einer künstlerischen Laufbahn träumte, in ein Arbeitslager nach Sibirien verschleppt. Auf einem nicht enden wollenden Fluchtweg über Iran, Indien und Kenia erreichte sie 24-jährig schließlich ein polnisches Flüchtlingslager in Tansania.

Im Schatten des Kilimandscharo kamen die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe zur Welt. Und dort kehrte sie auch zur Malerei zurück. Es erwachte ihr Interesse, die Natur auf die Leinwand zu bannen, und sie begann, Personen zu portraitieren. Sie malte afrikanische Frauen und prominente Persönlichkeiten wie den Sultan von Sansibar, die Gouverneure von Tansania, Tanganjika, Uganda und sogar die Prinzessin Elizabeth von England.

1954 heiratete sie den englischen Diplomaten Harry Penfold, und es begann erneut ein ständiger Standortwechsel. Mit ihm lebte sie auf Zypern, in Israel, in der Türkei, in Frankreich und in Österreich. In Salzburg lernte sie den großen Meister Oskar Kokoschka kennen, der sie in seine berühmte „Malklasse“ aufnahm.

Es folgte eine weitere Berufung nach Afrika, bis sie schließlich 1964 nach Europa zurückkehrte. Der Zufall wollte es, dass ihr Schiff im Hafen von Santa Cruz anlegte, und sie verliebte sich sozusagen auf den ersten Blick in die Insel. Sie war fasziniert von dem Licht und von der herrlichen Natur. Im März 1964 landete sie endgültig auf Teneriffa. Sie wohnte zunächst in La Laguna und Tacoronte, bis sie ihr Haus mit dem wunderschönen Garten im Ortsteil La Asomada von Puerto de la Cruz bezog. Die Stadt, in der sie tief verwurzelt war und wo sie ihre künstlerische Arbeit voll entfalten konnte.

1988, anlässlich ihres 25-jährigen Inseljubiläums, wurde sie zum Mitglied der Königlichen Kanarischen Akademie der schönen Künste ernannt, eine Ehrung, die mit einer Ausstellung ihres gesamten Lebenswerkes einherging. 2004 verlieh ihr die Stadt Puerto de la Cruz die Ehrenbürgerschaft. 2007 war ein weiterer Meilenstein im künstlerischen Schaffen von Vicki Penfold. Das Kulturressort der kanarischen Regierung brachte ein Buch über ihr Leben und ihr künstlerisches Werk heraus.

Aus Anlass eines Besuchs des spanischen Königspaares auf Teneriffa hatte sie eine Bronzebüste des Monarchen geschaffen, die sie ihm im Rahmen eines Empfangs in Santa Cruz überreichte. König Juan Carlos war hellauf begeistert und dankte der Künstlerin mit warmen Worten. Jahre später, als die erste Tochter des Kronprinzenpaares geboren wurde, modellierte Vicki Penfold im Auftrag der kanarischen Regierung ein Bild der kleinen Leonor, goss es in Bronze und schenkte die Büste dem Königshaus.

„Mit der Sicherheit einer Person, die den Ort frei gewählt hat, an dem sie sich als Mensch und als Künstlerin realisieren will, hat Vicki Penfold mit ihrem geschulten Blick das Beste unserer Insel und unserer Männer und Frauen entdeckt, und es mit der ihr eigenen Sensibilität auf Leinwand gebannt oder in Bronze gegossen“, hat Elideo Izquierdo, der Kunstkritiker und gute Freund der Künstlerin, einmal von ihr gesagt.

Nicht nur in der Kunstszene der Kanaren hinterlässt Vicki Penfold eine Lücke, auch ihr großer Freundeskreis wird sie schmerzlich vermissen.




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