„Nord-Süd-Zugtunnel nur eine Frage des Geldes“


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Cabildo-Chef Ricardo Melchior ist optimistisch, was die Umsetzung des Mammut-Projektes betrifft

Teneriffas Cabildo-Chef Ricardo Melchior setzt alles daran, aus dieser Legislaturperiode – seiner dritten Amtszeit – das „Mandat der Züge“ zu machen.

Seitdem Ende April bekannt wurde, dass zu dem lang erträumten Projekt eines Zugtunnels, der Norden und Süden der Insel verbindet, bereits eine positive Durchführbarkeitsstudie vorliegt, überschlagen sich die Meldungen über die geplanten Zugverbindungen auf Teneriffa.

Für den Cabildo-Chef steht schon jetzt fest: der Tunnel wird gebaut. Es sei lediglich eine Frage des Geldes, denn erst einmal, so erklärte Melchior, müssen die bereits seit langem geplanten Zugverbindungen „Nord“ und „Süd“ gebaut und in Betrieb genommen werden. An zweiter Stelle der Prioritätenliste stehe dann die sogenannte Schlie­ßung des Zug­­rings von Teneriffa mit der Strecke Fonsalía-Los Realejos. Erst wenn diese Bauvorhaben  finanziert und verwirklicht werden konnten, könne man sich ernsthaft mit dem Tunnelprojekt befassen. Melchior merkte in diesem Zusammenhang jedoch auch an, dass es nie zu früh sei, diesbezüglich mit der Planung zu beginnen, denn die Umsetzung eines derart umfangreichen Vorhabens wie es ein Tunnelbau sei, be­nötige ohnehin schon mindes­tens zehn Jahre.

„Es gibt viele Ideen, nur sprechen wir normalerweise nicht darüber“, erklärte Melchior. „Aber vor etwa vier bis fünf Jahren prüften wird die Möglichkeit, den Süden und den Norden zu verbinden, ohne auf die Schließung des Inselzugnetzes angewiesen zu sein oder beispielsweise über die Stadt La Laguna fahren zu müssen.“ Damals habe er auf einer Messe in Berlin den Kontakt zu dem deutschen Unternehmen Hochtief herstellen können, das, was den Bau von Tunneln betrifft, weltweit über die größte Erfahrung verfügt. Gänzlich kostenlos habe das Unternehmen seine beiden renommiertesten Experten nach Teneriffa geschickt. Zusammen mit hiesigen Fachleuten wurde die Durchführbarkeit des Tunnelbaus überprüft und für positiv befunden.

Damals sei man auch von dem ursprünglichen Vorhaben, einen Tunnel für den Autoverkehr zu bauen, abgekommen. Ein Zugtunnel sei einfach viel weniger riskant, ganz abgesehen davon, dass eine geringere Aushöhlung nötig ist und keine Zusammenstöße befürchtet werden müssen. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist vorgesehen, dass der Zug in dem Tunnel eine Geschwindigkeit von 180 km/h erreichen kann und für die 16,5 km lange Stre­cke etwa fünf Minuten be­nötigt.

„Die notwendigen Untersuchungen für den Tunnelbau stehen“, so Melchior. „Jetzt fehlt im Grunde nur noch die Finanzierung und sobald wir die auf die Beine stellen, werden wir loslegen.“ Doch eben dieser letzte Punkt, die Finanzierung, könnte sich als eine nur schwer zu überwindende Hürde erweisen. Denn allein die Verwirklichung des Tren del Sur und des Tren del Norte sowie die geplante Schließung des Insel-Zug­rings kosten Milliarden von Euro, deren Herkunft noch mehr als ungewiss ist.

Teneriffas Cabildo-Chef setzt auf die Möglichkeit, dass so gut wie der gesamte Betrag aus nationalen Staatskassen fließen wird. Schließlich werden ja auch in allen anderen autonomen Regionen Spaniens derartige Infrastrukturen von Madrid bezahlt. Warum also nicht auch auf den Kanaren? In diesem Sinne hat das kanarische Parlament Ende April einen Antrag verabschiedet, demzufolge in Madrid die Zugpläne von Teneriffa ebenso wie die von Gran Canaria in das staatliche Zugnetz aufgenommen werden sollen.

Sollten die Bestrebungen der kanarischen Regierung und der Inselverwaltung von Teneriffa Wirklichkeit werden, könnten alle geplanten Zug­strecken spätestens in zehn Jahren fertig werden. Melchior jedenfalls rechnet damit, dass der Tren del Sur (Santa Cruz de Tenerife-Adeje), die Zug­strecke, die auf Teneriffa als erstes in Angriff genommen werden soll, in etwa fünf Jahren in Betrieb genommen werden könnte. Sofern alles nach Plan läuft, könnte bereits sechs Monate später die Strecke des Tren del Norte (Santa Cruz de Tenerife-Los Realejos) fertig werden. Wiederum sieben bis acht Jahre darauf soll mit der Fertigstellung der Strecke Fonsalía-Los Realejos der Inselzugring geschlossen werden. Und erst dann ist der Tunnel an der Reihe, der, zumindest nach dem Ansinnen Melchiors in neun bis zehn Jahren fertig gestellt werden sollte. Allerdings wäre das realistisch gesehen nur möglich, wenn noch in diesem Jahr die Bauarbeiten beginnen. Nach der Durchführbarkeitsstudie von Hochtief wurden acht bis neun Jahre Bauzeit angesetzt.




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