Übergangsbleibe für 298 alte Menschen gesucht


© Moisés Pérez

Brand im Altersheim Santa Rita I in Puerto de la Cruz knapp an einer Tragödie vorbei

Nach dem Brand im Altersheim Santa Rita I in Puerto de la Cruz schrieb eine Zeitung über die „298 Wunder von Punta Brava“. Und tatsächlich scheint es an ein Wunder zu grenzen, dass die Bewohner des Altersheims allesamt unversehrt evakuiert werden konnten.

Dies lag vielleicht einerseits an den guten Beziehungen, die der unermüdlich für soziale Gerechtigkeit arbeitende Heimleiter Pater Antonio zu Gott pflegt, andererseits und erwiesenermaßen an der schnellen Reaktion der Einwohner von Punta Brava. Die halfen gleich bei den ersten Zeichen des Brandes und ohne zu zögern bei der Notevakuierung der alten Menschen.

Das Feuer brach am 8. Oktober gegen 16.30 Uhr im Waschraum im Kellergeschoss vermutlich durch einen Kurzschluss aus. Unmittelbare Nachbarn und Einwohner von Punta Brava waren als erste am Unglücksort und halfen dem Heimpersonal bei der Rettung der zumeist bettlägerigen und gehbehinderten alten Menschen. Mit Rollstühlen, auf Tischen, in zu Hängematten umfunktionierten Bettlaken und huckepack brachten die anonymen Retter die Senioren ins Freie und schafften es, das Gebäude in knapp einer halben Stunde zu räumen. Lediglich fünf Personen mussten mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Retter aus der Bevölkerung halfen darüberhinaus auch dabei, feuergefährliches Material wie Möbel und die Klappstühle der Kirche ins Freie zu bringen und die Fenster zu öffnen. Währenddessen bereitete sich der Rauch schnell im ganzen Gebäude aus, und der kleine Ortsteil Punta Brava glich dem Szenarium einer großen Katas­trophe. In fast allen Straßen und Gassen standen Krankenwagen, Polizeiautos und Feuerwehrwagen, und auf der Plaza hatte sich eine große Menschenmenge versammelt, die sich um die dorthingebrachten Menschen kümmerte. Über sechs Stunden dauerten schließ­lich die Löscharbeiten, die durch die enorme Rauchentwicklung und die hohen Temperaturen im Inneren des Gebäudes erschwert wurden.

Etwa 200 Heimbewohner wurden vorläufig in der Seniorenresidenz Santa Rita II in Las Dehasas untergebracht, die übrigen 98 wurden auf verschiedene Heime des kanarischen Gesundheits- und Sozialdienstes verteilt.

Pater Antonio, Gründer und Leiter des Altersheims, in dem viele Greise aus mittellosen Familien und Menschen, deren Angehörige sich nicht um sie kümmern leben, gab den Reportern gegenüber zu, dass dies der schwerste Moment seines Lebens sei. Die Freude über die erfolgreiche Rettung seiner 310 Schützlinge (nur 298 befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes im Heim) verwandelte sich beim Gedanken an die Zukunft schnell in Verzweiflung. Eine Inspektion des Gebäudes nach dem Brand ergab, dass das Heim Santa Rita die gesetzlichen Auflagen für Einrichtungen dieser Art nicht erfüllt. Natürlich nicht, erklärt Pater Antonio, denn es wurde 1981 auch nicht für diesen Zweck gebaut. Die Räumlichkeiten des an die Kirche angrenzenden Gebäudes wurden zunächst als Kirchenräume und später als Kinderhort und Unterrichtsräume für Mal- und Nähkurse genutzt. „Als die Volkshochschule eröffnet wurde, gab es dasselbe Angebot wie in Santa Rita auch dort, nur günstiger, und bei uns lief es daraufhin nicht mehr so gut“, berichtet Pater Antonio. Auslöser für das soziale Werk, in das sich Santa Rita Ende der 80er Jahre schließlich verwandelte, war das Schicksal einer alten Frau, die Pater Antonio immer sagte, sie würde sich wegen ihrer Einsamkeit eines Tages in einen Wassertank stürzen. 1988 wurde ihre Leiche tatsächlich in einem Wasserreservoir gefunden. Daraufhin beschloss Pater Antonio, in Santa Rita eine Seniorenresidenz für Bedürftige einzurichten. „Der damalige Bischof fragte mich, wie ich das finanzieren wolle, und ich erwiderte: Mit der Hilfe Gottes, und tatsächlich hat es uns in 18 Jahren nie an Essen gefehlt“, sagt Pater Antonio, der selbst jahrelang in einem kleinen Doppelzimmer ohne Fenster in Santa Rita auf einem Klappbett schlief.

Obwohl sein Heim Santa Rita in Punta Brava über gültige Lizenzen verfügt, stellt sich angesichts der nun notwendig gewordenen Renovierung die Frage, ob das Heim nicht von Grund auf renoviert werden sollte, um es den heute gültigen Normen anzupassen. Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen.

Ebenso wird noch darüber nachgedacht, wo 218 der evakuierten Bewohner von Santa Rita I übergangsweise – und vorerst auf unbestimmte Zeit – untergebracht werden können. 92 Senioren wurden in anderen Heimen der Insel aufgenommen. Die Leiterinnen des Ressorts für sozialen Wohlstand der Regionalregierung und von Teneriffa, Inés Rojas und Cristina Valido, trafen sich vor wenigen Tagen im Hotel La Quinta Park mit Puertos Bürgermeisterin Lola Padrón, um über diese Frage zu beraten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein ehemaliges Hotel provisorisch zum Altersheim umfunktioniert wird, um die voraussichtlich mehrmonatige Schlie­ßung von Santa Rita I wegen Renovierung zu überbrücken. Beim regionalen Senioren-Kongress, der fast direkt im Anschluss ebenfalls im Hotel La Quinta Park eröffnet wurde, und an dem auch Regierungs­chef Paulino Rivero teilnahm, wurde übrigens in keiner Rede der Brand im Seniorenheim von Puerto geschweige denn die Problematik der Unterbringung seiner Bewohner angesprochen.

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