Miniaturausgabe einer Schule


© Ruth Dionis

In Chamorga kämpfen Eltern und Lehrer um den Erhalt der Grundschule, die nur vier Kinder besuchen

Die Eltern von Valeria, Alba, Maikel und Alexander sind happy. Die Schule bleibt! Zumindest für das kommende Schuljahr, danach ist alles wieder ungewiss. Auch die Direktorin und gleichzeitig einzige Lehrkraft der öffentlichen Grundschule in Chamorga, Conchi Fariña, freut sich.

Wanderfreunde kennen das kleine Dorf meist, denn von Chamorga aus führen verschiedene Wanderwege in die entlegensten Ecken des nordöstlichen Anagagebirges. Chamorga liegt im herrlichen Anagagebirge und könnte mit Recht als das Ende der Welt bezeichnet werden. Wer den winzigen Ort über eine lange und kurvenreiche Route erreicht, muss Glück haben, dass die einzige kleine Kneipe am Platze geöffnet hat. Viel mehr gibt es nicht zu sehen. Die wenigen Einwohner verteilen sich auf fast ebenso wenige Häuschen, eine kleine Kapelle gibt es, und eine Schule. Noch.

Seit Jahren erwägt das kanarische Erziehungsamt die Schließung der kleinen Grundschule, die für ihre wenigen Schüler an sich viel zu groß ist. Conchi Fariña leitet das „Colegio de Chamorga“ und unterrichtet ihre vier Abc-Schützen im Schreiben, Lesen und Rechnen. „Für die älteren Schüler ist es schon anstrengend genug, jeden Tag lange Fahrzeiten in die Schule auf sich zu nehmen, das wollen wir den Kleinen ersparen“, sagt Conchi, die sich über die Jahre immer wieder erfolgreich für die kleine Schule eingesetzt hat.

Die Distanz bis zu der nächsten öffentlichen Grundschule, die schlechten Verkehrswege, die besonders im Winter durch Nebel und Regen noch gefährlicher werden, waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass das Erziehungsamt beschloss, die Schule (noch) nicht zu schließen und die Kosten zum Wohle der Kinder ein weiteres Jahr zu übernehmen. Conchi hofft, dass auf diese Weise die Schule zumindest so lange noch geöffnet bleibt, bis alle ihre vier Schüler die Grundschule beendet haben und somit ohnehin in die Schule in San Andrés wechseln müssen.

Valeria (4), Alba (5), Maikel (8) und Alexander (9) gefällt ihre Schule. Sie sind glücklich in Anaga, wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.




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