Skandal um umstrittene Äußerungen von Teneriffas Bischof


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Er stellte Homosexualität mit Päderastie gleich und sorgte damit spanienweit für Entrüstung

Eine wahre Welle der Entrüs­tung erntete Teneriffas Bischof Bernardo Álverez, nachdem er sich in einem Interview mit der Tageszeitung „La Opinión de Tenerife“ Homosexuellen gegenüber abfällig geäußert hat. Álvarez behauptete dabei unter anderem, nur sechs Prozent der Homosexuellen seien dies aus „biologischer Notwendigkeit“ heraus, während der Rest seinen Neigungen regelrecht aus Sucht bzw. Neugier auf etwas Neues nachgebe.

Generell sei die Homosexualität schlecht für die Gesellschaft, erklärte der katholische Würdenträger weiter. Besonders viel Kritik erntete jedoch die Tatsache, dass er die Homosexualität mit der Päderastie gleichstellte. Wörtlich meinte er im Hinblick auf die seiner Meinung nach suchtgesteuerten Homosexuellen: „Diese legen ein sexuelles Verhalten an den Tag, wie es auch der sexuelle Missbrauch von Kindern sein könnte.“ Als ihn die Journalistin Laura Docampo darauf hinwies, dass es doch wohl einen klaren Unterschied zwischen einer homosexuellen Beziehung und dem Missbrauch von Kindern gäbe, meinte Álvarez: „Natürlich, aber warum ist ein Kinderschänder ein kranker Mensch?“. Docampo setzte dem entgegen: „Miss­brauch ist, wenn einer der Betroffenen die Beziehung nicht will.“ „Es gibt Minderjährige, die diese Beziehung eben schon wollen“, erwiderte Àlvarez daraufhin, „es gibt Jugendliche, die mit 13 Jahren zwar noch minderjährig jedoch total damit einverstanden sind und es sogar wünschen. Wenn man nicht aufpasst, kann es passieren, dass sie einen provozieren. Das Thema Sexualität ist weit komplexer, als es aussieht.“

Diese Aussagen sorgten spanienweit für Entrüstung. Selbst auf Regierungsebene äußerte man sich zu dem Skandal. So meinte der spanische Justizminister Mariano Fernández Bermejo, diese Aussagen seinen „äußerst schwer zu verdauen“ und mehr als „unzulässig“. Weiter forderte er die Bischofskonferenz zu einer ernsthafen „Reflexion“ über das Geschehene auf.

Juan José Tamayo, Vorsitzender der Theologen-Vereinigung Juan XXIII entrüstete sich seinerseits, Álvarez würde minderjährige Missbrauchsopfer „dämonisieren und beschuldigen“ und Päderasten hingegen für ihre Taten „entschuldigen“. Was der Bischof gesagt habe, stelle eine „Verletzung der menschlichen Würde und körperlichen Unversehrtheit der Jugendlichen dar sowie einen Verlust der grundlegendsten ethischen Kriterien im Hinblick von Gewalt und sexueller Vergewaltigung.“ Der Bischof habe eine erschreckende Unkenntnis wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Sexualität unter Beweis gestellt.

Teneriffas Bischof verweigerte bislang diesbezüglich noch jegliche Aussage. Vonseite seiner Diözese wurde jedoch erklärt, Álvarez habe in keiner Weise „ein derart abstoßendes Phänomen wie den Kindes­miss­brauch rechtfertigen oder erklären wollen“.




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