Tiefseemonster mit Riesenauge


© EFE

Filmteam sichtet vor Los Gigantes toten Riesenkalmar

Eigentlich hielt das Filmteam an der Südküste Teneriffas Ausschau nach Grindwalen, als in einiger Entfernung ein Schwarm Sturmvögel über dem Meer auftauchte, immer ein Zeichen für die Anwesenheit von Delfinen, Makrelen oder im Wasser treibenden Futterquellen.

Als die Dokumentarfilmer näher kamen, fanden sie zu ihrer Überraschung die Reste eines Riesenkalmars von beachtlicher Größe. Das Exemplar konnte mit intakten Tentakeln gut und gern acht Meter lang gewesen sein, schätzt Rafa Herrero, der zusammen mit seinen Kollegen und Kolleginnen der Nachrichtenagentur EFE von dem erstaunlichen Fund berichtete. Gemeinsam arbeiten sie an einem Dokumentarfilm über Grindwale vor der Küste Teneriffas, der von der Stiftung Mapfre Guanarteme in Auftrag gegeben wurde. Der Kurzflossen-Grindwal oder Indischer Grindwal (Globicephala macrorhynchus) ist eine Walart aus der Familie der Delfine. In den Gewässern des Südostens Teneriffas lebt eine Kolonie, denen das Filmteam diesen Sommer fast zehn Stunden täglich auf der Spur war. Der Fund des Riesenkalmars war ein Glücksfall, denn die Aufnahmen passen perfekt zum Thema. Kurzflossen-Grindwale ernähren sich unter anderem auch von Riesen­kalmaren und das Vorkommen dieser sagenumwobenen Kopf­füßer in kanarischen Gewässern wurde erst vor wenigen Jahren durch die Aufnahme eines Grindwals mit einem Tentakel im Maul bestätigt. Am Fundort des toten Riesenkalamars (Architeuthis) fällt der Meeresboden 800 bis 1.200 Meter tief ab, sodass die Grindwale in diesen tiefen Gewässern ausreichend Nahrung finden, vor allem Kopffüßer, berichtete Rafa Herrero weiter. Ángel Guerra, Experte auf dem Gebiet der Kopffüßer und Mitglied des spanischen Rats für wissenschaftliche Forschung, den Rafa Herrera zur Einschätzung dieses Funds befragte, hält das Exemplar für ein Weibchen. Die weiblichen Riesenkalmare, erläuterte er, können eine Mantellänge von bis zu zweieinhalb Metern erreichen, was einer Gesamtlänge von 18 bis 20 Metern entspräche. Der Koloss unter den Tintenfischen hat übrigens das größte Auge der Tierwelt: es kann die Größe eines Handballs erreichen.

Taucher des Filmteams entnahmen dem Kadaver Proben von Tentakeln und Schnabel, um sie an die kanarische Walforschungsgesellschaft SECAC weiterzugeben.




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