Strand von Los Gigantes ein Jahr nach der Tragödie noch immer gesperrt


© Moisés Pérez

Eine direkte Auswirkung des Unglücks ist, dass die Gemeinden mehr Vorsicht walten lassen und steinschlaggefährdete Bereiche vorbeugend absperren

Der 1. November vor einem Jahr war ein herrlicher Sonntag im Spätherbst; strahlender Sonnenschein und milde Temperaturen luden zu einem Strandbesuch ein. Gegen 15.00 Uhr geschah am Strand von Los Gigantes das Unglück.

Ein großer Felsbrocken löste sich aus dem Steilhang und stürzte auf den Strand. Zwei Frauen – eine junge Spanierin und eine britische Urlauberin – kamen bei dem Unglück ums Leben. Von dem tragischen Unfall erfuhr ganz Spanien über die nationalen Nachrichten und auch die deutsche und britische Presse berichteten davon. Überall wurde die Frage aufgeworfen, ob das Unglück hätte verhindert werden können, wenn strengere Sicherheitsmaßnahmen geherrscht hätten. Einen Monat zuvor war es nämlich schon einmal zu einem Steinschlag gekommen, fast an  derselben Stelle, doch damals ohne Personenschaden. Die Gefahrenzone wurde von der Stadt angeblich gut sichtbar abgesperrt, was allerdings durch Zeugenaussagen widerlegt wurde. Nach dem Unglück am 1. November wurde der Strand dann ganz gesperrt.

Nun ist ein Jahr vergangen und an diesem Zustand hat sich noch immer nichts geändert. Der Strand Los Guíos ist nach wie vor gesperrt, und die umliegenden Geschäftsinhaber und Restaurantbetreiber klagen über Umsatzeinbrüche weil die Besucher ausbleiben.

Zunächst gab es Gerangel bei den Behörden um die Zuständigkeit für die Strandsicherheit bzw. die Absicherung des Steilhangs. Als diese endlich geklärt war, sorgten die schleppende Bürokratie und die fehlenden finanziellen Mittel für eine weitere Verzögerung des Projektes. Als endlich eine Lösung gefunden wurde, kamen von der Stadt immer wieder Ankündigungen über den unmittelbar bevorstehenden Beginn der Bauarbeiten. Weit gefehlt. Zuletzt teilte Bürgermeister Gorrín im September mit, dass die Arbeiten im Oktober beginnen würden, nachdem nun endlich ein entsprechendes Projekt zur Stabilisierung des Steilhangs mit Spritzbeton und Stahlnetzen vorliege (das Wochenblatt berichtete). Nun wurde bekannt, dass die Vergabe des Bauauftrags nicht erfolgen konnte, weil das Umweltgutachten fehlte. Wenn dieses dann endlich eingereicht und positiv bewertet wird, muss die Ausschreibung des Bauauftrags erfolgen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen.

Inselweites „Syndrom“ ausgelöst

Das Unglück am Strand Los Guíos hatte ein Verfahren gegen Bürgermeister Juan Gorrín und drei weitere Mitglieder der Stadtverwaltung zur Folge, das noch immer läuft. Alle vier Stadtratsmitglieder sind der fahrlässigen Tötung angeklagt. 

Der Tod von zwei Menschen und die schweren Vorwürfe gegen die Stadtratsmitglieder haben in zahlreichen Gemeinden auf Teneriffa und auch auf anderen Kanareninseln dazu geführt, dass strengere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Man könnte fast von einem „Post-Tragödie in Los Gigantes-Syndrom“ sprechen. Positiv daran ist jedoch, dass sich die Behörden heute mehr denn je um die Sicherheit der Besucher und Verkehrsteilnehmer sorgen, denn man weiß ja: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Immerhin liegen viele Inselstrände direkt am Fuß steiler Abhänge, von denen eine latente Gefahr ausgeht. Nach schweren Regenfällen und daraus folgender Erdrutschgefahr wurde beispielsweise der Strand El Socorro von der Stadt Los Realejos mehrere Monate gesperrt. Nach der Absicherung mit Stahlnetzen konnte der Strand vor wenigen Wochen wieder für Besucher freigegeben werden. Seit Längerem ist auch schon der Barranco del Infierno geschlossen, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer. „Steinschlaggefahr und Risiko tödlicher Unfallgefahr. Entschuldigen Sie bitte die Unannehmlichkeiten“, lautet die Erklärung auf der Website www.barrancodelinfierno.es.

Auf El Hierro wurde jüngst aus ähnlichen Gründen der Strand El Verodal gesperrt, und nun hat der Bürgermeister von Buenavista del Norte (Teneriffa) das Cabildo aufgefordert, die Straße, die zur Teno-Spitze führt, zu sperren. Seit Jahren schon warnen riesige Schilder in mehreren Sprachen vor der Benutzung dieser Straße und setzen den Verkehrsteilnehmer ausdrücklich davon in Kenntnis, dass die Durchfahrt auf eigene Gefahr erfolgt. Eine definitive Sperrung ist aber schon allein deshalb schwierig, weil viele Landwirte ihre Grundstücke dann nicht mehr erreichen könnten. Bürgermeister Victor Lorenzo ist dennoch für eine Komplettsperrung. Den Strand in der Masca-Bucht ließ er bereits wegen Steinschlaggefahr schließen bzw. entsprechende Hinweisschilder anbringen.




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