Verfrühte Blüte


© Moisés Pérez

Drachenbaum von Icod überrascht nach nur vier Jahren erneut mit Blütenrispen

Das enorme Gewicht von etwa 80 Tonnen ruht auf dem mächtigen Stamm des legendären Drachenbaums von Icod de los Vinos. Mit den Jahren zu einem Wahrzeichen der Insel Teneriffa avanciert, soll dieses Prachtexemplar eines Kanarischen Drachenbaums (Dracaena draco) zwischen 800 und 1.000 Jahre alt sein.

Besucher des Drachenbaumparks erleben dieser Tage das seltene Schauspiel der Blüte des Drago. Die Blüteperioden treten üblicherweise in einem Abstand von 10 bis 20 Jahren auf, was die Blütezeit 2011 zu einer Besonderheit macht, denn die letzte Blüteperiode liegt erst vier Jahre zurück. Experten machen die klimatischen Bedingungen dafür verantwortlich und werten die Blütenrispen als Zeichen der guten Gesundheit des Baumes.

Der Drachenbaum von Icod de los Vinos im Norden Teneriffas ist das berühmteste und schönste Beispiel für die alten Dragos der Kanarischen Inseln. Seit jeher wurde von ihm als einem um die dreitausend Jahre alten Exemplar gesprochen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass ein Alter von etwa eintausend Jahren eher der Wahrheit entspricht. Er ist etwa 16 Meter groß und sein Stamm hat an der dicksten Stelle einen Umfang von 20 Metern. Seine riesige Baumkrone hat allein ein Gewicht von etwa 80 Tonnen. Das Gesamtgewicht wird auf 140 Tonnen geschätzt.

Der Drachenbaum ist in den letzten Jahrzehnten zur wichtigsten Touristenattraktion der Stadt geworden und wird täglich von Hunderten Menschen besucht. Sein Berühmtheitsgrad führte 1996 dazu, dass die Stadtverwaltung einen wunderschönen Park um den Drago einrichtete, den Parque del Drago, der auch als Schutz für den wertvollen Baum dient. Die Anlage ist über drei Hektar groß und voller endemischer Pflanzen der Kanarischen Inseln.

Rot wie Drachenblut

Keine andere Spezies des kanarischen Pflanzenreichtums hat die Fantasie des Menschen so angeregt wie der Drago, der legendäre Drachenbaum. Berühmt wurde er aber nicht wegen seiner erstaunlichen Lang-­lebigkeit, sondern vor allem wegen seines Harzes, das sich im Kontakt mit der Luft verdickt und die Farbe von Blut annimmt – rot wie Drachenblut, wovon sich auch der Name ableitet.

Dieser Flüssigkeit wurden schon seit Urgedenken Heilkräfte nachgesagt. Bereits die Römer haben um das „Drachenblut“ gewusst, für das sie die weite und gefährliche Überfahrt zu den Inseln in Kauf nahmen, um es für medizinische Zwecke zu nutzen. Bei den kanarischen Ureinwohnern, den Guanchen, galt der Drago als eine Art Schutzpatron. In zahlreichen Legenden und Mythen ist seine Bedeutung überliefert. Eine der wichtigsten spricht von ihm als dem Drachen, der die goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden bewachte.

Eine andere Legende erzählt von Inseln im Atlantik, weit hinter den Säulen des Herakles, ein Paradies, in dem Nymphen lebten und ein Drache, der diesen Garten der Hesperiden und den dort wachsenden Baum des ewigen Lebens bewachte.

Im ersten halben Jahr 2011 wurden im Drachenbaumpark von Icod de los Vinos insgesamt 47.200 Besucher gezählt, acht Prozent mehr als im selben Zeitraum 2010, wie von der Parkdirektion gemeldet wird.

Der Drachenbaumpark in Icod de los Vinos ist im Sommer täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Rentner und 2 Euro für Kinder von 5 bis 12 Jahren. Weitere Infos unter Tel. 922 81 45 10.




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