Üble Zustände in Jugendstrafanstalt


Nach mehreren Aufständen, Zimmerbränden und tätlichen Angriffen fürchten Angestellte Schlimmeres, sollte die Regierung nicht bald Maßnahmen ergreifen

Die Zustände, die in der Jugendstrafanstalt Valle Tabares auf Teneriffa (Foto) herrschen, sind nach Berichten der Angestellten untragbar.

Die eingeschüchterten Betreuer und Lehrer, das Putz- und Küchenpersonal und die Wärter sprechen von in Brand gesetzten Matratzen und Wäsche, von ständigen verbalen und wiederholten tätlichen Angriffen, von Morddrohungen und mutwilliger Zerstörung von Mobiliar und von Drogenkonsum. Dies alles ereignet sich in einer Strafanstalt für Jugendliche und Heranwachsende, in der die jungen Straftäter an sich auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet werden sollen.

Die Jugendstrafanstalt ist nur für Minderjährige gedacht, dennoch sitzen in Valle Tabares Straftäter von bis zu 21 Jahren ein, die zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig waren und über deren Überführung in das Gefängnis Tenerife II die Justiz noch nicht entschieden hat. Einige Täter haben mehr als 60 Verhaftungen auf ihrem Konto, und unter den Volljährigen sind Mörder und Vergewaltiger.

Die Beschneidung des Budgets und die Verringerung des Personal haben ein wahres Chaos angerichtet. Wie die Zeitung Diario de Avisos unter Berufung auf interne Quellen berichtete, gibt es Zeiten, in denen die 110 Insassen von weniger als zehn Personen betreut werden. Diese Personalengpässe und die offensichtliche Machtlosigkeit der Betreuer haben dazu geführt, dass sich die Jugendlichen immer stärker fühlen.

Die kanarische Regierung ist durchaus im Bilde. Unzählige Beschwerden und Anzeigen wurden von den Angestellten schon eingereicht. Diese machen auch die Justizverwaltung verantwortlich, die die Untätigkeit der Regierung stillschweigend duldet.

Ein während sechs Monaten ausgefallener Heizkessel zur Warmwassererzeugung ist nur ein Beispiel für die schlimmen Zustände. Durch den Ausfall des Warmwassers in einem der sieben Blocks trafen Straftäter unterschiedlichen Alters über einen längeren Zeitraum aufeinander, was zu gewalttätigen Ausschreitungen führte.

Die Angestellten fürchten, dass diese Situation noch in Schlimmerem gipfeln wird, wenn die Regierung nicht schnell reagiert.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.