Schildbürgerstreich im HUC


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Krankenpflege-Gewerkschaft Satse deckt absurde Investitionspraxis im Gesundheitswesen auf

Das kanarische Gesundheitssystem scheint gerade dabei zu sein, gleich den Bürgern von Schilda, ein Gebäude ohne Fenster und Türen zu errichten, sprich eine Erweiterung seiner Kapazitäten, die jedoch nicht genutzt werden können.

Es wird 75 dringend benötigte Krankenhausbetten mehr geben, aber leider keine Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich um die Patienten, die diese belegen würden, kümmern könnten.

Wie der Geschäftsführer des Kanarischen Universitätskrankenhauses HUC, Ignacio López Puech, in einer Sendung des Teide Radio mitteilte, plant der Kanarische Gesundheitsdienst SCS, die Notaufnahme des HUC um 25 Betten zu erweitern. Dies soll im Rahmen einer Wachstation realisiert werden, die direkt neben der Notaufnahme untergebracht wird und im Pflegeaufwand zwischen Intensivstation und normalen Krankenzimmern angesiedelt ist. López bestätigte außerdem, dass im Januar der Krankenpflegebereich des soziosanitären Zentrums und künftigen Nordkrankenhauses mit einer Kapazität von 50 Betten eröffnet werden wird.

Wie Vertreter der Krankenpflege-Gewerkschaft Satse öffentlich machten, ist jedoch das Budget für 2015 für das Pflegepersonal gegenüber dem dieses Jahres nicht erhöht worden. Es wird also keine Neueinstellungen geben, die der erweiterten Kapazität an teilweise pflegeintensiven Betten entsprechen.

Die Pflegedienste der kanarischen Krankenhäuser sind aber ohnehin schon unterbesetzt. Das Personal ist seit Monaten überlastet und kann keinesfalls noch mehr leisten. Freie Tage zum Ausgleich für die vielen geleisteten Überstunden werden nicht mehr genehmigt. Besonders schlimm trifft es das Pflegepersonal der Notaufnahmen, Intensiv- und Kardiologie-Stationen. Die Pflegedienstleitung muss die Ausgleichstage verwehren, weil es im Budget kein Geld für Vertretungen gibt.

Die Krankenschwestern und -pfleger arbeiten also bei dem geringen Gehalt, das sie beziehen, einen Teil ihrer Zeit umsonst, Zeit, die ihnen für ihre Familien und die in diesem Beruf dringend erforderliche Erholung fehlt. Dies muss sich langfristig negativ auf die Qualität der Pflegeleistung auswirken, die künftig dann noch durch 75 zusätzliche Betten weiter „verdünnt“ wird. Betten, die dringend gebraucht werden, wie der Fall von Loli Hernández González zeigt, die nach 72 Stunden, die sie mit gebrochenem Becken auf den Gängen der Notaufnahme verbrachte, im Operationssaal starb.




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