Tauziehen um Sorgerecht für eine Fünfjährige


© EFE

Richter ordnet Umzug des Mädchens von Pflegefamilie in La Orotava in ein Heim auf Gran Canaria an

Piedad (Name geändert) ist gerade mal fünf Jahre alt, doch sie hat in ihrem kurzen Leben schon viele Erfahrungen machen müssen – viele schlechte aber auch einige gute. Seitenlange Artikel über das Schicksal dieses Mädchens füllten in den letzten Wochen und Monaten immer wieder die Lokalpresse.

Das Tauziehen um das Sorgerecht für Piedad, die vor mehr als zwei Jahren für einen sogenannten Pre-Adoptionsprozess in die Obhut einer Pflegefamilie in La Orotava gegeben wurde, hat sich immer weiter zugespitzt und soll jetzt mit einem rechtskräftigen richterlichen Beschluss beendet werden.

Mit sieben Monaten im Heim

Piedad kam mit sieben Monaten in ein Heim, nachdem das Jugendamt der Mutter die Vormundschaft aberkannt hatte, weil diese mit ihrem Baby auf der Straße lebte. Das Mädchen wuchs im Kinderheim auf bis ein Adoptionsverfahren eingeleitet wurde. Die kleine Piedad wurde in eine Pflegefamilie in La Orotava auf Teneriffa eingegliedert, die nun einen erbitterten Kampf um das Kind führt.

Die leibliche Mutter, die nach einer Therapie mittlerweile als rehabilitiert gilt, hat Anspruch auf das Sorgerecht ihrer Tochter erhoben, und ein Gericht in Las Palmas de Gran Canaria gab ihr Recht. Doch die Pflegeeltern weigern sich, das Kind herzugeben. Nach langem hin und her verfügte schließlich ein Richter, dass das Kind bis zur endgültigen Klärung der Sorgerechtsfrage in ein Heim in Las Palmas ziehen muss. Auch dagegen erhob die Pflegefamilie, die immer wieder betont wie sehr ihr das Wohlergehen von Piedad am Herzen liegt, Einspruch. Die Pflegemutter Soledad unterstreicht immer wieder die große Gefahr, der das Kind ausgesetzt würde, wenn es zu seiner Mutter zurückkehre, die nicht in der Lage sei, für sich und ein Kind zu sorgen.

Auch die wiederholten Versuche, das Kind mit Polizeigewalt abzuholen, scheiterten. Zuletzt erschienen Beamte der Guardia Civil am 27. April mit einem Durchsuchungsbefehl an der Haustür der Pflegefamilie. Doch eine mehrstündige Hausdurchsuchung ergab lediglich, dass das Kind nicht auffindbar ist. Dass ein Versteckspiel zu weit geht, befand dann auch das Gericht und ordnete eine Strafe in Höhe von 3.000 Euro gegen die Pflegeeltern wegen „frontaler Widersetzung“ an. Gleichzeitig verfügte das Landgericht Las Palmas, dass Piedad in ein Heim ziehen muss, bis der Einspruch der Pflegeeltern gegen das Urteil, das der leiblichen Mutter das Sorgerecht zuspricht, geklärt ist.

„Die Justiz wird das Leben dieser Familie und das des Kindes zerstören“

Daraufhin wurde bekannt, dass Soledad Perera mit einem Nervenzusammenbruch in eine Klinik eingeliefert worden war. Von dort aus ließ sie resigniert wissen „die Justiz wird sich durchsetzen, doch sie wird damit das Leben dieser Familie und das des Kindes zerstören“. Soledad Perera hat zusammen mit ihrem Mann einen erbitterten Kampf um Piedad geführt, die seit zwei Jahren bei dieser Familie – mit drei Geschwistern – glücklich ist.

Teilauslöser der Lawine, die bei Gericht ganze Papierstapel füllt, waren verschiedene Formfehler im Adoptionsverfahren. Einerseits wurde die leibliche Mutter nicht rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr Kind bei einer Pflegefamilie lebt. Andererseits soll die Pre-Adoption ohne Genehmigung durch einen Richter erfolgt sein. Ausbaden muss diese Fehler nun das Kind.

Jetzt soll das Urteil vollstreckt werden. Der Beschluss, das Kind wieder in ein Heim zu bringen wurde von vielen Seiten kritisiert. Fraglich sind aber auch die durch den „Besitzanspruch“ bzw. die Vereinnahmung durch die Pflegefamilie möglichen psychischen Folgen für das Kind. Das Landgericht Las Palmas spricht bereits von der Möglichkeit einer seelischen Misshandlung durch das Verhalten der Pflegeeltern, die das Kind verstecken und außerdem aus der Schule genommen haben.

Der letzte Schachzug der Pflegeletern war die Vorlage eines psychologischen Gutachtens, in dem eindringlich davor gewarnt wird, das Kind aus dem Schoß der Familie zu reißen. Darin wird außerdem beschrieben, dass Piedad große Angst davor hat, ihre (Pflege)

Familie zu verlieren und eine sehr enge Beziehung zur ihrer Pflegemutter vorhanden ist.

Der Ausgang des Dramas ist noch ungewiss. Bis Redaktionsschluss war Piedad nicht gefunden bzw. in das Heim gebracht worden.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.