Mordermittlungen zur Trophäenhatz verkommen?


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Probleme bei der Zusammenarbeit verschiedener Polizeieinheiten

Am dritten Dezember und in den Tagen danach, suchte die Polizei auf Teneriffa nach einem Mörder. Der Verdächtige, ein 29 Jahre alter moldauischer Taxifahrer, gilt als gewaltbereit, und es ist unbekannt, ob er eine Waffe mitführt.

In einer idealen Welt würde eine Gruppe Ermittler intensiv nach dem mutmaßlichen Mörder suchen und alle anderen Polizisten würden die Augen offenhalten und bei Bedarf unterstützend eingreifen. Tatsächlich soll es innerhalb der Guardia Civil, die offiziell mit der National- und Lokalpolizei zusammenarbeitet, den Befehl gegeben haben, an diese keine Informationen über die Identität des Gesuchten und das mutmaßliche Fluchtfahrzeug weiterzugeben. Heraus kam dies nur, weil ein Agent der Guardia Civil anonym eine Tonaufnahme in den sozialen Netzwerken veröffentlichte. Darin ist zu hören, wie über Funk informiert wird, man suche den 30-jährigen Moldauer Eugeniu Berezenko, der vermutlich in einem grauen Chevrolet Aveo unterwegs sei. Doch diese Information sei nicht an die Kollegen von der National- oder Lokalpolizei weiterzugeben.

Dieser Vorfall löste sowohl bei den Polizeigewerkschaften als auch bei den Regionalpolitikern einen Sturm der Entrüstung aus. Die Gewerkschaft AUGC spekulierte öffentlich darüber, dass es der Guardia Civil wohl wichtiger sei, die Festnahme eines Mordverdächtigen für sich allein zu verbuchen, als die Information mit den anderen Polizeieinheiten zu teilen. Dadurch würden die Kollegen der Lokal- und Nationalpolizei sowie auch die Bürger unnötig in Gefahr gebracht.

María del Carmen Bento, die Regierungsbeauftragte auf den Kanaren, nahm die Guardia Civil in Schutz und sagte, die Zusammenarbeit mit den anderen Polizeieinheiten sei gut, der Fall unterliege nach gerichtlicher Anordnung der Geheimhaltung, und man dürfe anonyme Aussagen nicht ernst nehmen.

Die Kongressabgeordnete Ana Oramas dagegen hat ein Eingreifen des Innenministers Jorge Fernández Díaz gefordert, um Mängeln in der Abstimmung der Polizeikräfte auf den Grund zu gehen.

Mord aus Leidenschaft

Am Samstag, dem 29. November gegen 17 Uhr fand eine Anwohnerin im offenen Gelände, nahe der Wohnsiedlung, dem Aussichtspunkt und dem Jungle Park, die alle drei „Las Águilas del Teide“ heißen und oberhalb von Chayofa bei Los Cristianos liegen, die Leiche eines  Mannes. Er war halb eingegraben, geknebelt und hatte eine Plastiktüte über dem Kopf und Klebeband um den Hals gewickelt. Blaue Flecken an ganzen Körper lieferten den Ermittlern zusätzliche Hinweise auf Gewalteinwirkung.

Es handelt sich um einen Russen, der im oberen Teil von Los Cristianos wohnte und schon drei Tage zuvor von seiner Familie als vermisst gemeldet worden war. Diese hatte zu diesem Zeitpunkt schon berichtet, dass das Opfer von einem Moldauer, der in Adeje als Taxifahrer arbeitet, bedroht worden war.

Nur wenige Stunden nach dem grausigen Fund fuhr eben dieser Mann mit einem schwarzen BMW-Geländewagen, ohne anzuhalten, durch eine Straßensperre und machte sich damit noch zusätzlich verdächtig. Später wurde der Wagen ohne den Fahrer aufgefunden und sichergestellt. Man fand Blutspuren darin, die vermutlich vom Opfer stammen.

Der mutmaßliche Mörder heißt Eugeniu Berezenko und ist seit eineinhalb Jahren im Gemeindegebiet Adeje tätig. Er fährt ein Taxi, dessen Lizenz er gerade im Begriff war, zu erwerben. Der Gesuchte ist über 1,90 Meter groß und soll zu Gewalttätigkeit neigen.

Das Opfer heißt Andrey Timofeev und wurde 52 Jahre alt. Auch er betrieb einige Taxis in der Gegend.

Dass es Spannungen zwischen den beiden gab, kann nicht verwundern, denn der 29-jährige Berezenko lebte mit der Ex-Frau von Andrey Timofeev zusammen. Diese soll ihm einen luxuriösen Lebensstil ermöglicht und bei dem geplanten Kauf der Taxilizenz geholfen haben. Gleichzeitig hatte sie ihn schon dreimal wegen Misshandlung angezeigt, und er soll, als sie nicht mehr so großzügig sein wollte wie bisher, mit ihr in die Berge gefahren, ihr einen Abgrund gezeigt und zu verstehen gegeben haben, dass sie dort unten landen könnte, wenn sie nicht mehr zahle. Gleichzeitig soll Eugeniu Berezenko auch eine Beziehung zur gemeinsamen Tochter seiner Geliebten und seines Opfers unterhalten haben. Andrey Timofeev soll ihn mehrfach aufgefordert haben, sich von den beiden Frauen fernzuhalten.

Bisher ist Berezenko nicht gefasst. Seine Familie soll mehrere Immobilien im Süden besitzen. Ein Verwandter von ihm soll sogar ein Boot haben. Dennoch geht die Polizei davon aus, dass er die Insel bisher nicht verlassen hat.




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