Mit Fleiß den Traum von einem neuen Leben verwirklichen


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Ein junger Bootsflüchtling aus dem Senegal berichtet von seinen Erfahrungen in der Lehrwerkstatt für Jugendliche von Guía de Isora

Youssou (Name geändert), ein 17-jähriger Junge, der mit einem Flüchtlingsboot aus dem Senegal auf den Kanaren gelandet ist. Am 28. April 2006 verließ er seine Familie im Senegal, um sich auf den Weg in eine bessere Zukunft zu machen.

In der Heimat ließ er Eltern und einen achtjährigen Bruder zurück, mit denen er so oft wie es ihm möglich ist telefoniert; „es ist halt sehr teuer“, sagt er und träumt davon, später einmal seinen kleinen Bruder zu sich zu holen. „Wenn ich eine Arbeit habe und Geld verdiene.“

Neun Tage dauerte die Reise im Cayuco, die Youssou als nicht besonders schlimm empfand. Im Gegensatz zu vielen anderen hatten der Junge und seine Mitreisenden Glück. Sie hatten genügend Wasser und Essen dabei, zwischendurch angelten sie sogar. Und sie mussten nicht frieren. Ihr Boot war gut ausgerüstet und stabil, es schaffte die Überfahrt mühelos. Youssou, der schon sehr gut Spanisch spricht, hat keine traumatische Erinnerung an die Reise. Natürlich weiß er, dass er riesiges Glück gehabt hat.

Plötzlich erwachsen

Das Ziel und die Hoffnung Youssous und vieler anderer junger Afrikaner ist die Flucht in eine bessere Zukunft. „Wir wollen das Land verlassen, um zu Männern zu werden und zu arbeiten“, bringt es Youssu auf den Punkt. Denn die Reise im Cayuco lässt wohl jeden Jugendlichen über Nacht erwachsen werden.

Die gefährliche Überfahrt auf die Kanaren noch vor Erreichen der Volljährigkeit zu wagen, hat einen großen Vorteil, wenn man so will. Erwachsene Bootsflüchtlinge werden von Spanien in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Nicht so Kinder und Jugendliche. Wer unter 18 ist, darf vorerst nicht nur bleiben, sondern erhält nach Vollendung des 18. Lebensjahrs auch die Chance auf ein dauerhaftes Bleiberecht.

Youssou ist mit weiteren sechs Jugendlichen, die ebenfalls im Flüchtlingsboot auf die Kanaren kamen, im Jugendheim für Immigranten La Calederta in Guía de Isora untergebracht. Den jungen Menschen wird über ein arbeitspolitisches Programm der Regierung die Möglichkeit verschiedener Ausbildungen geboten. Youssou ist ein fleißiger Schüler. Er hat bereits eine Lehre als Koch und als Konditor in Costa Adeje erfolgreich absolviert. Jetzt lernt er in Guía de Isora ein weiteres Handwerk. In der Lehrwerkstatt „Isora sostenible“ wird er zum Installateur von Fotovoltaikanlangen und Solarthermieanlagen ausgebildet. Er lernt, die Solarmodule anzubringen und auch wie der Anschluss der Anlagen an das Stromnetzt erfolgt. „Unsere Schüler erhalten eine alternative akademische Ausbildung, so dass sie im Berufsleben eine Chance auf eine Arbeitsstelle haben“, sagt Iván Darias, Leiter der Lehrwerkstatt.

„Isora sostenible“ wird gemeinsam vom kanarischen Arbeits- und Sozialamt und der Gemeinde Guía de Isora finanziert.

Arbeitswillige Schüler

Youssou und seine Freunde sind sehr glücklich über diese Chance und lernen fleißig in Theorie und Praxis. Iván Darias lobt ihren Arbeitseifer, ihren Fleiß und ihr fröhliches Gemüt. Die sechs Lehrlinge sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Vier haben sich für den Zweig Fotovoltaik entschieden, zwei beschäftigen sich mit den Solarthermieanlagen. Die Jugendlichen können sogar schon etwas verdienen. Bis zu 500 Euro im Monat, wenn Aufträge hereinkommen. Das Geld wandert aber noch längst nicht in die eigene Tasche, sondern auf ein Konto, wo es von einem Vormund verwaltet wird bis die Kontoinhaber volljährig sind. Als Taschengeld erhalten die Jungen etwa drei Euro in der Woche.

Héctor Gómez, Leiter des Amtes für Arbeitswesen in Guía de Isora, erklärt, dass durch dieses Lehrprojekt die Integration der Immigranten gefördert bzw. ihr Start im Berufs- und Arbeitsleben erleichtert werden soll. Ziel sei es, so Gómez, mehr jugendliche Immigranten in solcherlei Projekte einzubinden, denn es liege bereits ein Abkommen zur späteren Eingliederung dieser Jugendlichen in den Arbeitsmarkt vor.

Cayuco – eine Dokumentation der Wirklichkeit zwischen Afrika und Europa

Die kanarische Sozialministerin Marisa Zamora hat zusammen mit dem Präsidenten des Verbands zur Untersuchung der Migrationsflüsse (CEMIGRAS), Jerónimo Saavedra, den 50-minütigen Dokumentarfilm „Cayuco“ über die Hintergründe der illegalen Immigration vorgestellt.

Der Film der kanarischen Produktionsfirma Pantalla Canaria  wurde zwischen Mauretanien und dem Senegal gedreht. Erfahrungsberichte von Betroffenen – Erwachsene, die im Boot flüchteten, Kinder und Jugendliche, die nun auf den Inseln ein neues Leben ohne ihre Familie beginnen, und Mütter die ihre Kinder im Atlantik verloren, erzählen von ihrem Schicksal. Der Dokumentarfilm präsentiert dem Zuschauer das menschliche Drama des Flüchtlingsstroms aus Afrika in seiner ganzen Grausamkeit. Er soll auf verschiedenen Filmfestivals vorgestellt und in mehrere Sprachen übersetzt als Fernsehfilm gezeigt werden.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um Menschen handelt, die alle eine Geschichte von Hoffnungen, Enttäuschungen und Leiden zu erzählen haben“, sagte Marisa Zamora.




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