Teneriffa verspielt seinen Standortvorteil


© ITER

Erneuerbare Energien

Im Rahmen einer Tagung der nationalen Unternehmerverbände und Bürgerinitiativen haben Vertreter des Sektors der Erneuerbaren Energien eindringlich davor gewarnt, den Übergang zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft durch zu hohe Besteuerung, bürokratische Hürden und mangelnden politischen Willen zu gefährden.

Den Kanaren könnten bis zu einer Milliarde Euro an Investitionen entgehen und 5000 Arbeitsplätze seien in Gefahr, wenn nicht bald die versprochene Förderung einsetze.

Teneriffa verfügt in besonderem Maße über beste Konditionen für die Etablierung nachhaltiger Energiegewinnung. Mit seinen kontinuierlichen Passatwinden und über 3.200 Sonnenstunden könnten sich die Inseln durch standortbedingte geringere Investitionskosten und höheren Ertrag an die Spitze der Entwicklung setzen. Jorge Morales, Unternehmer und Mitglied der „Plattform Neues Energiemodell“ träumt sogar von „einhundert Prozent Erneuerbaren“ Kanarischen Inseln und weist darauf hin, dass das Projekt „El Hierro“ nicht umsonst weltweit gefragt sei.

Überdurchschnittlich hohe Kosten

In hartem Kontrast zu dieser objektiv vorteilhaften Position Teneriffas steht die wirtschaftliche und politische Realität der insulären Energieversorgung. Nur 10% des auf der Insel produzierten Stroms stammt aus erneuerbaren Quellen, in ganz Spanien sind es immerhin schon 30%. Bei der Stromerzeugung produzieren die Kanaren ein jährliches Defizit von 1,3 Milliarden Euro, die von allen spanischen Stromkunden aufgebracht werden müssen. Die auf den Inseln besonders kostengünstigen erneuerbaren Alternativen könnten diese Kosten erheblich senken helfen.

Diese Möglichkeit wird behindert durch verschiedene Hemmschuhe von politischer Seite, die sich teils aus mangelndem Willen, teils aus bürokratischer Trägheit ergeben. Beispielsweise droht eine zeitweise Doppelbesteuerung des Sektors durch eine neue sechsprozentige Steuer, während bis einschließlich 2013 eine schon existierende 30%-Abgabe weiter besteht.

Auch die Umsetzung einer Zusage von Energie-Minister Soria, die Kanaren von der im Zuge der Sparmaßnahmen verordneten Aussetzung neuer Förderprojekte im Bereich der Erneuerbaren Energien auszunehmen, lässt auf sich warten. Nach Angaben des Generalsekretärs der Spanischen Fotovoltaik-Union, José Donoso, haben die Sparmaßnahmen aus Madrid 98 Fotovoltaik-Projekte ausgebremst. Insgesamt entfallen nur spärliche 3,3 Prozent  der in Spanien installierten Fotovoltaik-Anlagen auf die Kanaren.

Selbstversorgung ist die Zukunft

Donoso sieht die Zukunft der Energiegewinnung in der Selbstversorgung. Er meint damit, dass alle Verbraucher – Privathaushalte wie Unternehmen – ihren eigenen Strom erzeugen und diesen mit dem allgemeinen Stromnetz austauschen, also in der sogenannten Nettobilanz mal Überschüsse einspeisen, mal Mehrbedarf herausziehen. Hiervon würden die Kanaren in besonderem Maße profitieren, denn Donoso sieht  Kapazitäten zur Einspeisung von 350 Megawatt und die Möglichkeit, rund 900 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Jorge Morales sieht Teneriffa gar als möglichen Vorreiter dieses Modells, als Wegbereiter für ganz Spanien. Noch sind allerdings einige bürokratische Hürden zu nehmen. Eine neue Normative zur Regulierung dieses Systems lässt laut Morales auf sich warten und verspricht bisher, mehr kontrollierend als fördernd zu wirken.




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