Steht Teneriffa vor einer Strom-Krise?


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Unelco schiebt die Schuld am Risiko eines Zusammenbruchs der Stromversorgung auf die Verzögerungen bei der Lizenzvergabe für neue Infrastrukturen

Der Stromtransport auf Teneriffa und damit die Zuverlässigkeit der Stromversorgung sind stark gefährdet. Spätestens mit der Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie zwischen Santa Cruz und La Laguna und dem Auftreten neuer Stromabnehmer wird die Lage mehr als brenzlig werden, meint Santiago Marín, regionaler Direktor des Stromlieferanten Red Eléctrica de España (REE), der kürzlich vor dem Delta-Untersuchungsausschuss erschien.

Er beschrieb das Stromnetz der Insel als „sehr sensibel“ und erinnerte daran, dass die Nachfrage in den letzten Jahren unverhältnismäßig gewachsen ist – um 7,4% allein in 2005.

Das Hauptproblem, so Marín, liege beim Stromtransport, größtenteils weil der in den Energieplänen von 2002 bis 2005 vorgesehene Ausbau der Infrastrukturen kaum stattgefunden hat. Von den geplanten 266 km neuer Leitungen wurden bislang nur 33 verlegt. Die provisorischen Stromaggregate, die zur vorläufigen Sicherung der Stromversorgung angeschlossen wurden, seien anscheinend zu einer permanenten Lösung geworden, moniert Marín, die jedoch zu Lasten der Sicherheit gehe.

Unelco-Direktor bestreitet, dass die Strommasten aufgrund fehlender Wartung umknickten

Auch der Unelco Endesa-Generaldirektor auf den Kanaren, José María Plans, wurde vom Untersuchungsausschuss im Fall Delta vorgeladen. Der Ausschuss untersucht die Krisenverwaltung während des durch den Tropenstrum Delta ausgelösten Stromkollapses auf Teneriffa, bei dem 350.000 Kunden tagelang im Dunkeln saßen.

Plans bemühte sich zu überzeugen, dass die umgeknickten Strommasten keinesfalls nachgaben, weil sie nicht korrekt gewartet worden waren. Die letzte Wartung sei im September 2005 vorgenommen worden, und auch die korrodierten Strommasten seien „in Ordnung“ gewesen. Studien hätten belegt, dass die durch die Meerluft bedingte Korrosion nicht zu einer Schwächung der Masten geführt habe.

Schuld an der Katastrophe seien die starken Windböen gewesen, so Plans, die zum Teil die 232 km/h überstiegen. „Delta sei ein noch nie dagewesenes Phänomen katastrophalen Ausmaßes“, rechtfertigte Plans sein Unternehmen, das nach dem völligen Zusammenbruch der Stromversorgung nach dem 28. November beschuldigt wurde, über keinen entsprechenden Notplan verfügt zu haben. „Unsere 1.800 Mitarbeiter improvisierten keineswegs, sondern es wurde der Notfallplan von Endesa gestartet, der noch im April 2004 überprüft worden war“, erklärte der Unelco-Generaldirektor.

Schuld sind bürokratische Hürden

Ebenso wie Santiago Marín sprach auch José María Plans von einer riskanten Situation des Stromnetzes der Insel, „in der Hauptsache bedingt durch die Verzögerung bei der Inbetriebnahme neuer Infrastrukturen“, was wiederum auf die Schwierigkeiten bei der Bewältigung der bürokratischen Hürden bei der Lizenzbeantragung und -vergabe zurückzuführen sei.

Die 25 von Unelco Endesa im Infrastrukturenplan 2004 vorgelegten Projekte sind immer noch nicht ausgeführt, weil die Lizenzen noch nicht vorliegen. Das Problem sei, so Plans, dass verschiedene Stellen und Ämter die Verantwortung tragen und so jede Beantragung einer Genehmigung zu einem wahren Hindernisrennen machen. Im Durchschnitt dauere es 10 Jahre bis eine Genehmigung erteilt werde, versicherte er.




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