Notwasserung vor 47 Jahren


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Das Wrack der Douglas DC-3 liegt in 30 Metern Tiefe vor der Küste von El Sauzal

Im November 1966 musste ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Spantax mit 24 Passagieren an Bord vor El Sauzal notwassern. 47 Jahre danach hat der Luftsportverein Real Aeroclub Tenerife die Retter von damals geehrt.

Fischer aus El Sauzal waren den Passagieren und der Besatzung nach der Notwasserung zu Hilfe geeilt. Es ist diesen Fischern, der Besonnenheit der Passagiere und dem Können der Besatzung zu verdanken, dass am Ende nicht mehr als ein Todesopfer zu beklagen war.

Aus diesem Anlass waren einige der damaligen Passagiere, die Kinder des 2011 verstorbenen Flugkapitäns, der damalige Copilot Fernando Piedrafita und drei der Fischer, die an der Rettungsaktion teilgenommen haben, die Brüder Juan, Julio und Domingo Ravelo, wieder zusammengekommen. Piedrafita brachte in seiner Ansprache mehrfach seine Dankbarkeit für die Fischer zum Ausdruck und regte an, den Rettern von damals endlich eine dauerhafte Ehrung, wie die Benennung einer Straße, zuteil werden zu lassen.

Der Flug IB-261 war damals, am Morgen des 16. November, bei tiefhängender Wolkendecke vom Flughafen Los Rodeos mit Ziel La Palma gestartet. Schon Minuten nach dem Abheben, als die Maschine, eine Douglas DC-3, eine Höhe von 850 Metern erreicht hatte, erfüllte plötzlich lautes Dröhnen die Kabine. Wie Copilot Fernando Piedrafita berichtete, flogen er und Flugkapitän Eugenio Maldonado noch immer ohne Sicht. Anhand ihrer Instrumente stellten sie fest, dass der rechte Propeller überdrehte und sich nicht anhalten ließ. Der Motor fiel in der Folge aus, und das Flugzeug verlor so schnell an Höhe, dass an eine Rückkehr zum Flughafen nicht zu denken war. So beschloss der Kapitän, vor El Sauzal eine Notwasserung vorzunehmen und wies die Stewardess María del Carmen Vásquez an, die Passagiere zu informieren und beim Anlegen der Schwimmwesten zu helfen. Den Piloten gelang es, die Maschine sanft vor der Steilküste in der Bucht Los Ángeles, zur Linken des Garañona-Strandes, zu wassern.

Ein Dutzend Fischer, die vor der nahe gelegenen Punta de los Parrales ihrer Arbeit nachgingen, nahmen sofort Kurs auf das Flugzeug und holten die Insassen, darunter zwei Kleinkinder, aus dem Wasser und direkt aus der Maschine. Die Rettungsaktion lief ruhig und geordnet ab. Nur einem 62-jährigen Passagier, Friedensrichter und ehemaliger Bürgermeister von La Victoria, der eine Panikattacke erlitt und sich an die Ausstiegsluke klammerte, gelang es nicht, das Flugzeug zu verlassen, obwohl ihm der Kapitän vom Rumpf der Maschine aus zuredete und befahl, zu springen. Als die Douglas DC-3 zehn Minuten nach dem Aufsetzen versank, wurde er mit in die Tiefe gezogen, während sich Kapitän Maldonado im letzten Moment durch einen Sprung ins Meer retten konnte. Das Opfer wurde noch am selben Tag durch Taucher tot aus dem Wrack geborgen. Die Autopsie ergab, dass er nicht ertrunken war, sondern durch einen Herzinfarkt zu Tode kam.

Alle anderen Flugzeuginsassen wurden von den Fischern unversehrt an den Anleger von El Pris und mit einem Helikopter zurück zum Flughafen Los Rodeos gebracht. Drei der Passagiere weigerten sich, in den Hubschrauber zu steigen und zogen es vor, zu Fuß zu gehen. Ohne das Eingreifen der Fischer und die besonnene Vorgehensweise der Besatzung hätte es wesentlich mehr Todesopfer gegeben, da die meisten Passagiere nicht schwimmen konnten und in der Aufregung auch mit den Schwimmwesten nicht zurechtkamen.

Das Wrack liegt noch immer in etwa 35 Metern Tiefe auf dem Grunde der Bucht und ist, obwohl es mittlerweile stark verfallen ist, eine Attraktion für Taucher. Die Fotos auf dieser Seite stammen von der Tauchschule Ecosub Tenerife in Puerto de la Cruz.




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