Müllmenge um 21% reduziert


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Teneriffas Abfallmanagement ist beispielhaft in der Region und strebt nach höherem Recyclinganteil

Seit dem Jahr 2006 ist die Müllmenge, die auf Teneriffa anfällt, um 21% zurückgegangen. Diese Verminderung ist vor allem auf die Auswirkungen der Krise zurückzuführen, die sich in einem geringeren Konsum ausdrücken.

Dennoch fallen immer noch Tag für Tag rund 2.200 Tonnen Abfall an. Damit könnte ein Fußballstadion wie das Heliodoro in Santa Cruz eineinhalb Meter hoch gefüllt werden. Die Mülltrennung in den privaten Haushalten nimmt sich im Vergleich dazu gering aus. Rund 60.000 Tonnen Glas, Verpackungsmüll und Altpapier kommen nach Aussagen der Wertstoffsammelfirmen Ecoembes und Ecovidrio im ganzen Jahr zusammen, weniger als ein Zwölftel der oben genannten Restmüllmenge. Immerhin entsprechen diese Zahlen den gesamtspanischen Durchschnittswerten und liegen deutlich über den Mindestmengen, welche die EU vorgibt.

Der für den Bürger mit der Mülltrennung verbundene Aufwand ist jedenfalls nicht umsonst, denn die Insel folgt einem ambitionierten Abfallwirtschaftsplan, der auf Nachhaltigkeit und Recycling ausgelegt ist. Schon 1984 stellte die Inselregierung die Weichen mit dem Beschluss, die damals existierenden 300 unkontrollierten Mülldeponien der einzelnen Gemeinden zu schließen und sämtlichen Abfall in einem spezialisierten Komplex, dem PIRS in Arico, zu konzentrieren. Mit dem Abfallordnungsplan PTEOR, der 2009 verabschiedet wurde, stellte das Cabildo nochmals die Weichen für eine nachhaltige und innovative Abfallbehandlung und hat damit auf den Kanaren eine Vorreiterrolle inne.

Es besteht ein klarer Wille seitens der Inselregierung, den Anteil des Abfalls, der als Wertstoff wiederverwertet wird, immer weiter zu steigern. Dafür organisiert sie Informationskampagnen für die Mülltrennung in den Haushalten und hat in moderne Mülltrennungsanlagen für Verpackungsmüll investiert, eine Kompostieranlage gebaut und fördert die Ansiedelung von Recyclingunternehmen im Umfeld des Umweltkomplexes in Arico.

Kapazität verdoppelt

Sogar der Restmüll aus den grünen und grauen Containern wird schon lange nicht mehr einfach verbuddelt,  sondern maschinell und manuell weiter behandelt, sodass ein Teil der Wertstoffe, die fälschlicherweise dort gelandet sind, doch noch der Wiederverwertung zugeführt werden kann. Außerdem wird ein Großteil der organischen Abfälle heraussortiert, kompostiert und zu Dünger verarbeitet. Bis vor Kurzem schaffte die Abfallbehandlungsanlage PIRS in Arico nur die Hälfte des angelieferten Abfalls. Seit Anfang 2013 wird die Anlage nun in Doppelschicht betrieben und schafft die gesamte Menge.

8% an wiederverwertbarem Material kann so noch einmal aus dem gemischten Müll gewonnen werden. An dieser relativ kleinen Zahl wird deutlich, wie wichtig es ist, die Wertstoffe schon im Privathaushalt zu trennen.

 Das Sortieren im Nachhinein ist mühsam, teuer und längst nicht so effektiv. Hinzu kommt, dass der Verbraucher das Recycling der Verpackungen meist schon mit dem Produktpreis im Laden bezahlt hat. Landen diese Stoffe nun im Restmüll, war diese Ausgabe umsonst, und obendrein werden so höhere Müllgebühren verursacht.

Außer den Wertstoffcontainer-Standplätzen für Altpapier, Glas und Verpackungen in den Ortschaften gibt es auf Teneriffa auch noch acht Wertstoffsammelstellen, die sogenannten „Puntos Limpios“, wo man alle anderen Sorten von Sondermüll kostenlos entsorgen kann. Dazu gehören Altöl, Speiseöl, Schutt, Metalle, Sperrmüll, Plastik, Papier, Glas, Holz, Medikamente, Batterien und Akkus, Ölfilter, Gartenabfälle, Farbreste, Altkleider, elektrische Geräte, Toner, Röntgenaufnahmen und vieles mehr. Diese Sammelstellen sind täglich außer montags geöffnet. Auf der Website www.tenerife.es (oben „Deutsch“ auswählen) kann man, wenn man auf der Startseite ganz nach unten scrollt, rechts im Menü „Nützliche Infos“ alle „Puntos Limpios“ mit Öffnungszeiten aufgelistet finden.

Kooperation mit Marokko

Die zentrale Organisation der Abfallwirtschaft und das moderne Mülltrennungskonzept Teneriffas dient den anderen Inseln und auch dem benachbarten Ausland mittlerweile als Orientierung. Erst im Mai war eine Abordnung von Regionalpolitikern und Technikern aus dem Raum Agadir (Marokko), wo Pilotprojekte der Abfall- und Recyclingwirtschaft angestrebt werden, die später als Modell für das ganze Land dienen sollen, auf Teneriffa zu Besuch. Die Besucher ließen sich vor Ort die Organisation der Müllabfuhr, die Sammelstellen und die modernen Abfalltrennungsanlagen in Arico zeigen. Die Inselregierung von Teneriffa arbeitet über das Projekt „Recicla“ mit Marokko in einem Programm zum Erfahrungsaustausch zusammen.




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