Tauziehen um Betriebszeiten des Flughafens Teneriffa Nord


© Moisés Pérez

Teneriffas Cabildo hält die Verlängerung der Öffnungszeiten von Los Rodeos für dringend notwendig

Teneriffas Südflughafen Reina Sofía zählt zu den profitbringendsten Airports des Landes. Dem Jahresbericht 2011 der spanischen Flughafenbetreibergesellschaft AENA zufolge, nahm dieser Flughafen auf Teneriffa Platz zwei im Rentabilitätsranking ein. Weit weniger gewinnbringend ist für AENA der Nordflughafen Los Rodeos, den das Cabildo von Teneriffa seit Jahren bestrebt ist, durch längere Öffnungszeiten zu fördern. Der Antrag scheitert jedoch immer wieder an Einwänden von AENA, die sich hartnäckig gegen zusätzliche Investitionen in diese Infrastruktur sträubt.

Jetzt ist die Debatte um die Betriebzeiten des Nordflughafens erneut in den Vordergrund gerückt.

Das Cabildo von Teneriffa hat AENA eine unabhängige Studie vorgelegt, die bestätigt, dass eine Verlängerung der Betriebszeiten des Flughafens Los Rodeos das Flugaufkommen um 4% steigern könnte, was einer zusätzlichen Passagierzahl von 250.000 Personen gleichkommt. Das Cabildo hat ausgerechnet, dass durch eine Ausweitung der Betriebszeiten auf 6.30 bis 00.30 Uhr jährliche Zusatzeinnahmen in Höhe von 60 Millionen Euro zustande kämen und 1.700 Arbeitsplätze geschaffen würden.

Der Vize-Cabildopräsident und Leiter des Tourismusressorts der Insel, Carlos Alonso, erklärte mit Bestimmtheit, dass die Chance, die Fluganbindungen ohne Neuinvestition und allein mit der Ausdehnung der Betriebszeiten der bestehenden Infrastruktur zu verbessern, unbedingt ergriffen werden müsse. „Nach einem Jahr erfolgloser Verhandlungen mit AENA bleibt uns nichts anderes übrig, als von sozialer und politischer Seite Druck auszuüben“, sagte er.

Während sich die verschiedensten Politiker und Verbände der Insel für die vom Cabildo beantragte Maßnahme aussprechen, die mit der Hoffnung auf eine Erhöhung der Urlauberzahlen einhergeht, schmetterte AENA den Antrag mit der Begründung ab, die unabhängige Studie allein sei kein Beleg für eine Rentabilität längerer Betriebszeiten. Es müssten feste Zusagen der Fluggesellschaften über mehr Flüge vorliegen, um die längeren Öffnungszeiten zu rechtfertigen und Kosten auszugleichen, argumentiert AENA.

Das Cabildo hält dem entgegen, dass sich bereits vier Airlines für die Verlängerung der Betriebszeiten von Los Rodeos ausgesprochen haben. Die regionale Binter Canarias und die nationalen Air Europa, Iberia und Vueling haben sich hinter das Cabildo und seine Forderung gestellt. Ein Vueling-Sprecher erklärte, dass längere Betriebszeiten in Los Rodeos eine Verbesserung der Fluganbindungen über Barcelona nach Deutschland und Skandinavien ermöglichen würden.

Ähnlich äußerte sich auch die Marketingleiterin von Iberia Express, Silvia Mosquera, die versicherte, dass diese Maßnahme wünschenswert wäre, um die Fluganbindung Teneriffas zu verbessern. „Zu unseren vorrangigen Zielen zählt ein gutes Flugangebot auf die Inseln, weshalb wir bei einer Ausdehnung der Flughafenbetriebszeiten zusätzliche Flüge in Betracht ziehen würden“, erklärte sie.

In der Politszene haben sich ebenfalls zahlreiche Befürworter zu Wort gemeldet. Der Präsident des Hotelverbands Ashotel, Jorge Marichal, ist der Überzeugung, dass die zusätzlichen Zeitfenster für Starts und Landungen sich positiv auf die Urlauberzahlen auswirken würden. Laut Schätzungen von Ashotel könnten dadurch jährlich 67.000 Urlauber mehr auf die Insel kommen – vorwiegend in Urlaubsorte im Norden. In Puerto de la Cruz, der Urlaubermetropole des Nordens, die sich um die Rückgewinnung der Gunst der Touristen bemüht, betrachtet man den Cabildo-Antrag und den Druck auf AENA mit Wohlwollen. „In Krisenzeiten müssen Entscheidungen mit Mut getroffen werden. AENA schadet mit ihrer Haltung Puerto de la Cruz als Urlaubsziel in einer Zeit, in der wir Lösungen brauchen und nicht Steine auf dem Weg“, äußerte Bürgermeister Marcos Brito.

Vicente Dorta, Vorsitzender der Handelskammer Santa Cruz de Tenerife, bedauerte in diesem Zusammenhang, dass der Tourismussektor der Insel nicht genügend Unterstützung durch die Zentralregierung erfährt, die sich stärker für gute Fluganbindungen und eine attraktive Gebührenordnung engagieren sollte. La Lagunas Bürgermeister Fernando Clavijo sicherte dem Cabildo seine volle Unterstützung für alle Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung Teneriffas zu.

Zurückhaltend äußerte sich hingegen Manuel Domínguez, Bürgermeister von Los Realejos und Inselparteivorsitzender der Partido Popular (PP), der den Antrag unter dem Vorbehalt befürwortet, dass zunächst die festen Zusagen der Fluggesellschaften eingeholt werden. „Denn, wenn wir bei derselben Anzahl von Flügen bleiben wie bisher, wäre eine Verlängerung der Betriebszeiten kaum rentabel“, so Domínguez.




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