Sonnenseite(n) des Lebens entdecken


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Nicht alles in unserer Welt und auch in unserer Kirche ist „eitel Sonnenschein“. Immer wieder stelle ich – auch bei mir selbst – fest, dass wir viel eher bereit sind zu klagen, als uns auf die Suche nach den Sonnenseiten des Lebens zu machen. Deshalb möchte ich mit diesen Zeilen mal ganz bewusst die Sonnenseiten in den Vordergrund stellen; denn mit ihnen kommen wir unserem Ursprung wesentlich näher und schaffen es vielleicht so, ein klein wenig Licht in die Trübnis unseres Klagens hineinzutragen.

In uns allen steckt so viel an positivem Potential, das wir in Bezug auf die Sonnenseiten des Lebens nicht einfach auf der Seite liegen lassen sollten. Ich meine damit unsere je eigenen Talente, die wir nicht verkommen lassen sollten. Es ist doch eigenartig: je mehr die Klimaerwärmung voranschreitet, desto kühler und distanzierter scheint das Verhältnis der Menschen zueinander zu werden. An sich kein Widerspruch: Denn auch die Klimaveränderung ist ja ein Ergebnis egoistischen Denkens und Handelns, da sie der Verantwortungslosigkeit oder zumindest der Gleichgültigkeit gegenüber unserem Planeten Erde und all seinen Bewohnern entspringt.

Christen haben von jeher den auferstandenen Christus als die wahre Sonne und das wahre Licht der Welt verehrt. Die „Leben spendende Sonne“ als Symbol, ich glaube, dazu bedarf es keiner weiteren Erklärung. Die Auferstehung war dann auch der Grund, weshalb sich Christen am Sonntag zum Gottesdienst versammeln und nicht mehr am Sabbat. Es soll deutlich werden, dass wir mit Christus die Woche beginnen und deshalb ist der Sonntag auch nicht der letzte Tag der Woche, sondern der erste!

Wenn wir aber so auf unsere Geschichte und auf Christus selbst blicken, dann sollte auch von ihm her unser „Klimaschutz“ beginnen. Ich bin nämlich der felsenfesten Überzeugung, dass dort, wo wir sein Licht einlassen, eben auch unsere manchmal kalten und harten Herzen von ihm erwärmt und zum Schmelzen gebracht werden; und wo sich etwas verändert, da entsteht Bewegung, da kommt etwas in Gang. Wir gehen aufeinander zu und das Verhältnis zu unseren Mitmenschen wird aufgeschlossener und sicher auch herzlicher. Genau das bewirkt dann aber auch, dass wir achtsamer werden für Gottes gute Schöpfung, deren Teil wir ja selbst sind und die wir notwendig zum Leben brauchen. 

In der Bibel heißt es an einer Stelle des Evangelisten Matthäus: „Gott lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten!“ Das heißt im Klartext: Gott macht keinen Unterschied. Auch das muss zur Sonnenseite unseres Lebens gehören. Eben keinen Unterschied zu machen, keinem Vorurteil Vorschub zu leisten oder Nahrung zu geben oder es gar selbst in die Welt zu setzen. Es steht uns nicht zu und es steht uns nicht an, wenn wir von den Sonnenseiten des Lebens sprechen, dass wir dann andere ausgrenzen oder gar an den Rand drängen. Ein Urteil über andere können und dürfen wir getrost Gott überlassen.

Und dann gibt es da noch ein gewichtiges Wort in der Bibel, das wir Christen auch ganz gerne überhören oder nicht richtig wahrnehmen: „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen!“ Das heißt für mich, die Sonnenseite des Christen zeigt sich auch an seiner alltäglichen Versöhnungsbereitschaft. Die Schlaflosigkeit, unter der in unseren Tagen so viele Menschen leiden, die liegt wohl zum einen in der Tatsache begründet, dass viele von der Fülle des Tages nicht abschalten können, sie liegt aber auch darin, dass viele viel Unversöhntes in sich tragen, das sie nicht in den Schlaf kommen lässt. Wem es nicht gelingt, sich mit sich selbst zu versöhnen, mit seiner Schwäche, seinen Fehlern, seiner Ungeduld; wer nicht bereit ist, böse Gedanken, Eifersucht und Neid loszulassen; wer Streitigkeiten nicht schlichten und Feindschaften nicht loslassen kann; wen der Wurm der Erfolglosigkeit plagt oder die Gier nach Erfolgen bewegt – der braucht sich nicht zu wundern, wenn er nicht schlafen kann. Aber auch das gehört eben nun mal zum Kreislauf unseres Lebens: In die Hand zu nehmen und loszulassen; etwas anzupacken und wieder freizugeben; sich zu ärgern, zornig zu sein und sich davon wieder lösen.

Versöhnte Menschen haben sie Sonnenseite des Lebens entdeckt. Sie können, auch in der Trauer, gelassen und fröhlich sein. Sie können andere aufrichten trotz eigener Niedergeschlagenheit und beantworten Böses nicht mit Bösem. Dass einem ein Licht aufgeht, das ist keine Sache der Technik, sondern der Offenheit und der Bereitschaft dazu. In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Sonnenseite(n) des Lebens – Ihres Lebens entdecken.

Ihr Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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