Sorgenkind Recycling


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Kanarische Umweltbehörde will Spezialcontainer für Glasrecycling im Hotel- und Gastronomiegewerbe einführen

Die Vorsätze sind immer gut. Vom kanarischen Amt für Umweltqualität und auch vom regionalen Umweltressort wird die Förderung des Recycling als Priorität bezeichnet. Nach und nach scheint sich auch auf den Kanaren die Mülltrennung durchzusetzen, und die meisten Gemeinden bieten durch verschiedene Container zumindest die Möglichkeit dieser Entsorgungsvariante an.

Da stehen die blauen Container für Altpapier, die gelben Container für Plastikmüll und die grünen Glascontainer. Obwohl es immer wieder Meldungen darüber gibt, wieviel im letzten Jahr, in den letzten Monaten recycelt wurde, scheinen Umfragen, in denen bis zu 80% der Befragten angeben, Mülltrennung zu betreiben, nicht wirklich der Realität zu entsprechen. Vor der eigenen Haustür findet man immer wieder den Beweis dafür. Bequemlichkeit geht in vielen Fällen noch vor und ein Großteil der Bevölkerung scheint sich keine Gedanken darüber zu machen, was mit dem enormen Müllaufkommen auf der Insel geschieht. Es fehlt ganz eindeutig noch an Umwelterziehung, und vielleicht auch an strengeren Vorschriften. Doch auch diejenigen, die bereit wären zu recyceln, haben es nicht immer leicht.

Ein Beispiel für die Problematik sind die vielen Gastronomiebetriebe und Hotels, die mangels entsprechender Behälter kaum oder gar keine Mülltrennung betreiben. Die herkömmlichen Glas-, Plastik- und Papiercontainer reichen nicht aus, sind zu weit entfernt und oft überfüllt. Hinzu kommt, dass nur ein geringer Prozentsatz des Leerguts Mehrwegflaschen sind. Im Gaststättengewerbe landen jeden Tag unzählige Einwegflaschen – ob Plastik oder Glas – im Müll.

Um zu verhindern, dass weiterhin große Glasmengen in Form von Einwegflaschen im Müll entsorgt werden, treibt der neue Leiter des Ressorts für Umweltqualität ein Projekt voran, das gesonderte Container für das Hotel- und Gastronomiegewerbe vorsieht. Emilio Atiénzar hofft, dass schon Anfang nächsten Jahres die ersten Spezialcontainer in Touristengebieten aufgestellt werden können. Gespräche mit dem Unternehmen Ecovidrio über häufigere Leerungen der Container haben bereits stattgefunden. Außerdem sollen Hotels und Gaststätten Glascontainer mit Rollen erhalten, die sie füllen und anschließend in einen größeren Container, der in der Nähe aufgestellt wird, entleeren. Damit würde nicht nur sichergestellt, dass die Container genügend Fassungsvermögen haben, sondern auch das lästige – und für Restaurants und Bars unmögliche – einzelne Einwerfen der Flaschen durch ein kleines Loch entfallen. Problematisch gestaltet sich allerdings die Suche nach geeigneten Standorten für die Container, denn Anwohner sollen möglichst nicht belästigt werden.

Obwohl die Unternehmer noch nicht offiziell über dieses Projekt informiert wurden, rechnen Emilio Atiénzar und sein Team mit einer positiven Aufnahme ihrer Idee. Immerhin werde dadurch nicht nur das Recycling gefördert, sondern den Hotel-und Restaurantbetreibern auch die Entsorgung erleichtert.

Ein Beispiel für die enorme Altglasmenge, die jeden Tag anfällt, liefert der Vorsitzende des Gastronomie- und Freizeitbetriebeverbands von Santa Cruz, Carlos Quintero. Allein in der Vergnügungsmeile „Calle La Noria“ landen an einem Wochenende etwa 3.000 Flaschen im Müll, schätzt er. Einwegflaschen sind nicht nur Spirituosen wie Rum, Whisky, Wodka, etc., sondern auch zahlreiche Biersorten und Alkopops.

Acht Prozent mehr Glas recycelt

Das für Glasrecycling zuständige Unternehmen Ecovidrio hat in einem Bericht mitgeteilt, dass im ersten Halbjahr 2007 acht Prozent mehr Glas in den dafür vorgesehenen Containern gelandet sind als im selben Zeitraum 2006. Während im letzten Jahr 10.196 Tonnen Glas recycelt wurden, waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 11.023 Tonnen. Verglichen mit dem 17%igen Anstieg des Glasrecyclings auf nationaler Ebene ist das allerdings keine Glanzleistung.




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