Stärkerer Einsatz der Gemeinde gegen Zwangsräumungen gefordert


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Über 5.000 Häuser und Wohnungen in Santa Cruz gehören bereits den Banken

Stadtrat José Manuel Corrales klagte dieser Tage an, dass allein in Santa Cruz mehr als 5.000 Häuser und Wohnungen leer stehen würden, die aufgrund von Zwangsräumungsverfahren in das Eigentum einer Bank übergegangen seien.

Corrales forderte vom Stadtrat, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass weitere Familien wegen nicht gezahlter Raten oder Mieten obdachlos werden.

Damit schloss sich der Stadtrat Ada Colau, Sprecherin des Betroffenenverbandes „Plataforma de Afectados por la Hipoteca“ (PAH), an, die gefordert hatte, dass die Gemeinden die leeren Wohnungen der Banken beschlagnahmen sollten. Corrales erklärte empört, es könne nicht angehen, dass einige Finanzinstitute zuerst Hypotheken mit Wucherzinsen vergeben und dann die Bewohner ihres Heimes beraubt hätten. Die Gemeinde müsse dringend eingreifen, um dem ein Ende zu setzen und das Leid der Familien zu lindern. Ganz im Sinne der PAH, die dafür plädiert, dass die Gemeinden zuerst mit den Banken über die Überlassung des Nutzungsrechts der Wohnungen verhandeln, bei deren Weigerung sich dieses zwangsweise aneignen.

Darüber hinaus warf Corrales der Regionalregierung vor, „schändlich mit wehrlosen Personen“ umzugehen. Damit bezog sich der Stadtrat auf zwangsgeräumte Sozialwohnungen.

Nach den neuesten Daten der Rechtsprechenden Gewalt gibt es spanienweit rund 3,5 Millionen leer stehende Häuser und Wohnungen. Davon befinden sich 800.000 im Eigentum von Banken.

Während die Politik relativ wenig gegen die Zwangsräumungen der Banken unternimmt, setzt sich die PAH entschieden für die Betroffenen ein. Nach Angaben von Corrales hat die Plattform allein im letzten Jahr 1.000 Zwangsräumungsverfahren stoppen, 15 in das Eigentum der Banken übergegangene Gebäude zurückerlangen und 800 Personen unterbringen können.

Erst dieser Tage wurde erneut ein schockierender Fall bekannt, welcher zeigt, wie erbarmungslos die Banken teilweise vorgehen. Eine alleinstehende, zu 78% behinderte Frau ohne finanzielle Rücklagen und Ausweichmöglichkeit sollte zum 15. Januar zusammen mit ihren Kindern und Enkelkindern ihr Heim in La Laguna räumen. Ihr Sohn hatte einen Kredit für sein Auto nicht weiter bezahlt, sodass sich eine Schuld von über 8.600 Euro angehäuft hatte. Die Bank griff auf die Sicherheit – die Wohnung der Mutter – zurück und trieb die Zwangsräumung voran. Unter anderem auf Druck der PAH, setzte das Gericht im letzten Moment die Zwangsvollstreckung zumindest zeitweise aus. Nun sollen die Bank und die betroffene Frau innerhalb von drei Monaten mögliche Rückzahlungsbedingungen aushandeln.




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