Mit leichtem Gepäck unterwegs


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Wer mit leichtem Gepäck auf Reisen geht, der tut sich etwas Gutes! Denn alle, die schon mal mit dem Rucksack unterwegs waren wissen: jedes Gramm Gewicht zählt. Schließlich muss ich ja alles, was ich da einpacke, auch mit eigener Kraft den Berg hoch schleppen.

Da packt man dann schon mal die Sachen wieder aus, wiegt sie bedenklich in der Hand und fragt sich, ob man das wirklich braucht! Besser ist es doch: Mit leichtem Gepäck auf Reisen gehen und mit viel Erlebtem wieder zurückkehren. Das könnte man sich z.B. in diesen Tagen und Wochen vornehmen, in denen die meisten von uns ihre Urlaubstage verbringen.

Ich finde das mit dem leichten Gepäck auch ein schönes Bild für meine Lebensreise. Mit leichtem Rucksack unterwegs sein, das wünschen sich ja viele. Nur – es ist gar nicht so einfach. Was schleppe ich oft nicht alles mit mir herum. Vielleicht Sorgen in der Familie oder auch Ärger am Arbeitsplatz, mitunter auch nur der Stress der letzten Wochen. Deshalb mein Rat an uns alle, erst einmal auspacken, was man auspacken kann und neu sortieren. Schließlich kann ich eine Menge selber tun, um zu einem leichteren Reisegepäck zu kommen.

Was mir immer am besten dabei hilft ist einfach, mal wieder ganz bewusst ausatmen! Ja, Sie haben richtig gelesen. Damit fängt mein Auspacken an. Ärger und Sorgen loslassen über ein aktives Ausatmen. Dabei vielleicht noch beide Arme nach unten fallen lassen, dann hört man die Sorgen fast schon wie Steine plumpsen. Das wirkt tatsächlich! Denn Leib und Seele gehören ja zusammen und man kann es nirgendwo besser spüren als bei dieser Übung. Da kann dann so manches raus, was sich angesammelt hat und nur belastet, aber nicht weiterhilft. Man bekommt auf diese Weise den Kopf wieder etwas freier und klarer.

Dann ist für mich als nächs­tes ganz hilfreich, jemanden zu suchen, mit dem man sortieren kann. Das brauche ich ja nicht alleine zu machen. Klar – oft tut es schon gut, einfach mal einen Blick von außen auf die Dinge zu werfen. Deshalb kann da vielleicht der Ehepartner helfen und wenn es in der Beziehung gerade klemmt, dann ist vielleicht ein Freund oder eine Freundin sinnvoll; wobei ab und an natürlich auch professionelle Hilfe angesagt sein kann. Ich halte es für außerordentlich wichtig, sich Unterstützung von außen zu holen, damit man klarer sieht: Ob ich z.B. den Streit mit dem Bruder endlich beenden will; ob ich meine Kränkungen loslassen kann; ob ich demjenigen verzeihen kann, der mich so tief verletzt hat; in welchen Bereichen es eine Klärung in unserer Beziehung braucht. Wir wissen doch alle: Wer nachträgt, trägt schwer; der schleppt – im wahrsten Sinne des Wortes – ganz schön was mit sich herum! Wäre es da nicht an der Zeit, das eine oder andere hinter mir zu lassen? Es wäre dann wieder mehr Platz da für anderes!

Mit leichtem Gepäck unterwegs sein – wie beim Wandern! Das kann man wirklich auch fürs Leben und für den Alltag üben. Ich finde es ermutigend, wenn Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Das heißt doch nichts anderes, als dass der Glaube mir so zum Leben helfen will, dass meine Lasten leichter werden und ich mit gutem Gepäck und ausreichend Proviant unterwegs bin. Dazu bedarf es Übungen für meine Seele, die mir das Tragen dann leichter machen. Der Sonntag ist eine gute Gelegenheit dafür – aber nicht nur er. Vielleicht versuchen Sie gerade in den Tagen des Urlaubs mal folgende Übungen für sich selber:

1.) Beten: Gott einfach sagen, was einen bedrückt. Vor ihm laut oder auch leise aussprechen, was so belastend empfunden wird. Das ist genauso einfach, wie das bewuss­te Ausatmen. Und es hilft. Es erleichtert das Herz und es fließt einem neue Kraft zu. 

2.) Um Vergebung bitten, wenn man sich mit Selbstvorwürfen rumplagt oder schuldig geworden ist. Es hilft den anderen und auch Gott zu bitten: Verzeih mir! Das nimmt Last von den Schultern und man fühlt sich enorm leichter.

3.) Dem anderen vergeben!! Kränkungen loslassen, nichts mehr nachtragen! Von Herzen verzeihen, damit das Leben wieder in die Spur bzw. die Beziehung wieder ins Lot kommt. Vielleicht gelingt’s mit anderen zusammen besser – z.B. in der Feier des Gottesdienstes.

4.) Gutes einpacken, sich Gutes zusagen lassen. Nehmen Sie ein Wort aus der Bibel, einen Liedvers oder was auch immer! Sich ganz bewusst gute Worte einprägen und als Proviant mitnehmen, das ist wie Ermutigung im Gepäck. Oder ausreichend Proviant, wenn der Weg mal wieder steinig oder recht steil wird.

In diesem Sinne – Ihnen allen erholsame Urlaubstage, mit wenig – aber ausreichend Gepäck und Proviant!

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: www.katholische-gemeinde-teneriffa.de oder www.wochenblatt.es




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