Tinerfeña in den USA im Gefängnis


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Sie soll das ihrem Ex-Ehemann zustehende Besuchsrecht der Tochter nicht eingehalten haben

Raquel Toledo (37) stammt von Teneriffa und lebt seit ihrem Studium vor 15 Jahren in den USA. Vor sechs Jahren lernte sie dort den plastischen Chirurgen Dr. Robert Kratschmer (heute 41) kennen. Die beiden heirateten, und vor drei Jahren kam ihre gemeinsame Tochter Rebeca zur Welt.

Texas – Nur ein paar Monate später klagte Raquel darüber, dass ihr Mann sie misshandeln würde und reichte die Scheidung ein. Damit begann ein „Rosenkrieg“, bei dem unklar ist, wer ihn begonnen hat. Raquel beschuldigte ihren Ex-Ehemann, den Unterhalt für die Tochter nicht zu zahlen, dieser wiederum klagte, weil sie ihm die Tochter zu den vereinbarten Besuchszeiten vorenthielt, was Raquel bestreitet.

Der Streit eskalierte Anfang des Jahres und gipfelte im Februar in der Verhaftung Raquels in Miami (Florida), wo sie sich geschäftlich aufhielt. Am 23. Februar wurde sie im Brazoria County im US-Bundesstaat Texas unter sehr entwürdigenden Umständen inhaftiert, wie ihre Eltern beklagten. In einem Interview mit dem spanischen Fernsehen sagte ihr Vater, Félix Toledo, dass die Anschuldigungen des Ex-Schwiegersohnes vor dem Richter erlogen seien und behauptete, das läge an der Voreingenommenheit des US-Richters, der einem US-Bürger mehr glaube als einer Ausländerin. Allein schon durch ihre Herkunft, also dadurch, dass sie als „Hispana“ gilt, sei Raquel benachteiligt worden, sind sich ihre Eltern sicher. Besonders beklagten sie, dass die 3-jährige Enkelin von der Mutter getrennt wurde und nun bei ihrem Vater untergebracht ist.

Félix Toledo und seine Frau leben in Granadilla auf Teneriffa und haben sich von der Insel aus so gut es geht darum bemüht, ihrer Tochter beizustehen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur EFE auf Teneriffa berichteten sie von wiederholten Misshandlungen, die ihre Tochter während ihrer Ehe ertragen musste. Kurz nach der Hochzeit habe er damit begonnen, sie zu verprügeln. Die letzte Tracht Prügel habe ihr Ex-Schwiegersohn ihrer Tochter im Oktober 2006, nur drei Monate nach der Geburt der gemeinsamen Tochter, verpasst, berichteten sie. Bei dieser Gelegenheit habe er Raquel bewusstlos geschlagen. Als sie wieder zu sich kam und ihr weinendes Baby hörte, sei ihr Mann nicht mehr im Haus gewesen. Dies sei der endgültige Auslöser für den Scheidungsantrag gewesen, den Raquel wenige Tage später zusammen mit einer Anzeige wegen Körperverletzung einreichte. Seit ihrer Trennung bzw. Scheidung habe der Ex-Ehemann seine monatlichen Unterhaltszahlungen an Raquel und auch die für die Tochter nie geleistet, behaupten Raquels Eltern weiter. Somit schulde er ihrer Tochter mittlerweile etwa 100.000 Euro. Félix Toledo und Carmen Muñoz versichern außerdem, dass sie Beweise haben die belegen, dass ihre Tochter das Besuchsrecht des Vaters stets eingehalten hat.

Inzwischen wurde der spanische Konsul in Houston, Miguel Ángel Fernández, eingeschaltet, um Raquels Freilassung zu erwirken. In einem langen Telefonat beruhigte er  die Eltern und versicherte, dass Raquels Fall „nicht schlimm“ sei und sie vermutlich in zehn bis fünfzehn Tagen wieder freikommen werde. Gegen Raquel sei kein Strafverfahren eingeleitet worden, versicherte er. Es handele sich in ihrem Fall vermutlich eher um eine Strafe wegen Missachtung einer richterlichen Anordnung. „Hier sind die Menschen eben so wie sie sind und auch die Gesetze sind eben so. Ein etwas herausforderndes Verhalten mag in Spanien funktionieren, hier aber nicht“, sagte der Konsul der Nachrichtenagentur EFE.

Raquels Geschwister Mónica und Roberto Toledo sind unterdessen nach Texas gereist und konnten ihre Schwester besuchen. „Sie ist ruhig und voller Kraft“, berichteten sie den Eltern. Auch wenn die Freilassung von Raquel jetzt das Dringlichste ist, beschäftigt die Familie auch die Sorge um die Zukunft der kleinen Rebeca. Nachdem Dr. Robert Kratschmer bereits das Sorgerecht für das Kind eingeklagt hat, fürchten sie, dass Raquel ihre Tochter an den Vater verlieren wird.




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