Neuer Anlauf zur Rettung der Casa Amarilla


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Seit 17 Jahren wird ein Museum in diesem historischen Forschungszentrum gefordert

Wieder einmal hat die psychologische Fakultät der Universität La Laguna einen Vorstoß unternommen, das Gebäude Casa Amarilla in Puerto de la Cruz seiner eigentlichen Bestimmung als Museum zuzuführen.

Offensichtlich will man jetzt den durch ein Miss­trauensvotum wieder ins Amt gekommenen Bürgermeister Marcos Brito bei seiner Ehre packen und erinnert ihn an sein Versprechen aus dem Jahr 2004, als er vollmundig versicherte, er werde das Problem anpacken.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall Casa Amarilla um eine unendliche Geschichte, denn seit 17 Jahren kämpft die Wolfgang Köhler-Gesellschaft vergeblich um die Erhaltung des Gebäudes, das immer mehr zur Ruine verfällt.

1913 richtete die Preußische Akademie der Wissenschaften in diesem Haus das weltweit erste Zentrum zur Verhaltensforschung der Primaten ein. Wolfgang Köhler war der zweite nach Puerto de la Cruz berufene wissenschaftliche Direktor, der sich in seiner Forschungsarbeit nicht nur mit der Darwinschen Evolutionstheorie beschäftigte, sondern auch die Grundlagen für die Gestalttherapie entwickelte, die erst Jahrzehnte später von Fritz und Laura Pearls aufgegriffen wurde und heute zu den gängigen Psychotherapie-Methoden zählt. Somit ist es nicht erstaunlich, dass nicht nur die Wolfgang Köhler-Gesellschaft, sondern auch Teneriffas Psychologiche Fakultät auf die Instandsetzung dieses Gebäudes drängen, das Geschichte gemacht hat.

Die Forschungsergebnisse, die Köhler Anfang des 20. Jahrhunderts in Puerto de la Cruz mit seinen Schimpansen niederlegte, sind noch heute unverzichtbar für jede wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet. Doch während der Wind ungehindert durch das eingestürzte Dach und die zerfallenen Türen und Fenster weht, stoßen die Verfechter des Museums-Projekts immer wieder vor beinharte Mauern. Nichts rührt sich. 2004 hatte Bürgermeister Marcos Brito zugesagt, die Casa Amarilla „in Kürze“ wiederaufzubauen und zu restaurieren, doch waren die drei ihm damals verbleibenden Mandatsjahre vermutlich zu kurz für dieses Vorhaben. Bürgermeisterin Lola Padrón, die ihn 2007 nach den Kommunalwahlen ablöste, hatte sich vor einem Jahr offensichtlich erfolglos mit der Bitte um finanzielle Mittel an die kanarische Regierung gewandt. Nun ist seit Oktober 2009 Marcos Brito nach einem Misstrauensvotum gegen Lola Padrón wieder im Amt, und in der Fakultät für Psychologie scheint man der Ansicht zu sein, dass jetzt der rechte Zeitpunkt gekommen ist, ihn an sein Versprechen aus dem Jahr 2004 zu erinnern.

In ihrem Schreiben betonen sie: „… die Eigentümer haben weder das Grundstück und das Gebäude der Öffentlichkeit zu Restaurierungszwecken überlassen, noch selbst Maßnahmen zur Instandsetzung des Gebäudes getroffen. Juristisch wäre eine Enteignung möglich, und wir sehen dies als dringend erforderliche Maßnahme an.“

Des Pudels Kern ist ebenso traurig wie offensichtlich. Das Grundstück liegt mitten in wertvollem Bauland von Puerto de la Cruz. Doch als historisches Objekt von öffentlichem Interesse ist es nur einen Bruchteil dessen wert, was es auf dem Immobilienmarkt bringen könnte. Da nützt es offenbar sehr wenig, dass weltweit von den USA über Australien bis Berlin über 50 Forschungszentren und Universitäten dafür eintreten, dass dieses Gebäude der Nachwelt als wissenschaftliches Denkmal erhalten bleiben soll.




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