Staatsanwaltschaft zeigt El Día an


Grund sind mutmaßliche xenophobe Inhalte der Zeitung

Die Staatsanwaltschaft Santa Cruz de Tenerife hat die Zeitung El Día wegen xenophober und rassistischer Kommentare angezeigt. Die Ermittlungen wurden aufgrund einer Anzeige des Verbands Ben Magec Ecologistas en Acción eingeleitet, die am 17. April dieses Jahres eingereicht wurde und einen ganz konkreten Artikel betrifft.

Wie die Staatsanwaltschaft feststellte, könnte das gegen El Día eingeleitete Verfahren in einer Verurteilung wegen „Provokation zur Rassendiskriminierung“ gipfeln. Dieses Delikt wird mit bis zu drei Jahren Haft geahndet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem auch gegen den Chefredakteur des Kulturteils der Zeitung.

Der Text, um den es bei der Anzeige geht, wurde von seinem Autor offensichtlich unter einem Pseudonym in der Rubrik „Versos de cada día“ veröffentlicht und ist eine Art Gedicht. Der Inhalt lässt kaum Zeifel an den Absichten des Verfassers aufkommen: Wir werden uns als Canarios verteidigen / gegen diese Welle von Heuschrecken [in Anspielung an die aus Afrika stammenden Wanderheuschrecken; Anm. d. Red.] / die zuhauf kommen / Lasst uns Gewehre, Pistolen, Flinten und Kanonen kaufen / und gar ein Kanonenschiff / und damit werden wir schießen / und diese Eindringlinge sollen dorthin zurückgehen woher sie gekommen sind. So ungefähr könnte man den Text ins Deutsche übersetzen.

Die Anzeige von Ben Magec richtet sich auch gegen andere Inhalte der Zeitung, die vom Herausgeber und Direktor der Zeitung verfasst sind. Dieselben Passagen wurden schon von einem anderen Verband bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die diese jedoch seinerzeit abwies. Die Menschenrechtsorganisation Queda la Palabra hatte im Februar 2007 zur Anzeige gebracht, dass die Leitartikel von El Día von rassistischen und ausländerfeindlichen Ausdrücken geprägt seien. Erwähnt wurden in diesem Zusammenhang vor allem die Editoriale des Herausgebers und die Schlagzeilen. Dabei wurden konkrete Beispiele angeführt. So lautete die Schlagzeile der El Día-Ausgabe vom 13. Januar 2007: „Ein weiteres Sklavenschiff vor den kanarischen Küs­ten mit 200 Afrikanern gesichtet“, und etwas weiter in dem Artikel hieß es: „Die Ladung wurde auf hoher See auf einen anderen Fischkutter umgeladen“. Queda la Palabra wies darauf hin, dass die Bezeichung der Immigranten als „Ladung“ ziemlich respektlos sei. Darüber hinaus seien die Leitartikel des Herausgebers José Rodríguez gespickt von ausländerfeindlichen und rassistischen Ausdrücken. Am 24. Mai 2006 schrieb er: „Auf den Kanaren findet momentan eine Invasion von Afrikanern schwarzer Rasse statt – abgesehen von den Aids-Fällen oder anderen ansteckenden Krankheiten – die, wie alle Welt weiß, im Falle einer Vermischung über die weiße Rasse dominant ist.“

Die Anzeige der Staatsanwaltschaft ergeht, nachdem das kanarische Parlament (im Oktober dieses Jahres) eine Resolution gegen „die Attacken auf die Einheit der Canarios, die Würde Gran Canarias und seiner Einwohner sowie die xenophobe Haltung und die Aufhetzung zur Auflehnung gegen die Verfassung der Zeitung El Día“ verabschiedet hatte.

Weit davon entfernt, sich in ihrer Ausdrucksweise zu mäßigen bzw. zurückzuhalten, veröffentlicht die Zeitung weiterhin täglich in gewohnter Weise Editorials, die sich eindeutig gegen die Nachbarinsel Gran Canaria richten – neben dem Zuwanderungsproblem das zweite Hauptthema, mit dem sich El Día „auf seine Weise“ befasst.

Der Herausgeber der (nach eigenen Angaben)  meistgelesenen Zeitung der Kanarischen Inseln ist allgemein für seine hetzerischen und provokativen Artikel bekannt. Unzählige Male hat er in teils seitenlangen Leitartikeln gefordert, dass der Insel Gran Canaria das Adjektiv „Gran“ (groß) aberkannt wird und sie – nachdem schließlich Teneriffa die größte Insel des Archipels ist – wieder in ihren von ihm in historischen Archiven nachgeforschten Namen „Canaria“ umgetauft wird.

Theater vor der Redaktion

Als Protest gegen die ständigen Attacken von El Día auf die Nachbarinsel Gran Canaria inszenierten Laiendarsteller kürzlich vor den Toren der Redaktion eine „Verbrüderung“ zwischen Teneriffa und Gran Canaria. Es gab Geschenke – Rum aus Arehucas für Teneriffa und Wein aus Teneriffa für Gran Canaria – und Fans der beiden Fußballclubs Tenerife und Las Palmas traten als Symbolfiguren der Freundschaftsschlie­ßung auf. Ein schwarz gekleideter Unhold, der die Inseln entzweien wollte, wurde erfolgreich abgewehrt. Ob wohl der Redaktions- und Zeitungschef von seinem Büro aus das Schauspiel beobachtete? Wenn ja, hielt er sich zurück. Denn die Polizeikräfte, die zur Sicherheit das Schauspiel überwachten, mussten zu keiner Zeit einschreiten.

Tags darauf präsentierte El Día seiner Leserschaft die Reaktion auf die Anzeige der Staatsanwaltschaft. Der „Tageskommentar“ – wie immer ohne Angabe des Verfassers – befasst sich größtenteils mit Beschimpfungen und Attacken gegen andere Zeitungen und bestimmte Politiker, die dafür verantwortlich gemacht werden. Etwas später verblüffen den Leser die Zeilen: „Und welchen Grund hat diese Hetze gegen uns? – werden Sie sich fragen. Grundsätzlich nur einen: unseren Erfolg. Welche Schuld tragen wohl sein Herausgeber und alle die in diesem Haues arbeiten daran, dass unsere Zeitung eine solch hohe Auflage erreicht hat…“




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