Mueca und Öko-Filmfestival gestrichen


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Sozialisten werfen der Stadt Puerto de la Cruz mangelnden Weitblick vor

Geschockt sind die Bürger von Puerto de la Cruz über die Ankündigung, in diesem Jahr werde sowohl das Straßen­theaterfestival Mueca als auch das erst im vergangenen Jahr von der damaligen sozialistischen Gemeinderegierung wieder aufgenommene Ökologische Filmfestival aus dem kulturellen Veranstaltungskalender gestrichen.

„Von kulturellen Veranstaltungen wird man nicht satt.“ Mit diesem Argument begründet der städtische Kulturbeauftragte José Carlos Marrero, dass die Stadt sich in diesem Jahr 2010 auf erschwingliche kulturelle Veranstaltungen beschränken müsse; man schlie-ße jedoch keineswegs aus, diese Veranstaltungen in besseren Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Zur Pressekonferenz wurde eine detaillierte Aufstellung der finanziellen Situation für die einzelnen kulturellen Veranstaltungen herausgegeben, die trotz aller Regierungs­subventionen für derartige Zwecke schlussendlich ein Minus aufweist.

„Kein Drama“

Sparen ist angesagt, lautete die Botschaft, mit der der Beschluss, zwei wichtige kulturelle Events der Urlauberstadt mit einem Federstrich aus der Agenda zu streichen, begründet wurde. Es sei schließlich „kein Drama“, wenn von 12 Veranstaltungen zwei entfallen. Immerhin habe das Ökologische Filmfestival einen Schuldenberg von 191.584 Euro hinterlassen, bei Mueca stünde man mit 48.600 Euro in der Kreide. Insgesamt sei im Stadtamt Cultura y Fiestas ein Minus von 523.015 Euro angelaufen: ein schweres Erbe, das die desaströse Amtsführung der Sozialisten in der Stadtkasse hinterlassen habe.

Zu kurz gedacht?

Die Sozialisten laufen Sturm gegen diese heftigen Anschuldigungen. Die im Oktober entthronte Ex-Bürgermeisterin Lola Padrón weist grundsätzlich einmal darauf hin, dass während ihrer Regierungszeit die allgemeine Verschuldung der Stadt von 28 auf 23 Millionen Euro gesenkt werden konnte, „ohne finanzielle Beschneidungen im Kulturbereich.“ Im Gegenteil sei der kulturelle Etat von 813.000 Euro (2007) auf 1,17 Millionen Euro im Jahr 2009 angehoben worden.

„Es gibt halt Leute“, seufzt sie, „die noch immer an dem alten Tourismusmodell von Sonne und Strand festhalten. Die nicht überblicken, dass ein Urlaubsort heutzutage mehr bieten muss, um attraktiv zu sein. Das Straßentheaterfestival Mueca hat Leben und Unterhaltung in die Stadt gebracht; die Menschen waren begeistert. Genau solche Initiativen braucht aber ein moderner Urlaubsort heute, um im Rennen zu bleiben.“

Im Hinblick auf das Ökologische Filmfestival erinnert sie daran, dass Bürgermeister Marcos Brito in seiner damaligen ersten Amtsperiode vor 15 Jahren als erstes das Filmfes­tival „aus wirtschaftlichen Gründen“ abgesetzt habe und nun genau das gleiche mit den gleichen Argumenten wiederhole. Dabei sei dieses Festival „unschätzbare Werbung“ und von großem kulturellen Freizeitwert für die Stadt.

Sie appelliert dringend an kulturelle, ökologische und soziale Verbände, diese beiden Veranstaltungen nicht sterben zu lassen, sondern „in bescheidenerem Rahmen“ auf die Beine zu stellen. Wenn dann bei den Wahlen 2011 „der dringend notwendige Regierungswechsel“ in der Stadt erfolge, werde die neue Amtsführung die Veranstaltungen wieder in vollem Glanz aufleben lassen.

Vor allem die Absage des Straßentheaterfestivals – Mueca fand seit dem Jahr 2000 ununterbrochen jeden Frühling statt – ist auf große Ablehnung in der Bevölkerung gestoßen, und auch die Unternehmerschaft ist der Ansicht, dass hier an der falschen Stelle gespart wird. „Für uns sind es die besten Tage im Jahr“, sagt zum Beispiel Santiago Estévez, Inhaber mehrerer Restaurationsbetriebe. Im letzten Jahr kammen zwischen dem 27. und 29. März durch Mueca geschätzte 20.000 Besucher nach Puerto und sorgten für eine gutes Geschäft der Lokale und Gaststätten. Deshalb sind Unternehmer wie Santiago Estévez davon überzeugt, dass Mueca nicht als Kostenpunkt, sondern als Investition betrachtet werden muss.




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