Ohne Moos nix los


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

„Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ – sagen sich viele und hüten sich, mit Freunden Geschäfte zu machen. Manche haben ja auch schon schmerzhaft erleben müssen, wie wahr dieser Spruch ist. Wie oft sind schon Freundschaften, ja ganze Familien am Geld zerbrochen.

„Geiz ist geil!“ – seit Jahren kennen wir diesen Werbeslogan einer Handelskette der es geschafft hat, dass wir – im Gegensatz zu früher – eben beim Einkaufen nicht mehr verstohlen auf den Preis schauen, sondern uns ungeniert über jedes Schnäppchen freuen und sogar noch versuchen, den Preis irgendwie herunterzuhandeln.

„Ohne Moos nix los!“ – das ist eine Aussage, die mir nicht nur aus Studententagen noch in guter Erinnerung ist. Wie oft musste ich damals bei irgendwelchen Einkäufen, bei Konzerten oder anderen Freizeitunternehmungen die Segel streichen, weil mal wieder „Ebbe im Geldbeutel“ angesagt war und jede Ausgabe wohl überlegt sein wollte. Wie oft hing ich da den Gedanken nach: Reich müsste man sein! Und heute stelle ich fest, dass sich viele Menschen immer wieder über das „Reich-Sein“ Gedanken machen. Sei es nun, um irgendwelchen Träumen nachzuhängen oder einfach, weil sie meinen, dann sorgloser leben zu können.

Wer ist denn in Ihren Augen reich? Bill Gates, die Queen aus England oder Michael Schumacher? Oder würden Sie schon die Leute aus dem Prominentenviertel Ihres Heimat- oder Wohnortes als reich bezeichnen? Und wie ist das mit Ihnen selbst? Könnte man nicht auch von Ihnen sagen: Sie sind reich? Schließlich machen Sie hier Urlaub und genießen etwas, was nicht alle in der Art und Weise genießen können. Ich meine, es kommt immer auf den entsprechenden Maßstab an.

So sagt z.B. der Apostel Paulus den Leuten in Korinth auf den Kopf zu: Ihr  seid reich! Eine Aussage, die man in der Bibel nachlesen kann. Da heißt es in seinem zweiten Brief an die Korinther: „Ihr seid reich, denn Christus hat euch durch seine Armut reich gemacht.“ Jetzt müssen wir uns aber vor Augen halten, dass in der Hafenstadt Korinth die meisten Christen recht einfache Leute waren, arme Schlucker, die kaum Bares hatten, geschweige denn großartigen Besitz. Und trotzdem zählt Paulus auf: Ihr seid reich – reich im Glauben, reich im Wort, reich in Erkenntnis, im Eifer und in der Liebe. So reich sind sie, die Kaufleute und die Reeder, aber eben auch und erst recht die Hafenarbeiter, die Sklaven und die armen Leute von Korinth.

Reich sind sie geworden, so meint das Paulus wohl, weil Christus arm gewesen ist. Arm – weil einer von ihnen. Deshalb musste jetzt aber auch keiner mehr glauben, dass Gott mit seinem Segen nur bei den Reichen sei und die Armen nichts mehr zu erwarten hätten. Nein, Gott ist einer von ihnen geworden, er selbst kümmert sich um die, die nichts oder nur wenig haben. Das aber macht die meist armen Einwohner von Korinth im Sinne des Apostels reich! Und so öffnet er ihnen die Augen für ihren Reichtum. Denn wer immer nur daran denken muss, dass er zu wenig Geld hat – der übersieht eben auch ganz schnell, was er eigentlich an Fähigkeiten und Möglichkeiten hat. Und so erinnert Paulus die Korinther daran, dass sie reich an Liebe sind; eine Liebe, mit der sie anderen Wärme und Geborgenheit schenken können. Dass sie reich im Reden sind und so andere durch ihre Worte trösten und aufrichten können.

Von Geld allerdings redet Paulus zunächst überhaupt nicht. Vielleicht, weil er längst weiß, dass Geld nicht unbedingt reich macht, sondern mitunter Freundschaften zerstört und eine „Geiz ist geil-Mentalität“ in allen Bereichen menschlichen Lebens zum Vorschein bringt. Und dass das stimmt, das zeigt sich selbst in unseren Kirchen – gleich welcher Konfession. Das Geld wird weniger und schon werden einfallslos und ohne Rücksicht darauf, wie sinnvoll etwas ist oder auch nicht, ganze Arbeitsbereiche geschlossen, gestrichen, aus dem Bewusstsein verdrängt. Manchmal hab ich den Eindruck, die fetten Jahre haben uns hilflos, ideenlos, lieblos und träge gemacht. Und dann spüre ich, dass Menschen, die reich sind und daran gewöhnt, sich auf ihr Geld zu verlassen, dass solche Menschen und auch Institutionen oft ganz schön arm dran sind.

Ohne Moos nix los – das ist wahr; manches geht eben nicht, wenn man kein Geld hat. Und es ist ungerecht, wenn die einen mehr haben, als sie ausgeben können und den anderen kaum genug zum Leben bleibt. Aber: Vieles geht trotzdem! Ohne Moos nix los, das ist manchmal auch nur eine bequeme und faule Ausrede, wenn mir nichts mehr einfällt. Paulus jedenfalls erinnert uns daran: Ihr seid reich – trotz allem! Und vieles ist möglich – auch ohne Geld!

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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