Naturdenkmal der Welt


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Die Unesco hat den Teide-Nationalpark zum Weltnaturerbe erklärt

Der Teide-Nationalpark auf Teneriffa und das Opernhaus von Sydney in Australien haben neuerdings außer ihrer Berühmtheit noch etwas gemeinsam: sie tragen den Unesco-Titel „Welterbe“. Das Welterbe-Komitee beschloss am 28. Juni in Christchurch (Neuseeland), Teneriffas Nationalpark auf die Liste des Weltnaturerbes zu setzen und entspricht so dem Wunsch der verschiedensten Inselbehörden, die schon seit Jahren auf ein positives Votum des Komitees hofften.

Christchurch – Las Cañadas del Teide ist längst nicht Spaniens größter Nationalpark, jedoch mit rund vier Millionen Besuchern im Jahr der meistbesuchte des Landes. Wer ihn kennt, weiß um seine Schönheit und Einzigartigkeit. Seit Jahren sind das Umweltministerium, die kanarische Regierung, das Cabildo von Teneriffa und die Inselgemeinden um die Gunst der Unesco bemüht. Nun haben sie ihr Ziel erreicht. Teneriffa kann künftig mit Stolz behaupten, eine weitere Welterbe-Stätte der Unesco zu beherbergen, denn immerhin trägt die Altstadt von La Laguna bereits seit 1999 den Titel „Weltkulturerbe der Unesco“. Und La Gomeras Nationalpark Garajonay ist der dritte Unesco-Titelinhaber der Kanaren (seit 1986).

Ausschlaggebend für die Anerkennung des Teide-Nationalparks als Welt-Naturdenkmal waren Aspekte wie die Landschaft des zu weiten Teilen über 2.000 m hoch liegenden Parks, seine Geologie, die ökologischen Werte, das Klima, die Flora und Fauna sowie seine wissenschaftliche Bedeutung.

Stolz und Wahrzeichen der Kanarischen Inseln

Der amtierende Regierungschef der Kanaren, Adán Martín, der in Begleitung der Vize-Umweltbeauftragten seines Kabinetts nach Neuseeland gereist war, um das spannende Ergebnis der Beratung des Unesco-Komitees abzuwarten, zeigte sich hocherfreut und bezeichnete den Nationalpark als „einzigartig unter den vulkanischen Gebieten der Welt“. Auch Cabildo-Präsident Melchior ließ umgehend eine Stellungnahme an die Medien herausgeben, in der er seiner Freude Ausdruck verlieh. „Dass der Teide zum Weltnaturerbe erklärt wurde, erfüllt uns – Tinerfeños, Canarios und schließlich auch Spanier – mit Stolz. Die Erklärung bedeutet nicht nur die Wertschätzung der natürlichen Schönheit unseres Vulkans, sondern auch die Anerkennung der geleisteten Naturschutzarbeit“, betonte Melchior. Noch am selben Abend wurde auf dem Platz vor dem Cabildo ein Fest improvisiert, um die Auszeichnung des Teide zu feiern. Die „Sabandeños“ kamen und musizierten und sangen zu Ehren des Vulkans, und ein großes Feuerwerk wurde abgebrannt.

Von der Erklärung des Teide zum Weltnaturerbe verspricht sich die Nationalparkverwaltung unter anderem mehr Unterstützung für den Naturschutz im Nationalpark. Auch die Möglichkeit, ein tägliches Besucherlimit durchzusetzen, scheint unter dem Titel „Weltnaturerbe“ wahrscheinlicher. Seit Jahren wird über diese Maßnahme debattiert, um durch die Besuchermassen entstehende Schäden einzudämmen.

139 Pflanzenarten, darunter 50 Endemiten

139 Pflanzenarten, von denen 50 endemisch sind, stellen den botanischen Reichtum des Teide-Nationalparks dar. 21 Spezies davon sind geschützt, drei stark vom Aussterben bedroht, vier bedroht und 14 gefährdet.

Das besondere wissenschaftliche Interesse der Teide-Fauna besteht unter anderem darin, dass sich hier wegen der klimatischen, geographischen und geologischen Bedingungen zahlreiche wirbellose Tiere entwickelt haben, die sonst nirgendwo zu finden sind.

Schwachstellen des Naturparadieses

Trotz aller Bemühungen und des steigenden Bewusstseins der Bevölkerung um die Wichtigkeit des Schutzes so fragiler und einzigartiger Naturgebiete wie dem Teide-Nationalpark, gibt es immer noch speziell drei Faktoren, die die intakte Umweltsituation des Parks stark beeinträchtigen: die Mufflons, die hohen Besucherzahlen und die Angewohnheit der Besucher, Steine als Souvenir mitzunehmen.

Besucher werden wohl kaum eines der im Nationalpark lebenden Mufflons zu Gesicht bekommen, dennoch leben dort bis zu 300 dieser scheuen Tiere. Die Bergziegen wurden in den 70er Jahren als neuer Anreiz für die Großwildjagd auf Teneriffa eingeführt.

Die Mufflons stellen eine große Gefahr für zahlreiche, teils endemische Pflanzenarten dar. Nicht zuletzt wegen ihres täglichen Nahrungsbedarfs – bis zu drei Kilo Grünzeug pro Tier! In der kargen Höhenlandschaft ist das ein Unding.

Obwohl zahlreiche Experten und Umweltschützer ihre Ausrottung als einzige Lösung ansehen, ist bislang nur wenig in diese Richtung geschehen.

Bezüglich des zweiten Punktes, der hohen Besucherzahlen, besteht die Gefahr vor allem darin, dass die Menschen immer dieselben Stellen besuchen. So bleiben zwar 90% des Parkes weitgehend unbeschadet, die übrigen 10% werden jedoch stark beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder die Seilbahn zum Teidegipfel kritisiert, nicht nur wegen der „Verunstaltung der Landschaft“, sondern besonders weil sie zu vielen Menschen die Möglichkeit gibt, in das hochempfindliche Gipfelgebiet zu gelangen.

Auch der dritte Punkt hat mit den hohen Besucherzahlen, vor allem aber mit der Gedankenlosigkeit der Menschen zu tun. Denn trotz des strengen Verbots werden jedes Jahr Tausende Steine als Andenken aus dem Park mit in die Heimat genommen. Wer vom Zoll am Flughafen mit einem solchen „Souvenir“ erwischt wird, hat übrigens schlechte Karten.

Der Teide war in der Antike „um einiges niedriger“

Leuchtturm des Atlantiks

Der majestätische Teide auf Teneriffa ist der höchste Berg Spaniens. Soviel steht fest. Wie hoch der Vulkan jedoch genau ist, darüber gab es lange Zeit geteilte Meinungen. Heute gilt, dass der Gipfel des Teide 3.718 Meter erreicht. Dies ist das Ergebnis der offiziellen Vermessung aus dem Jahr 1776. Dennoch variieren die Angaben in den unterschiedlichen Publikationen erheblich: von 3.714 bis 3.723 Metern ist die Rede. Und da hier der eine vom andern abschreibt, ist kein Ende des Zahlendurcheinanders abzusehen.

In den 90er Jahren behauptete Professor José González y García Estrada, auf die Lösung des Rätsels gestoßen zu sein. Mit modernsten Messgeräten ausgestattet stürmte er den Berggipfel und stellte fest:  3.714,5 Meter. [Die im Gegensatz zur Messung von 1776 fehlenden dreieinhalb Meter wurden daraufhin übrigens von einem Lästermaul dahingehend kommentiert, dass es sich zweifellos um all die Steine handele, die seither heimlich von Touristen als Andenken mitgenommen wurden.]

Der Teide in der Antike

Unter den Seefahrern des 17. und 18. Jahrhunderts war der Vulkan als Leuchtturm des Ozeans bekannt. Schon Alexander von Humboldt schrieb über den Teide: „Wenn sein seit Jahrhunderten halb erloschener Krater Feuergarben auswürfe…, so würde der Pik von Tenerife dem Schiffer im Umkreis von mehr als 1.170 Kilometern als Leuchtturm dienen“. Doch weder die Seefahrer würden den Teide heute wiedererkennen, noch würde Alexander von Humboldt die Vegetation rund um den Vulkan mit der aus früheren Zeiten vergleichen können. Es hat sich viel verändert.

Denn der Berg hat sich durch die zahlreichen Ausbrüche eine immer stattlichere Statur geschaffen. Römer, Phönizier und Karthaginienser sahen einen weitaus „kleineren“ Teide als wir ihn heute bewundern. Eustaquio Villalba, Geograph und Mitglied des Nationalpark-Patronats, erklärt, dass der Teide der Antike „um einiges niedriger war“ und erst im Laufe der Eruptionen zur heutigen Größe heranwuchs.

Die ersten Beschreibungen des Teide haben eines gemein: die Suche nach der exakten Höhe des Bergs und die Distanz, aus der er sichtbar ist. Obwohl keine Chroniken aus der klassischen Zeit erhalten sind, in denen der Teide aufgeführt ist, gibt es eine direkte Erwähnung des Vulkans in den Büchern der „Naturgeschichte“ von Plinius des Älteren, berichtet Villalba. Der römische Schriftsteller erwähne „den Schneeberg, den der mauretanische König Juba II, Protegé des römischen Kaisers Augustus, während seiner Expedition zu den Kanaren im ersten Jahrhundert vor Christus sichtete“.

Die erste literarische Erwähnung des Teide datiert aus dem 14. Jahrhundert und entstammt einem Schriftstück des Humanisten Boccaccio. Aus seiner Beschreibung geht hervor, dass nur dünne Rauchsäulen von dem Vulkan aufstiegen.

Der Teide in Zahlen

Das Naturschutzgebiet des Nationalparks „Las Cañadas del Teide“ umfasst 18.990 Hektar und der Park in der Mitte der Insel grenzt an 14 der 31 Gemeinden Teneriffas an. Auf der Liste der spanischen Nationalparks belegt er flächenmäßig den fünften Platz, ist jedoch mit jährlich über 3,5 Millionen Besuchern der meistbesuchte Nationalpark Spaniens.

Die Vulkanlandschaft ist von einem 46.000 Hektar großen Wald- und Forstgebiet (Corona Forestal) umgeben – das größte Landschaftsschutzgebiet der Kanarischen Inseln.

Der „Pico del Teide“ ist mit seinem 3.718 m hohen Gipfel der höchste Berg Spaniens und weltweit der dritthöchste Inselvulkan. Der Krater (Caldera), der den Vulkan umgibt, hat einen Durchmesser von 17 km und ist vor etwa 170.000 Jahren durch den Ausbruch eines älteren Vulkans entstanden.

Der letzte große Ausbruch des Teides ereignete sich am 5. Mai 1706.  Dabei wurde der damals wichtigste Inselhafen Garachico unter den Lavamassen begraben.

Experten haben seit 2004 eine leicht erhöhte vulkanische Aktivität auf Teneriffa festgestellt. Wissenschaftler bezeichnen dies aber als durchaus normal und halten einen Vulkanausbruch für unwahrscheinlich.




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