Orca Morgan: Lärm im Meer an ihrer Taubheit schuld?

Im Loro Parque auf Teneriffa fand das Orca-Weibchen ein neues Zuhause. Im September 2018 brachte Morgan ihr erstes Junges zur Welt. Foto: Loro Parque

Im Loro Parque auf Teneriffa fand das Orca-Weibchen ein neues Zuhause. Im September 2018 brachte Morgan ihr erstes Junges zur Welt. Foto: Loro Parque

Loro Parque erinnert 10 Jahre danach an die Rettung des Orca-Weibchens im Wattenmeer und macht auf das Problem der zunehmenden Lärmverschmutzung der Ozeane aufmerksam

Teneriffa – Vor 10 Jahren wurde vor der niederländischen Küste im flachen Wattenmeer ein vollkommen entkräfteter junger Schwertwal entdeckt und von Tierschützern gerettet. Heute lebt das Orca-Weibchen, das auf den Namen Morgan getauft wurde, im Loro Parque auf Teneriffa, wo es sich gut in die Schwertwalfamilie integriert hat.
Loro Parque hat nun mit einer eindrucksvollen Filmdokumentation an die Bergung Morgans und ihre Reise bis nach Teneriffa erinnert. Darin kommen unter anderem auch die Retter zu Wort, für die es angesichts des Zustands des Wals an ein Wunder grenzte, dass Morgan überlebte. Auch die erste Zeit, in der sich Morgan im Delfinarium Harderwijk erholte, ist dokumentiert. Der Film kann auf facebook unter „Loro Parque“ angesehen werden.
Der Tierpark in Puerto de la Cruz nimmt die Geschichte Morgans aber auch zum Anlass, um auf die zunehmende Lärmverschmutzung der Ozeane aufmerksam zu machen.
Während die Türen des Loro Parque für Besucher aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie noch immer geschlossen sind, laufen die Forschungsarbeiten im Tierpark weiter. Auch wenn bislang nicht mit Sicherheit von einem direkten Zusammenhang gesprochen werden kann, stellen die Forscher fest, dass immer mehr Meeressäuger mit Hörproblemen stranden. Wissenschaftlich erwiesen ist mittlerweile, dass der durch den Menschen im Meer verursachte Lärm die Unterwasserwelt und ihre Ökosysteme stört. Deshalb drängt Loro Parque darauf, die Meeresbewohner vor diesen negativen Einflüssen zu schützen.
Die Stiftung Loro Parque Fundación ist an mehreren Projekten beteiligt, die sich damit befassen. Darunter auch eines, das ein Verbot von Marinemanövern mit dem Einsatz von Mittelfrequenz-Sonaren nicht nur auf den Kanarischen Inseln, sondern in ganz Makaronesien – also von den Azoren über Madeira, die Kanaren bis zu den Kapverden – fordert.
Ein weiteres Forschungsprojekt, an dem Loro Parque maßgeblich beteiligt ist, nennt sich CanBIO. Dieses Projekt, das von der kanarischen Regierung und der Stiftung Loro Parque gemeinsam mit 2 Millionen Euro finanziert wird, befasst sich mit dem Klimawandel, der Versauerung der Meere und dem Einfluss von Unterwasserlärmverschmutzung auf die Biodiversität und die marinen Ökosysteme.

Morgan wurde am 24. Mai 2010 vor der niederländischen Küste gerettet.
Morgan wurde am 24. Mai 2010 vor der niederländischen Küste gerettet.

Morgan: Eine Geschichte mit Happy End

Am 24. Juni 2010 wurde das junge Walweibchen völlig entkräftet und unterernährt an der niederländischen Küste gesichtet und von Tierschützern gerettet. Morgan wurde in das Delfinarium Harderwijk, etwa 80 Kilometer von Amsterdam entfernt, gebracht, wo sich die Tierärzte und Pfleger um sie kümmerten. Ihre Familie wurde nicht gefunden, und alleine im Meer hätte Morgan wohl kaum eine Überlebenschance gehabt. Orca-Kälber bleiben sehr lange von der Mutter abhängig und verlassen auch beim Heranwachsen die Gemeinschaft ihrer Walgruppe nicht. Da eine Auswilderung – trotz heftigen Protesten von Tierschutzaktivisten – nicht infrage kam, Morgan jedoch auch nicht auf Dauer in Harderwijk untergebracht werden konnte, wurde ein neues Zuhause gesucht. Im Loro Parque auf Teneriffa fand man schließlich die geeignete Einrichtung, um das Schwertwal-Weibchen aufzunehmen. Am Nachmittag des 30. November 2011 traf Morgan an Bord einer Cargo-Maschine auf dem Nordflughafen in Los Rodeos ein. Auf dem Flug von Amsterdam nach Teneriffa wurde der besondere Passagier ständig von einem Trainer- und Tierärzteteam betreut. Eine spannende Zeit begann, denn es stellte sich die Frage, ob und wie sich Morgan in die Orca-Gruppe des Parks einfügen würde. Es stellte sich aber heraus, dass alle Sorgen unbegründet waren, denn Morgan integrierte sich gut. Dennoch stellten die Tierärzte am Verhalten des Schwertwals fest, dass etwas nicht stimmte. Ihr Verhalten beim Training deutet darauf hin, dass die akustischen Kommandos ihrer Trainer nicht bei ihr ankommen. Sie reagierte nicht auf Pfiffe, lernte dafür aber, durch Handzeichen der Trainer bestimmte Befehle zu befolgen, die u.a. wichtig für periodische Untersuchungen wie das Wiegen sind. Wie der Leiter der wissenschaftlichen Projekte der Loro Parque Stiftung, Dr. Javier Almunia, damals berichtete, war es auch ungewöhnlich, dass sich Morgan keine Laute aus dem Repertoire ihrer Artgenossen in der Gruppe aneignete, was ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Schwerhörigkeit sein könnte. Wenig später stellten die Wissenschaftler fest, dass Morgan tatsächlich taub ist. Die Trainer entwickelten für Morgan daraufhin ein Kommunikationssystem, das auf Lichtsignalen basiert und weltweit einzigartig ist.
Die weitere Integration von Morgan verlief problemlos, und sie entwickelte eine enge soziale Bindung zu den anderen Schwertwalen. Im September 2018 bekam Morgan Nachwuchs. Ula ist das jüngste Mitglied der Schwertwalgruppe im Loro Parque.

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