Teide unter der Lupe


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Unesco-Gesandter prüfte vor Ort die Argumente, die für eine Erklärung zum Weltnaturerbe vorgebracht wurden

Der irische Geologe Bernard Smith, der von der Unesco den Auftrag erhalten hat, den Teide sozusagen unter die Lupe zu nehmen, kam und ging ohne großes Aufsehen zu erregen. Insider berichteten, dass der Experte bereits vor seiner Ankunft klar gestellt hatte, dass er nichts mit den Medien am Hut habe und keinerlei Interesse daran besteht, ständig von Kamerateams und Journalisten begleitet zu werden.

Anfang Oktober kam Bernard Smith auf Teneriffa an, um mehrere Tage lang zu untersuchen, ob der majestätische Teide tatsächlich einer Ernennung zum Weltnaturerbe würdig ist, wie es die Kanarische Regierung beantragt hat. Der Vulkan ist vom Nationalen Rat für historisches Erbe zusammen mit dem zu den Pyrenäen gehörenden Albera-Massiv spanischer Kandidat für den begehrten Unesco-Titel.

Sorgfältige Prüfung

Der Besuch des Unesco-Prüfers blieb in der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Nicht einmal das Personal des Parador Nacional auf den Cañadas, in dem der Geologe eine Nacht verbrachte, wusste, um wen es sich bei diesem Gast handelte. Auf den Gipfel stieg Bernard Smith mindestens zwei Mal. Wie die Vize-Umweltbeauftragte der kanarischen Regierung, Milagros Luis, erst nach seiner Abreise berichtete, hinterließ zumindest das Wetter keinen besonders guten Eindruck bei dem Experten. Umhüllt von einer dicken Calima erwachte der Teide an diesem Tag. Man sah kaum mehr die Hand vor Augen und nichts war von der in den Unterlagen der Kandidatur so gepriesenen „reinen und klaren Luft am höchsten Punkt Spaniens“ zu spüren. Schnell beeilten sich die kanarischen Begleiter dem wichtigen Gast die Gründe für das trübe Wetter und die Calima zu erklären. Trotzdem sei es unmöglich gewesen, aus der Miene des Kritikers einen Schluss zu ziehen. „Er stellte sehr viele Fragen und schien sehr kompetent“, bemerkte Milagros Luis. Es sei klar, dass die Unesco nur unparteiische Prüfer schicke, die sich nicht anmerken lassen dürfen, ob sie begeistert oder enttäuscht sind. Demnach wisse man bis zur offiziellen Bekanntgabe auch nichts über das Ergebnis des Gutachtens.

Zumindest reiste Bernard Smith hoch informiert von der Insel ab. Er selbst prüfte jedes für die Kandidatur vorgebrachte Argument an Ort und Stelle und ließ sich von kanarischen Geologen, Biologen, Landschaftsexperten und Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung alle Einzelheiten erklären. Besonderes Interesse zeigte er nach Auskunft von Milagros Luis an den Umweltschutzmaßnahmen.

Auf den ersten Blick würde jeder begeisterte Besucher des Teide-Nationalparks ohne Zweifel versichern, dass dieses Naturdenkmal die Kriterien der Unesco durchaus erfüllt. Um als Weltnaturerbe in die Geschichte einzugehen, muss das Objekt laut Unesco-Maßstäben unter anderem Gebiete von überragender Schönheit und ästhetischer Bedeutsamkeit beinhalten sowie ein herausragendes Beispiel für fortlaufende biologische und ökologische Prozesse in der Evolution von Ökologiesystemen sein.

Ob Bernard Smith der Meinung ist, dass der Teide auch die übrigen strengen Kriterien erfüllt, wird sich erweisen.




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