Piedad musste in ein Heim


© Moisés Pérez

Die Fünfjährige wurde vom Kinder- und Jugendamt abgeholt

Die fünfjährige Piedad, um deren Sorgerecht sich seit Monaten die leibliche Mutter und die Adoptiv- bzw. Pflegefamilie stritten (das Wochenblatt berichtete), musste vorläufig ihr Zuhause in La Orotava verlassen und in ein Heim ziehen.

Dies hatte das Gericht in Las Palmas beschlossen und angeordnet, und trotz heftigstem Widerstand der Pflegemutter wurde das Kind vor wenigen Tagen von Mitarbeitern des Kinder- und Jugendamtes abgeholt. Piedad, die an Epilepsie leidet, erlitt einen Anfall nachdem ihre Pflegeeltern, bei denen sie seit zwei Jahren lebte, ihr mitteilten, dass sie vorübergehend getrennt sein würden und sie wieder in ein Heim ziehen müsse. Das Mädchen wurde in eine Klinik in La Orotava gebracht. Dort holten Mitarbeiter des Kinder- und Jugendamtes mit einem gewaltigen Aufgebot an Polizeikräften das Mädchen schließlich ab. Die Pflegemutter Soledad kämpfte bis zur letzten Minute um Piedad. Nachdem das Kind die Klinik über einen Hinterausgang verlassen hatte,         erschien die untröstliche Pflegemutter am Haupteingang. Sie hatte einen langen Kampf verloren. Obwohl sie nicht aufgibt und mit ihrem Rechtsanwalt erneut vor Gericht ziehen will, sind die Chancen auf eine Rückkehr des Kindes in ihre Familie gering. 

Der Fall Piedad hat auf den Kanaren und sogar spanienweit hohe Wellen geschlagen. Kritik hagelte es aus verschiedensten Richtungen. Insbesondere wird dem Gerichtshof in Las Palmas angekreidet, bei seinen Urteilen das Wohlergehen des Kindes zu wenig zu berücksichtigen. Der Kinderschutzverband Prodeni hat angekündigt, Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft zu stellen. Unter anderem wegen des unverhältnismäßigen Einsatzes von Polizeikräften bei der Abholung des Kindes sowie wegen der Verletzung der Rechte des Kindes, das nach Ansicht von Prodeni „letztlich zu einem bloßen Streitobjekt“ wurde.

Piedad ist unterdessen in einem Heim in Las Palmas de Gran Canaria untergebracht worden. Das Cabildo der Insel hat zähneknirschend das Sorgerecht auf Zeit übernommen und teilte mit, dass man zwar das Urteil akzeptiere, jedoch der Meinung sei, dass man in diesem Fall falsch gehandelt hat und „die Interessen von Erwachsenen vor die Interessen des Kindes gestellt wurden.“

Die kommenden sechs Monate wird Piedad im Heim verbringen und im Rahmen eines Mutter-Kind-Zusammenführungsprojektes wieder Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter bekommen, zu der sie schließlich zurückkehren soll. Der Mutter wurde das Sorgerecht des Kindes entzogen als Piedad sieben Monate alt war. Sie lebte mit ihrem Kind auf der Straße. Heute wird die Frau vom Gericht Las Palmas als rehabilitiert und ihre Lebensverhältnisse als stabil beschrieben.




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