Staatliche Sparpolitik trifft Kulturwesen: Nicht ein müder Euro für Teneriffa


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Der Inselkulturbeauftragte Cristóbal de la Rosa: „Es ist beschämend“

Der Kulturbeauftragte von Teneriffa, Cristóbal de la Rosa, hat sich entrüstet darüber gezeigt, dass der Staat im Haushaltsentwurf 2013 keinen Beitrag für kulturelle Veranstaltungen oder Einrichtungen auf Teneriffa vorsieht.

„Es ist beschämend, dass die spanische Regierung im Jahr 2013 nicht vorhat, auch nur einen einzigen Euro dem Kulturwesen auf Teneriffa zuzuwenden“, sagte de la Rosa. Im Entwurf des Staatshaushalts für 2013 sind für die Kanarischen Inseln im Bereich Kultur lediglich 112.000 Euro vorgesehen, die für den Verband „Amigos Canarios de la Ópera“ auf Gran Canaria bestimmt sind, um die Ausrichtung des Opernfestivals auf dieser Insel zu finanzieren.

Cristóbal de la Rosa hält diese Entscheidung für den Beweis der Missachtung der Kultur vonseiten der spanischen Regierung und kreidet den Verantwortlichen an, für ein Ungleichgewicht zwischen den Regionen zu sorgen. Seine Rechnung ist einfach: „Wenn die Bevölkerung der Kanaren 4,5% der Gesamtbevölkerung Spaniens darstellt, so müsste dies auch angesichts der Entfernung und Randlange Grund genug für einen Beitrag sein. Demnach müssten von den 721 Millionen Euro, die das Ministerium in Kultur investieren wird, 32,5 Millionen für die Kanaren abgezweigt werden, die aber nur 112.000 Euro erhalten sollen.“

„Es ist oder sollte zumindest oberstes Gebot eines Staates sein, dafür zu sorgen, dass die Bürger aller Regionen in gleichem Maße am Kulturangebot teilhaben können. Doch dies ist wieder einmal nicht der Fall, und erneut sind wir Canarios die Benachteiligten“, bedauerte der Kulturbeauftragte in einer Stellungnahme.

Es sei aus Sicht des Cabildos unannehmbar, dass im kommenden Jahr lediglich das Opernfestival von Las Palmas de Gran Canaria mit 112.000 Euro unterstützt wird und die übrigen sechs Inseln leer ausgehen sollen, so de la Rosa. Unter anderem hat die Regierung im Haushaltsentwurf 2013 auch den Beitrag für das klassische Musikfestival der Kanaren gestrichen, der im vergangenen Jahr noch knapp 85.000 Euro betrug. Des Weiteren wurden die Beiträge für den bibliografischen Bestand (2012 noch 151.404 Euro), kulturelle Reisen (372.870 Euro), das Inventar der Kirchengüter (30.000 Euro) und das historische Archiv der Provinz Teneriffa (40.000 Euro) sowie für die Restaurierung der Kathedrale von La Laguna (1.450.000 Euro) gestrichen.

10.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Cristóbal de la Rosa äußerte auch seine Sorge um die Arbeitsplätze im Bereich Kultur. Die „brutalen“ Einschnitte beim Kulturbudget, das um über 95% gekürzt worden sei, gefährden seines Erachtens über 50% der rund 20.000 Arbeitsplätze, die auf den Kanaren vom Kulturwesen abhängen. Der Kultursektor habe somit ernsthafte Überlebensprobleme.

De la Rosa unterstrich, dass das Cabildo von Teneriffa zu den wenigen Institutionen zählt, die sich um den Erhalt der Kultur bemühen und immerhin 5,8% seines Etats im kommenden Jahr dafür vorsieht, während der Staat nur 0,2% in den Kultursektor investiert und die autonomen Regionen Spaniens im Schnitt 1%.




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