Organverkauf als letzte Rettung?


© FACUA

Eine Frau von Teneriffa versteigert im Internet eine Niere – Anfangsgebot 120.000 Euro

Eine Frau von Teneriffa beurteilt ihre finanzielle Lage so auswegslos, dass sie bereit ist, eine Niere zu opfern, um die Chance für einen Neuanfang zu bekommen.

Das Angebot „120.000 Euro – Verkaufe Niere um Hypothek zu zahlen“ fand die Verbraucherschutzorganisation FACUA im Internet und brachte diesen und 30 andere Fälle bei der Guardia Civil, dem spanischen Gesundheitsministerium und dem Minsterium für Sozialpolitik zur Anzeige. Die Angebote von in Spanien wohnhaften Personen fanden die Verbraucherschützer auf dreizehn Websites. Eine andere Person, die als Wohnort ebenfalls Teneriffa angibt, schreibt auf einer Website: „ Spende Niere gegen finanzielle Hilfe, bin 25 Jahre alt, Blutgruppe 0 positiv“.

FACUA stellte fest, dass die meisten Organanbieter spanische Staatsbürger sind; in der Minderzahl sind Anbieter la-teinamerikanischer Herkunft.

Angeboten werden Nieren, Lungen und Knochenmark. Die Anbieter begründen ihre Entscheidung zum Organverkauf mit gravierenden finan-ziellen Schwierigkeiten und verlangen Beträge zwischen 15.000 und 1.000.000 Euro. Facua erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Organhandel verboten ist und Anfragen bzw. Werbung allein schon eine Verletzung der Menschenwürde bedeuten.

Der Verbraucherverband ist der Ansicht, dass diese Art von Angeboten im Zuge der Auswirkung der Wirtschaftskrise auf viele Einzelschicksale in Zukunft zu einem wachsenden Phänomen werden könnten. Menschen, die arbeitslos sind, ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können bzw. große Schulden haben und Gefahr laufen, ihr Wohneigentum zu verlieren, verrennen sich in ihrer Verzweiflung in diese Idee. Besonders besorgniserregend sei die Gefahr, dass diese Menschen in die Fänge von Organhändlern geraten und Opfer von internationalen Organhandelsorganisationen werden, die nicht nur illegal sind, sondern auch das Leben der Opfer aufs Spiel setzen, teilte FACUA mit. Auf der anderen Seite stehe das soziale Drama der Menschen, die auf eine Organspende warten. Der Verbraucherverband rief deshalb dazu auf, sich wenn möglich einen Organspender-Ausweis zuzulegen und durch die Erhöhung der Zahl der Organ-spenden die Wartelisten zu verkürzen.

Die Frau aus Teneriffa, die ihre Niere über das Internet versteigern will, möchte zusammen mit ihrem Mann emigrieren, vorzugsweise nach Puerto Rico, um ein neues Leben zu beginnen, nachdem sie auf der Insel ihre Existenzgrundlage und jegliche Hoffnung verloren haben. Ihr Mann, 40 Jahre alt und seit zwei Jahren arbeitslos, sagte verschiedenen Pressevertretern, dass seine Frau sich zu diesem Schritt entschieden hat, nachdem ihre Lage einfach zu verzweifelt geworden war und sie unbedingt  Geld brauchten. Bezüglich des Gesundheitsrisikos mache er sich keine Sorgen, denn er lebe mit nur einer Niere ohne jegliche Probleme, und ein Kollege habe eine seiner Nieren verkauft, ohne Komplikationen. Seine Frau, behauptete er, habe bereits mehrere Angebote für ihre Niere erhalten, die sie derzeit prüfe.

Der Organhandel ist auch in Spanien gesetzlich verboten. Entsprechende Handlungen werden mit Gefängnis bestraft, und auch die Werbung dafür ist untersagt.




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