Schüler- und Studentenstreiks legen Santa Cruz lahm


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Drei Tage lang streikten Oberschüler und Studierende auf Teneriffa und in ganz Spanien

Drei volle Tage lang streikten Schüler, Eltern und Studenten auf den Kanaren und spanienweit gegen die massiven Kürzungen im Bildungssystem, hohe Studiengebühren und die Schulreform des spanischen Bildungsministers José Ignacio Wert. Vor allem die Schüler der Mittelstufe waren von der Studentengewerkschaft und der Elternvereinigung CEAPA aufgefordert worden, dem Unterricht fernzubleiben und gegen den drohenden Verfall des spanischen Bildungswesens zu demonstrieren.

Madrid – Viele Eltern der Grundschule unterstützten die Proteste, indem sie zusammen mit ihren Kindern auf die Straße gingen oder in den Schulen mit ihnen Plakate bastelten, statt sie am Unterricht teilnehmen zu lassen.

Während der erste Streiktag verhältnismäßig ruhig verlief und nur kleinere Gruppen vor den Rathäusern demonstrierten, nahmen die Proteste am zweiten und dritten Tag ordentlich Fahrt auf. Jeweils um die 400 Schüler von ganz Teneriffa zogen durch die Straßen der Inselhauptstadt und brachten immer wieder den Verkehr zum Erliegen. Auch die Linie 1 der Straßenbahn wurde an beiden Tagen mehrfach erheblich gestört, was für die Passagiere bis zu einstündige Wartezeiten mit sich brachte.

Am dritten und letzten Tag der Proteste zogen die Schüler vor das Hauptgebäude der Universität La Laguna (ULL) und veranstalteten eine sogenannte „Cacerolada“, bei der mit Töpfen und anderem klangfreudigem Gerät Krach gemacht und Protestgesänge skandiert wurden. Es gelang ihnen auch, um die einhundert Studenten dazu zu bringen, sich der Demonstration anzuschließen. Dann drangen die Demonstranten sogar auf  das Campusgelände und in die Hörsäle ein und zogen später, ungeachtet des teilweise starken Regens, noch weiter auf den Campus von La Guajara. Auf dem Weg dorthin störten sie wiederum den Straßenbahnbetrieb und blockierten den Autoverkehr. Es gelang ihnen sogar, viele der wartenden Autofahrer zu Solidaritätsbekundungen zu animieren, indem sie im Rhythmus der Protestchöre mithupten. Weniger Verständnis zeigten die Nutzer der Autobahn TF-1, als eine Restgruppe der sich schon auflösenden Demonstration in Höhe des Campus Guajara auf die Fahrbahn vordrang und auch hier den Verkehr zum Erliegen brachte.

In Madrid forderten Tausende Schüler und Eltern den Rücktritt des Bildungsministers Wert, der, abgesehen von den Kürzungen und ungeliebten Reformen, auch noch mitten in den Streik hinein verkündet hatte, dass er im Bildungswesen noch weiteres Einsparpotenzial sähe.

Zur Frage der Beteiligung an den Streiks gehen die Meinungen zwischen Behörden und Veranstaltern wie immer weit auseinander. Das Bildungsministerium spricht von einem spanienweiten Anteil von 23% an Schülern, die dem Unterricht ferngeblieben seien, die Studentengewerkschaft und die Elternvereinigung CEAPA dagegen von 80%, mit dem Hinweis, die Behörde habe die Grundschulkinder, die auf ihrem Schulgelände den Unterricht boykottierten, als Anwesende gezählt. Die Schulen der Mittelstufe wirkten jedenfalls drei Tage lang recht leer und verlassen.

Auf den Kanaren blieben am dritten Streiktag nach offiziellen Angaben rund 85.000 von insgesamt 260.000 schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen dem Unterricht fern. Auf Teneriffa beteiligten sich demnach über 44.000 Schüler, was einem Prozentsatz von knapp 37 entspricht.

Auch wenn diese Streiktage sicherlich für manchen Schüler vor allem eine willkommene Gaudi und schulfrei bedeuteten, so haben sie doch einen mehr als ernsten Hintergrund. Durch die Verdoppelung der Studiengebühren bei gleichzeitigem Rückgang der Studentenjobs und Erhöhung vieler weiterer Kosten sind nicht Wenige gezwungen, ihr Studium aufzugeben. Für viele Familien rückte die Möglichkeit eines Studiums für ihre Kinder von heute auf morgen in unerreichbare Ferne. Nur die Fernuniversität mit moderater gestiegenen Gebühren bietet für einige Studenten noch einen Ausweg. Studierende, die sich gerade mit dem Erasmus-Programm im Studentenaustausch befinden, traf die Streichung der Förderung sogar unvorbereitet im Ausland.




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