Raucher oder Nichtraucher – Sein oder Nichtsein für viele Gastronomen


© EFE

Mal vom gesundheitlichen Aspekt abgesehen…

Ein Leserbrief hat uns dazu angeregt, in Sachen „Rauchergesetz“ in Europa zu recherchieren. Dieser Leser hatte sich ausgesprochen wohlwollend über das „salomonische“ spanische Rauchergesetz geäußert und fand es beispielhaft.

Denn in Spanien sieht die Gesetzgebung vor, dass in der Gastronomie Lokale von über 100 qm Größe getrennte Raucher- und Nichtraucherzonen haben müssen, Lokale unter 100 qm jedoch frei wählen können, ob sie Raucher- oder Nichtraucherlokal sein wollen.

Allerdings kann auch hier in Spanien bald Schluss mit lustig sein, denn auf EU-Ebene wird bereits über ein EU-weites Anti-Raucher-Gesetz debattiert. Durchaus möglich, dass die EU über den Weg des Arbeitnehmerschutzes eine Regelung trifft, wodurch dann alle EU-Länder gezwungen sind, ein generelles Rauchverbot in den Gastronomiebetrieben zu beschließen.

Hier nun die aktuelle Gesetzgebung unterschiedlicher europäischer Staaten:

Deutschland

Seit September 2007 gilt ein Rauchverbot in Bahnen und Bundesbehörden. Auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxis darf nicht mehr geraucht werden. Das Rauchverbot gilt für alle Behörden, Dienststellen, Gerichte, Anstalten und Stiftungen, für die der Bund zuständig ist, zum Beispiel Arbeitsämter. Auch auf Bahnhöfen und in Flughäfen sowie in Zügen, Flugzeugen, Taxis und auf Fährschiffen darf nicht mehr geraucht werden. Ausgenommen sind Gebäude mit abgetrennten besonders gekennzeichneten Raucherzimmern. In diesen Räumen darf nicht gearbeitet werden. Das Rauchen in gastronomischen Betrieben fällt nicht unter die Regelungskompetenz des Bundes und wurde von den jeweiligen Bundesländern geregelt. In fast allen Bundesländern gilt aber seit 1. Januar 2008 Rauchverbot in allen öffentlichen Lokalen.

Das hat zu kuriosen Nebenerscheinungen geführt. Die Zahl der „Privatclubs“, also Bars oder Kneipen, die auf diese Gesetzeslücke gestoßen sind, hat sprunghaft zugenommen, weil in „Privatclubs“ eben doch noch geraucht werden darf. Auch die Zahl der Wirte, die über zunehmende Zechprellerei klagen – „Ich geh’ mal eben draußen eine rauchen…“ – ist enorm gewachsen.

Dänemark

Seit August 2007 darf in öffentlichen Gebäuden und Lokalen von über 100 qm Größe nicht mehr geraucht werden.

Frankreich

Seit 1. Januar 2008 Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Lokalen. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Geldstrafen belegt: 450 Euro für den Raucher und 750 Euro für den Besitzer des Lokals.

Griechenland

Griechenland liegt an der Spitze der Raucherzahlen in Europa (45% der erwachsenen Bevölkerung). Es war eines der ersten europäischen Länder, die ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Lokalen (gilt nicht für Bars und Kneipen) ausgesprochen haben. Dieses Gesetz aus dem Jahr 2002 wird aber großzügig übersehen, außer im öffentlichen Transportwesen.

Großbritannien

Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Lokalen und am Arbeitsplatz seit 1. Juli 2007. In Schottland war das Gesetz bereits 2006 erlassen worden.

Irland

Im März 2004 wurde ein Rauchverbot in den irischen Pubs erlassen, die sozusagen eine öffentliche Institution in Irland sind. Das hatte einen Dominoeffekt in Sachen Rauchverbot in den anderen europäischen Staaten zur Folge, die sich nun verstärkt für rauchfreie Kneipen und Cafés einsetzten.

Italien

Seit Januar 2005 herrscht in Italien Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Bars.

Niederlande

Seit dem 1. Juli 2008 herrscht auch in Holland Rauchverbot in Lokalen, einschließlich der berühmten „Coffee-Shops“, in denen hauptsächlich Joints geraucht werden. Da aber die Mehrzahl der Marihuana-Konsumenten ihren Joint mit Tabak vermischt, fallen auch sie unter das Rauchverbot. Das hat heftige Kontroversen ausgelöst und dazu geführt, dass zahlreiche Coffee-Shops jetzt den holländischen Immobilienmarkt bereichern. Die Besitzer wollen „vor der drohenden Pleite“ verkaufen.

Norwegen

Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden seit 1. Juni 2004, am Arbeitsplatz ist aber die Einrichtung spezieller Raucherzonen gestattet.

Portugal

Portugal hat ähnlich entschieden wie Spanien. Seit dem 1. Januar 2008 herrscht Rauchverbot in öffentlichen Lokalen, wobei diejenigen mit weniger als 100 qm wählen können, ob sie sich als Raucher- oder Nichtraucherlokal deklarieren.

Spanien

Abgesehen vom strikten Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln sind die Lokale mit mehr als 100 qm verpflichtet, Raucher- und Nichtraucherzonen zu trennen. Kleinere Lokale können wählen, ob sie Raucher- oder Nichtraucherlokal sein wollen. Die Mehrheit der kleinen Lokale hat sich für die Raucher entschieden.

Türkei

Seit Mai 2008 Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden.

Belgien, Island, Malta, Schweden, Lettland, Litauen und Estland

Auch in diesen Ländern sind inzwischen Anti-Raucher-Gesetze erlassen worden; die meisten davon beschränken sich jedoch auf rauchfreie Arbeitsplätze.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.