Orca-Trainer bei Übung getötet


© Loro Parque

Der 29-jährige Dompteur befand sich mit einem der Schwertwale im Becken, als das Unglück geschah

Am 24. Dezember ereignete sich im „Orca Ocean“ des Loro Parque in Puerto de la Cruz ein tragischer Unfall. Am diesem Tag, an dem in der Lokalpresse darüber berichtet wurde, dass die Orca-Show bis 6. Januar als besondere Weihnachtsshow mit zahlreichen Überraschungen und spektakulären Kunsstücken gestaltet wird, wurde einer der Trainer von einem Schwertwal getötet.

Der 29-jährige Alexis M.H. war seit 2004 Mitglied der großen Loro Parque-Familie, wie es die Parkdirektion in einer Mitteilung bezeichnete. Er war ein erfahrener Trainer und vertraut im Umgang mit Mee­ressäugern, insbesondere den Orcas, seinen Lieblingstieren. Gegen 10.30 Uhr an Heilig­abend sprang Alexis im Zuge einer Trainingseinheit zu einem der vier Orcas des Loro Parque ins Becken. Geübt wurde ein Kunststück, bei dem der Trainer mit dem Wal abtaucht und zusammen mit diesem dann wieder auftaucht und sozusagen aus dem Wasser katapultiert wird; kein neues Kunststück, eher ein Routine-Training. Doch etwas lief schief und der junge Dompteur wurde von dem Orca-Männchen Keto gestoßen und zum Beckenboden geschleift. Nach Auskunft des Loro Parque dauerte es etwa zweieinhalb Minuten, bis die anderen Trainer den Schwertwal in ein anderes Becken bringen konnten und Alexis aus dem zwölf Meter tiefen Becken geborgen werden konnte. Die Reanimierungsversuche seiner Kollegen und die des Personals des medizinischen Notdienstes SUC, das schnell zur Stelle war, waren vergeblich. Ins Krankenhaus Hospiten Bellevue wurde der Verunglückte mit Herz- und Atemstillstand eingeliefert.

Als wahrscheinlichste Todesursache gilt Sauerstoffmangel, infolge dessen Alexis M.H. unter Wasser erstickt bzw. ertrunken ist. An seinem Körper konnten keine Anzeichen für äußere Gewalt festgestellt werden, was eine gezielte Attacke des Schwertwals ausschließt.

Ein bedauerlicher Unfall

Die Loro Parque-Direktion sprach in ihrer Mitteilung von einem „bedauerlichen Unfall“ und brachte ihren tiefen Schmerz über diesen Verlust und der Familie gegenüber ihre aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck. Die Orca-Show wurde als Zeichen der Trauer am 24. und 25. Dezember aus dem Programm genommen.

In einer zweiten Stellung­nahme mehrere Tage später wurde von der Parkdirektion ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Schwertwal Keto ein sehr gutmütiges und erfahrenes Tier ist. Einigen Medienberichten zufolge sollte es sich um ein bereits im amerikanischen Sea World für sein „brutales Spielverhalten“ bekanntes Orca-Männchen handeln, andere Medien mutmaßten, dass es derselbe Schwertwal war, der 2007 im Loro Parque die deutsche Trainerin Claudia Vollhardt bei einer Spielstunde schwer verletzte. Doch dies erwies sich als Falschmeldung, denn Claudia Vollhardt war von dem jüngeren (heute neun Jahre alten) Orca-Männchen Tekoa verletzt worden.

Keto stammt ebenso wie die anderen drei Schwertwale im Loro Parque aus den Sea World-Parks in den USA. Keto kam vor 13 Jahren in Sea World zur Welt. Von der Parkdirektion wird außerdem da­-­rauf hingewiesen, dass die Analyse des Vorfalls gezeigt hat, dass das Verhalten des Orcas keineswegs auf eine Attacke schließen lässt, sondern viel mehr auf das bei Orcas übliche Verhalten zur Definition der hierarchischen Stellung hindeutet. Die Familiengruppen der Orcas leben meist in festen Hierarchien, aber es kommt auch zu sozialen Neuordnungen, wobei sich die Wale gegenseitig stoßen und schubsen; ein Verhalten das mit der Wiederherstellung der sozialen Ordnung wieder verschwindet. Dennoch, wird vom Loro Parque eingeräumt, können die genauen Gründe für das Verhalten von Keto nicht festgestellt werden.

Orcas werden oft auch als „Killerwale“ oder „Mörderwale“ bezeichnet, was wohl in ihrem auf den Menschen brutal wirkenden Jagdverhalten begründet liegt. Doch dieses Verhalten ist für Orcas, die vielleicht auch durch ihr Gebiss gefährlich wirken, das Natürlichste auf der Welt, und die Bezeichnungen „Killer“ und „Mörder“ werden oft in Frage gestellt, wenn darauf hingewiesen wird, dass es keine Nachweise über gezielte Attacken auf Menschen gibt. Auch bei dem tödlichen Unfall an Heiligabend im Loro Parque hat es sich wohl nicht um eine mutwillige Attacke des Orca-Männchens Keto gehandelt. Doch das Spiel mit einem tonnenschweren Koloss im Wasser kann einem Menschen schnell zum Verhängnis werden.

Alexis M.H. wurde am 25. Dezember beigesetzt. Am 29. Dezember wurde in Los Realejos eine Messe in seinem Gedenken abgehalten, an der Angehörige, Freunde und Kollegen des Loro Parque teilnahmen.




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