Öffentlicher Verkehr ein teures Vergnügen?


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Erhöhung der Fahrpreise für Straßenbahn und Busse entfacht Diskussion über Preisniveau

Die Erhöhung der Ticketpreise für Straßenbahn und Titsa-Busse Anfang August hat eine Diskussion über das Preisniveau im öffentlichen Verkehr auf der Insel entfacht.

Die Straßenbahngesellschaft Metropolitano de Tenerife setzte die Fahrpreiserhöhung ab 13. August, 00.00 Uhr um. Seither kostet ein Einzelfahrschein mit der Straßenbahn 1,30 Euro (vorher 1,25 Euro), ein Hin- und Rückfahrschein 2,45 Euro (vorher 2,35 Euro). Wer eine Mehrfahrtenkarte für 12 bzw. 30 Euro erwirbt zahlt 0,95 Euro pro Fahrt (vorher waren es 0,85 Euro).

Auch das öffentliche Busunternehmen Titsa hat die Preise erhöht. Eine Fahrt zwischen Puerto de la Cruz und Las Américas kostet 70 Cent mehr, von Santa Cruz nach Puerto de la Cruz 15 Cent. Busfahrten im Stadtbereich (Santa Cruz de Tenerife, La Laguna, El Rosario und Tegueste) wurden um 10 Cent erhöht. 

Die Fahrpreiserhöhung ist bei Bevölkerung und Politikern auf Kritik gestoßen. Der Verband zur Förderung des öffentlichen Verkehrs von Teneriffa (Trantf) drohte gar mit einer Protestkundgebung um zu verdeutlichen, wie wenig die Bevölkerung von derartigen Maßnahmen hält und ein erschwingliches öffentliches Transportnetz zu fordern. Nachdem ein Treffen mit Cabildovertretern für den 22. August vereinbart werden konnte, um über die Preiserhöhungen zu sprechen, wurde von Protestaktionen bislang abgesehen.

Die Zeitung El Día veröffentlichte eine Tabelle in der die Ticketpreise des öffentlichen Verkehrs auf Teneriffa mit denen von spanischen Großstädten verglichen werden. Dabei wird zugrundegelegt, dass die Stra­ßenbahn auf Teneriffa nur eine einzige Zone hat und somit mit den Preisen für Einzelfahrscheine innerhalb einer Zone einer Großstadt verglichen. In Madrid liegt dieser Preis (eine Zone) bei 1,15 Euro, also 15 Cent unter dem Preis auf Teneriffa. Erst über drei Zonen zahlt ein Nutzer des öffentlichen Verkehrs in Madrid 1,30 Euro. In Sevilla, Valencia, Bilbao, Alicante, Mallorca und Zaragoza sind die Preise für Einzelfahrscheine zwischen 10 und 40 Cent günstiger als auf Teneriffa.

José Manuel Corrales, PSOE-Generalsekretär auf Teneriffa, kritisierte die Preiserhöhung aufs schärfste und forderte, dass wenigstens für die nächsten drei Jahre die Ticketpreise eingefroren werden, damit sie sich auf dem durchschnittlichen nationalen Preisniveau einpendeln. Außerdem bemängelte Corrales, dass gerade auch Studenten, die mit Spezialfahrkarten zum Campus als Nutzer des öffentlichen Verkehrs gewonnen werden sollen, durch die Preiserhöhungen belastet werden. Ihre 10 bzw. 20 Euro-Mehrfahrtenkarten werden mit 10 Cent mehr pro Fahrt nun deutlich schneller aufgebraucht sein.

Für die Feststellung, dass die Fahrkartenpreise auf Teneriffa im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen der Bevölkerung deutlich zu hoch liegen, reicht auch ein Blick nach Deutschland. In Berlin zum Beispiel kostet ein Einzelfahrschein für die Kurzstrecke (nicht mehr als drei S- oder U-Bahnstationen bzw. nicht weiter als sechs Stationen mit dem Bus oder der Straßenbahn), was wohl mit den Entfernungen auf Teneriffa, zumindest was das Straßenbahnnetz anbelangt, vergleichbar sein dürfte, ebenfalls 1,30 Euro.

Der Verband Trantf hat auf seiner Website www.trantf.es eine Vergleichstabelle der Fahrscheinpreise im öffentlichen Verkehr in verschiedenen spanischen Großstädten veröffentlicht. Auch Vergleiche zu europä-ischen Großstädten wie Lissabon, Paris, London, Rom oder Berlin werden gezogen und dabei festgestellt, dass das Verhältnis nicht stimmt.




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