Neue Polemik im Fall „Granadilla-Hafen”


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Geheimgehaltene Studie gelangte an die Öffentlichkeit

Die Seegraswiesen vor der Küste Granadillas sind zum Dreh- und Angelpunkt in der Polemik um den dort geplanten Industrie- und Handelshafen geworden.

Vor wenigen Monaten noch sah alles danach aus, als sei es mit den groß­flächigen Seegraswiesen vor der Küste Granadillas endgültig vorbei, denn, obwohl sie vielfach gesetzlich geschützt sind, was den Beginn des Hafenbaus behinderte, setzte sich die kanarische Regierung einfach darüber hinweg. Kurzerhand wurde eine Anordnung erlassen, mit der die Seegraswiesen vor Granadillas-Küste aus dem Artenschutzkatalog entfernt wurde. Schließlich stellten sie ja nur etwa 1% der gesamten Seegraswiesen um die Kanaren dar, womit ihre Zerstörung ja wohl nicht ins Gewicht fallen dürfte, wurde unter anderem argumentiert.

Kurz nachdem im zukünftigen Hafengebiet jedoch tat­sächlich die ersten Arbeiten begannen, schob der Oberste Gerichtshof der Kanaren dem Vorhaben erneut einen Riegel vor. Eine einstweilige Verfügung annullierte die Anordnung der kanarischen Regierung und stoppte, bis auf Weiteres, den Hafenbau. Bis heute ist der Gerichtshof in der Sache noch zu keiner Entscheidung gekommen.

Ein jetzt aufgetauchter Bericht lässt die ganze Angelegenheit jedoch in einem noch trüberen Licht erscheinen. Und zwar vor allem, was das Vorgehen der Hafenbefürworter betrifft, von denen die meisten offizielle Ämter bekleiden. Der Bericht stellt nämlich klipp und klar fest, dass die Seegraswiesen im Allgemeinen von großer Bedeutung sind und die vor der Küste Granadilla ganz besonders. Doch damit nicht genug. Besagter Bericht wurde nämlich nicht etwa von den Hafengegnern in Auftrag gegeben, um ihren Widerstand gegen das umstrittene Projekt zu unterstützen. Vielmehr  wurde er auf Antrag von Teneriffas Hafenbehörde erstellt, die damit ihr ursprüngliches Vorhaben, die vom Hafenbau betroffene Seegraswiese nach San Andrés zu „verpflanzen” bekräftigen wollte.

Ab hier kann nur spekuliert werden. Die Sache stellt sich jedoch ziemlich eindeutig dar. Da die für den Bericht notwendige Untersuchung dermaßen negativ für die Belange der Hafenbefürworter ausfiel, verschwand er mir nichts, dir nichts in einer Schublabe und das liegt nun schon über ein Jahr zurück. Bis vor wenigen Tagen wusste zumindest die Öffentlichkeit nichts davon und auch in den offiziellen Unterlagen und Dokumenten, die dem Obersten Gerichtshof vorliegen, ist er nicht enthalten. Kein Wunder, dass die Hafengegner nun befinden, der Bericht sei absichtlich „verborgen” worden. Die Umweltschutzorganisation Ben Magec-Ecologistas en Acción hat inzwischen bereits Brüssel über die neue Wendung im Fall „Granadilla-Hafen” informiert.




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