Nothaltestellen für Hungrige


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An der Straße nach Icod gibt es noch die alten Verkaufsstände

Im Westen Teneriffas gibt es noch an der Landstraße ein Relikt aus alter Zeit: Verkaufsbuden, aus Holz zusammengezimmert und über die Jahre erweitert, wo der Reisende bequem anhalten und sich mit Obst, Gemüse und anderem versorgen kann.

Sie haben die Jahrzehnte überdauert, obwohl sie keinerlei Lizenz haben und der Handel somit, wie die zuständige Bürgermeisterin von La Guancha sagt, „eine illegale Aktivität“ ist, und das seit mindestens 20 Jahren.

Es sind durchweg Familienbetriebe, der Stand von Juana und Araceli und die „UVI“. Letzterer fällt etwas aus dem Rahmen, da es dort nicht nur landwirtschaftliche Produkte gibt, sondern auch wie in einer Bar etwas zu essen und zu trinken. Vor allem letzteres dürfte der Grund für den seltsamen Namen sein, denn UVI ist die spanische Abkürzung für „Unidad de Vigilancia Intensiva“, also „Intensivstation“. Aber selbst die Inhaber können sich nicht mehr daran erinnern, wann und warum der Stand so genannt wurde.

Das Angebot ist reichhaltig, aber nicht alle Produkte stammen von der Insel. Nur saisonbedingt gibt es Inselgemüse oder Orangen, das Meiste ist importiert. Wenn sie von dem leben müssten, was die Insel produziert, dann hätten sie schon längst schließen müssen, meinen die Inhaber. Ihre Kunden stört es nicht, die meisten sind Stammkunden, die schnell und bequem ihren Tages- oder Wocheneinkauf dort machen. Hin und wieder halten auch Touristen und nehmen das eine oder andere mit. Doch die „Zeiten der großen Verkäufe sind vorbei“, auch hier hinterlässt die Krise ihre Spuren.

Immer wieder sind die Stände mit der Schließung bedroht worden und einer, La Cerilla, hat inzwischen schon geschlossen. Für die andern beiden wird es wohl erst dann ernst werden, wenn der neue Bauernmarkt vor dem Tunnel von Santo Domingo eröffnet wird. Immerhin ist er, wie viele kanarische Projekte, schon lange fertig, aber man schafft es aus unerfindlichen Gründen mal wieder nicht, das teure Objekt seinem Zweck zuzuführen. Doch er soll, Gerüchten zufolge, „noch in diesem Sommer eröffnet werden“. Man wird sehen. Sollte das der Fall sein, dann wird man wohl endgültig dafür sorgen, dass die „illegale“ Konkurrenz verschwindet oder – ganz legal – in die neue Markthalle verlegt wird.




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