Unelco nach erneutem Blackout in der Bredouille


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Am 18. Februar brach auf Teneriffa erneut das Stromnetz zusammen

Erst war es am 17. Februar ein Unwetter mit starkem Wind, Regen und Gewittern, das die Kanaren heimsuchte und am darauffol­gen­den Tag für einen generellen Strom­ausfall auf Teneriffa sorgte. Dann streifte „Xynthia“ in der Nacht zum 27. Februar die Inseln und hinterließ teils schwere Sturmschäden. Am 1. März brach dann auf Teneriffa das Stromnetz erneut zusammen. Die Elektrizitätsgesellschaft Unelco steht nun im Fadenkreuz massiver Kritik, zumal beide Blackouts einer Wartungs­nach­lässigkeit zuzuordnen sind.

Der Sturm hatte Teile des Dachs vom Stromwerk in Las Caletillas abgedeckt, wodurch Feuchtigkeit ins Innere sickerte und zu einem Kurzschluss führte. Die kanarische Regierung fordert nun dringend einen Plan zur Verbesserung der Elektrizitätsinfrastruktur.

Am Mittwoch, dem 17. Februar bot die Wetterkarte der Kanaren ein ungewohntes Bild. Auf allen sieben Inseln zeigte die Vorhersage für diesen Tag Wolken und Regen – nirgends war Sonne zu sehen. Bereits am Nachmittag des Vortags hatte die kanarische Regierung angesichts der sich auf die Inseln zubewegen­den Schlechtwetterfront den Alarm­zustand ausgerufen. Gewarnt wurde vor Windstärken von bis zu 120 Stundenkilometern, örtlich starken Niederschlägen und rauer See mit Wellen von über vier Metern.

Im Süden Teneriffas hatte schon am Dienstag der Regen eingesetzt und für die Überflutung einiger Straßenabschnitte gesorgt. Der Tag war wieder einmal ein Paradebeispiel für das bekannte Mikroklima der Insel. Während es im Süden in Strömen goss und der starke Wind Dachbleche durch die Luft wirbeln ließ, war der Norden sonnenverwöhnt und genoss einen wahren Sommertag.

Spätestens um die Mittagszeit am Mittwoch bewahrheitete sich die Vorhersage dann aber auch im Norden Teneriffas und allerorts auf den Inseln mit zunächst mäßigem, später starkem Regen, Gewittern und sturmartigen Windböen. Bäume stürzten um, Dächer wurden abgedeckt, die Barrancos führten wieder ungewöhnlich viel Wasser, und Straßen mussten infolge von Steinschlägen oder Überflutung gesperrt werden. In etwa 25.000 Haushalten auf Teneriffa (in Granadilla, Arico, La Laguna, Arona, Candelaria, San Miguel, Arafo und Güímar) fiel der Strom zeitweise aus. In Teneriffas Hauptstadt kehrte die Angst vor Überschwemmungen ähnlich der vom 1. Februar wieder. Auf der Höhe des Kaufhauses El Corte Inglés riss der Wind buchstäblich eine Ampel aus ihrer Verankerung, und in der Calle Doctor Naveiras stürzte ein entwurzelter Baum auf ein geparktes Fahrzeug. Für den Teide brachte das Tief die erste dickere Schneedecke dieses Winters.

Stromausfall

Auch am Donnerstag hielt die Regionalregierung den Alarmzustand noch aufrecht. Der Unterricht an den Schulen, die keine Faschingsferien hatten, fiel aus, und die Bürger wurden dazu aufgerufen, wenn möglich ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Um die Mittagszeit legte dann ein genereller Stromausfall ganz Teneriffa lahm. Der Blackout betraf sämtliche der fast 900.000 Einwohner der Insel und dauerte mancherorts nur wenige Stunden, in anderen Teilen der Insel bis spät in die Nacht hinein. Einen Präzedenzfall gab es am 26. März 2009. Auch damals gingen gegen 12.50 Uhr sämtliche Lichter auf Teneriffa aus. Die Ursache war den Behörden zufolge ein Blitz, der während eines heftigen Gewitters gegen Mittag in die Hochspannungsleitung einschlug. Das Stromnetz der gesamten Insel brach daraufhin in einer Kettenreaktion zusammen. Die Stromgesellschaft Unelco-Endesa wurde für diesen Ausfall später vom Industrieministerium mit einer Strafe von sechs Millionen Euro belegt. Und auch der jüngste Blackout auf der Ferieninsel wird vermutlich nicht ungestraft bleiben. Zumal die Ursache für den Stromausfall ganz offensichtlich auch mit unzureichender Wartung zusammenhängt, denn anscheinend fiel das Stromwerk in Las Caletillas (bei Candelaria) infolge eines „Kurzschlusses“ aus, der durch Feuchtigkeit ausgelöst wurde, die durch die Decke des Werks sickerte.

Dass eine simple undichte Stelle im Dachwerk der Elektrizitätszentrale das gesamte Stromnetz auf Teneriffa zum Zusammenbruch bringen kann, ist schon ein Armutszeugnis für Unelco-Endesa. Da half auch die Rechtfertigung des Unelco-Endesa-Vorsitzenden auf Teneriffa nicht viel, der tags darauf beteuerte, dass der starke Wind Dichtungsplatten des Stromwerks weggerissen habe, weshalb es zu dem Wasserschaden gekommen sei. Wegen des anhaltenden starken Windes hätten die Platten nicht umgehend ersetzt werden können, wodurch die Feuchtigkeit schließlich ein Aggregat erreichte, das sich automatisch abschaltete.

In der darauf folgenden Kettenreaktion fiel das gesamte Stromwerk Las Caletillas und danach auch das in Granadilla aus. Sieben Stunden später waren erst etwa 80 % der Stromversorgung der Insel wiederhergestellt.

Der Stromausfall hat auf der Insel die Debatte über die Notwendigkeit eines dritten Elektrizitätswerks erneut angefacht. Der kanarische Industrieminister Jorge Rodríguez bezeichnete es als „dringend notwendig“. Experten raten schon lange zur Einrichtung eines weiteren Werks auf Teneriffa und auch auf Gran Canaria, doch die Regierung hat sich um die unpopuläre Entscheidung immer gedrückt. Gründe dafür sind die Ablehnung in der Bevölkerung und auch der Unwille der Gemeinden, ein Elektrizitätswerk in ihrem Einzugsgebiet zu bewilligen – ganz abgesehen davon, dass die Gemeinde Candelaria den Tag herbeisehnt, an dem das Stromwerk Las Caletillas abgeschaltet wird.

Rüge und Warnung für Unelco-Endesa und REE

Der kanarische Regierungspräsident Paulino Rivero, der sich zum Zeitpunkt des Stromausfalls auf einer offiziellen Reise in Südamerika befand, hat in dieser Angelegenheit kein Blatt vor den Mund genommen und damit gedroht, dass der Stromversorger Unelco-Endesa und der Stromnetzbetreiber Red Eléctrica Española (REE) werde „gehen und den Platz für neue Anbieter räumen müssen“, wenn sie ihren Verpflichtungen auf den Kanaren weiterhin nicht nachkommen. Natürlich wird auch hier nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, doch Rivero versicherte, dass die Regierung in dieser Angelegenheit unnachgiebig sein werde und Unelco-Endesa ebenso wie REE klarstellen müssen, ob sie daran interessiert sind, neue Verpflichtungen einzugehen. Er forderte ein kurzfristiges Treffen mit den Vorstandsvorsitzenden beider Gesellschaften auf nationaler Ebene. Dieses Treffen ist nun für den 5. oder 6. März anberaumt und soll auf den Kanaren stattfinden.

Bei einem ersten Treffen der Regierung mit Unelco-Endesa wanden sich beide Parteien aus der Verantwortung. Sowohl Paulino Rivero als auch die Vorsitzenden von Unelco-Endesa, Pablo Casado, und REE, Santiago Marín, auf den Kanaren wiesen auf die bürokratischen Hürden hin, mit denen Cabildos und Gemeinden bislang den Bau neuer Stromwerke bzw. die Renovierung der bestehenden verhindert haben.

Auswirkungen auf anderen Inseln

Auch auf La Palma mussten infolge des Unwetters Straßen gesperrt und Flüge gestrichen werden. Schäden an Infrastrukturen und Häusern und vor allem auch in der Landwirtschaft sind die Bilanz des Sturm- und Regentiefs, das La Palma von Westen aus erreichte und in Orten wie Valle de Aridane eine Niederschlagsmenge von bis zu 30 Liter in sechs Stunden hinterließ. Erneut fielen mehrere Dutzend Flüge wegen des starken Windes aus. Der Flughafen der „Isla Bonita“ war bereits zuvor mehrere Tage gesperrt gewesen.

La Gomera überstand das Unwetter nahezu unbeschadet. Am stärksten regnete es in San Sebastián, und das Wasser verwandelte die Barrancos der Hauptstadt, in Valle Gran Rey und Alajeró in Sturzbäche.

Auf El Hierro richtete das Tief mehrere leichte Schäden in Form von umgestürzten Strommasten und Überschwemmungen an. Auch hier waren nach Steinschlägen mehrere Straßen unpassierbar. Am Nachmittag fiel in den Orten El Pinar, La Restinga, Isora und San Andrés der Strom aus.




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