Pfennige für ein Wunder


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Zwangsräumungen verhindert

Dank einer ungewöhnlichen Aktion verschiedener Bürgerinitiativen konnten drei kanarische Familien vor der Zwangsräumung bewahrt werden. In der nur dreiwöchigen Kampagne „Céntimos para un milagro“ (Cents für ein Wunder) gelang es, in verschiedenen Ortschaften Teneriffas 700 Kilogramm Kleingeld zu sammeln. Tausende Menschen trugen je ein paar Cent-Stücke bei, nahezu 5.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen.

Am letzten Aktionstag wurden die gesammelten Münzen an verschiedenen öffentlichen Plätzen unter Mithilfe der Passanten gezählt.

Organisiert wurde das „Wunder“ von den drei Bürgerinitiativen „Se busca Robin Hood“ (Robin Hood gesucht), „Gente solidaria de Candelaria“ und der PAH (Plattform gegen Zwangsräumungen).

Drei von Arbeitslosigkeit betroffene Familien mit Kindern, die jeweils einige Monate mit ihren Hypothekzahlungen im Rückstand waren und denen deshalb die Einleitung eines Zwangsräumungsverfahrens drohte, konnten diese nun bei ihren Banken einzahlen.

Mit einer Schubkarre wurden die 1-, 2- und 5-Centstücke in die entsprechenden Bankfilialen gebracht. Das Ehepaar Gloria Rodríguez und Eduardo Nuñez konnte beim ersten Versuch, die ausstehenden Raten in Höhe von insgesamt 1.800 Euro zu begleichen, nur 1.200 Euro einzahlen, weil die Filliale schließen wollte, bevor alles gezählt war und auch weil die Behältnisse für Centmünzen kanpp wurden. Zwei Tage später gelang es dann, die restlichen 600 Euro zu begleichen.

Die Banken haben signalisiert, dass sie in Zukunft nicht mehr so viel Kleingeld zählen wollen. Eine Anfrage der PAH bei der spanischen Zentralbank ergab jedoch, dass es in dieser Hinsicht keinerlei Beschränkungen gibt.

Dennoch will die PAH die „Pfennige für ein Wunder“-Idee voraussichtlich nicht regelmäßig weiterführen. Wie Inma Evora, Sprecherin der PAH und mittlerweile schon eine lokale Berühmtheit, erklärte, wolle man nicht die Aufgaben der Politiker übernehmen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Menschen nicht in Scharen in die Obdachlosigkeit getrieben werden.

Sie äußerte auch ihre Enttäuschung darüber, dass die Kanarenregierung die Verabschiedung eines vollmundig angekündigten Gesetzes gegen die gängige Praxis der Banken verschoben hat und von den massenhaft leerstehenden Sozialwohnungen entgegen den eigenen Ankündigungen nur etwa drei Dutzend zur Verfügung gestellt hat.




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