Selbsternannter Prinz vor Gericht


José Manuel Mosquera und acht Mittäter sollen Unternehmer um 750.000 Euro betrogen haben

José Manuel Mosquera Castelo steht zurzeit in Santa Cruz vor Gericht, weil er zusammen mit acht Komplizen in den Jahren 2008 bis 2012 verschiedene auf Teneriffa ansässige Unternehmer um mindestens 750.000 Euro betrogen haben soll.

Mit dem Beginn der Finanzkrise, als es immer schwerer wurde, Darlehen von den Banken zu erhalten, soll er den Geschäftsleuten Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Vorhaben vorgegaukelt haben. 

Er kassierte von zahlreichen Personen jeweils 3.000 Euro für Studien zur Machbarkeit und Rentabilität ihrer Vorhaben, welche angeblich von Interpol durchgeführt werden sollten. 

Wie der Leiter der Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Nationalpolizei vor Gericht aussagte, war den Ermittlern ab dem Zeitpunkt, als sie von der Behauptung, Interpol erstelle Machbarkeitsstudien, erfuhren, klar, dass ein Betrug vorliegen musste. 

Des Weiteren kassierte Mosquera von seinen Opfern jeweils zwischen 1.000 und 3.000 Euro für eine angebliche Teilhaberschaft an den Institutionen, welche die Finanzierung zur Verfügung stellen sollten. 

750.000 Euro beträgt der Schaden, welchen die Ermittler objektiv feststellen konnten, weil die Zahlungen per Überweisung erfolgten und durch die Kontoauszüge belegt sind. Die Gesamtsumme ist jedoch unbekannt, weil es auch Barzahlungen gegeben haben soll. 

Der Großteil dieser Gelder wurde nach Erkenntnissen der Polizei direkt für die privaten Ausgaben Mosqueras, Reisen, Restaurantbesuche und Freizeitvergnügungen, verwendet.  

Prinz von Champdor

José Manuel Mosquera Castelo wird nicht zum ersten Mal des Betrugs bezichtigt. 

Im Jahr 2004 gründete er auf Gran Canaria eine Sekte, die er für einen Ableger des Bonariaordens, eine Art Ritterorden mit humanitären Zielen, ausgab. Damals nannte er sich Josephus Emmanuel III. und gab sich als Erbe der „syrischen Dynastie Tadmur“ und „Prinz von Champdor“ aus. Er schrieb sich selbst noch einige weitere pseudo-aristrokratische Titel zu und machte seine Frau María Rosa Maldonado zur „Prinzessin von Taranto“. Mosquera schaffte es mit seiner Adelsmasche, zahlreiche Menschen zu täuschen und um ihr Geld zu bringen. 

2009 kam er in Untersuchungshaft, weil er mit einem Immobilienbetrug an 1.500 Familien in Verbindung gebracht wurde. Diese hatten Anzahlungen, insgesamt 52 Millionen Euro, für ein Bauprojekt von 2.000 Wohnungen in Murcia geleistet, das am Ende nicht realisiert wurde. Die Rolle von José Manuel Mosquera und seinem Kompagnon José María Alarcón Cabo, der im aktuellen Prozess auf Teneriffa mitangeklagt ist, war es, Scheinfirmen im Ausland zu gründen, welche als Kreditinstitute auftraten, um für das Bauprojekt zu bürgen und so die Betrugsopfer in Sicherheit zu wiegen. 

Ein Ermittler im aktuellen Betrugsfall berichtete in der Gerichtsverhandlung, dass die Wohnung Mosqueras aussehe wie ein Museum, mit Ritterrüstungen und Sammlungen von Münzen und alten Schreibfedern. Er führe einen luxuriösen Lebensstil. Einer seiner Helfershelfer, der sich in dem Betrugskomplott als Bankbeauftragter ausgegeben hatte, stamme aus Argentinien und sei eigentlich Musiker, er spiele Gitarre und singe in Hotels im Süden Teneriffas.




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