Tomatenbauern suchen nach Alternativen


Sektor steckt in der Krise

Vor wenigen Jahren noch ein erfolgreicher Wirtschaftssektor, steckt der Tomatenanbau in Teneriffas Süden derzeit in einer schweren Krise. Die Exportzahlen sind stark zurückgegangen und Hunderte Arbeitsplätze weggefallen.

Die Tomatenbauern mussten in den vergangenen Jahren nicht nur gegen widrige Wetterverhältnisse und Plagen ankämpfen, auch legten die Politiker ihnen vermehrt Stolpersteine in den Weg, wie beispielsweise die Streichung der Subventionen für den Transport aufs Festland oder ins Ausland. Im Laufe der Zeit sahen sich diverse Bauern gezwungen, den Betrieb einzustellen, die Anbauflächen aufzugeben und die Angestellten zu entlassen.

Noch kurz nach der Jahrtausendwende hätten die Bauern in Teneriffas Südwesten „40 Millionen Kilo Tomaten geerntet“ und „mehr als 130.000 Tonnen Tomaten in verschiedene Länder exportiert“, heute seien es gerade mal eine Million Kilo produzierter Tomaten und ein Export aufgrund der hohen Transportkosten kaum mehr möglich, bekagte Felipe Delgado Ramos, Präsident der Landwirtschaftskooperative von Tejina de Isora vor Kurzem.

Der Einbruch hat sich unmittelbar auf den lokalen Arbeitsmarkt ausgewirkt. „In den letzten vier Jahren seien 1.500 Stellen abgebaut worden,“ gab Domingo Mendoza, Präsident des Verbandes Aceto, bekannt.

Angesichts der fatalen Lage suchen Bauern, Experten und Politiker derzeit händeringend nach Alternativen und Wegen, den Sektor in eine vielversprechendere Zukunft zu leiten. So schlug beispielsweise Esteban González, Stadtrat für Landwirtschaft von Granadilla de Abona, vor, Fabriken zur Herstellug von Tomatensoße und Ketchup einzurichten. Sein Amtskollege in Arico, Manuel Marrero, will dagegen die Bauern zu einem Kurswechsel bewegen und statt Tomaten Grünfutter für Tiere anbauen lassen. Pedro Martín, Bürgermeister von Guía de Isora, wiederum forderte die Tomatenbauern auf, ihre Produkte bei den kanarischen Hotels anzupreisen, die bislang Tomaten „von außen“ bezögen.

Konkrete Forderungen

Den Ernst der Lage haben mittlerweile auch die kanarischen Politiker erfasst. So richtete sich das Regionalparlament vor Kurzem offiziell an die Zentralregierung und an die EU-Kommission mit der Aufforderung, dem kanarischen Tomatensektor zu Hilfe zu kommen, denn ansonsten bedeute es das Ende für diesen Wirtschaftszweig, der immerhin 15.000 Canarios beschäftige.

Im Einzelnen verlangen die kanarischen Volksvertreter, die Einhaltung der Tomatenkontingente Marokkos stärker zu kontrollieren, da diese häufig überschritten würden. Außerden sollten diese Kontingente über das Jahr verteilt und nicht auf die Monate konzentriert werden, in denen auch die kanarischen Tomatenbauern exportieren würden. Darüber hinaus fordern die Abgeordneten eine Aufstockung der staatlichen Transportsubventionen von derzeit 27% auf 70%, um die hiesigen Bauern durch die hohen Transportkosten nicht weiter zu benachteiligen. Auch die Gelder aus dem EU-Fonds POSEI sollten schneller verteilt werden, wie schon lange gefordert wird.




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