Migranten ohne Bleibe


Foto: Moisés Pérez

Sie hatten die höchstzulässige Zeit von drei Monaten im Ausländer-Internierungszentrum zugebracht und mussten entlassen werden

Teneriffa – Etwa zwei Dutzend junge Afrikaner befinden sich zurzeit obdachlos in den Straßen von Santa Cruz. Sie halten sich in der Umgebung des Heliodoro-Stadions, des Kulturparks Viera y Clavijo, des Centro de Salud in der Avenida Venezuela, des Barranco de Santos, der Puente de Hierro und der Avenida Tres de Mayo auf. Sie schlafen auf der Straße und ziehen tagsüber in kleinen Gruppen ziellos herum.
Es handelt sich um junge Männer aus Mali, die nicht mehr minderjährig sind. Sie haben bereits die Höchstzeit von drei Monaten im Ausländer-Internierungszentrum CIE Hoya Fría verbracht, ohne dass eine Identifizierung gelungen wäre und konnten deshalb nicht in ihre Ursprungsländer zurückgeführt werden. Sie fragen die Anwohner nach „Roja“, dem Roten Kreuz, und diese verweisen sie an die Essensausgabestellen für Bedürftige.
Die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung bestätigen, dass die jungen Männer täglich zum Obdachlosenheim kommen, um zu duschen. Abwechselnd werden ihnen die wenigen freien Betten für die Nacht zugeteilt, denn auch die Nachfrage der einheimischen Obdachlosen ist groß. Die Stadt wird sich mit der Regierungsdelegation und dem Konsul von Mali beraten, um ihnen Papiere zu beschaffen, denn ohne Identifikation ist es für die Behörden sehr schwierig, ihnen zu helfen. Außerdem ist man mit der Flüchtlingshilfeorganisation CEAR im Gespräch, um die Jugendlichen eventuell auf La Palma unterzubringen. Migrationsfragen fallen in die Kompetenz des Staates, und so kann die Stadt die Afrikaner nur mit Lebensmitteln versorgen, doch ohne Aufenthaltsstatus können sie weder Arbeit suchen noch sonst etwas Sinnvolles unternehmen.
Alberto González, Migrationsbeauftragter der Diözese Teneriffa, erklärte, man leiste Hilfe, wo man könne. Er befürchtet jedoch, dass angesichts der großen Zahl von Migranten, die zurzeit die Inseln erreichen, bald noch deutlich mehr Personen auf der Straße leben werden.

Aufnahmezentren für Migranten

Der kanarische Minister für öffentliche Verwaltung, Justiz und Sicherheit hat im Parlament die Einrichtung von Aufnahmezentren, wie es sie schon in Ceuta und Melilla gibt, dringend gefordert, damit irreguläre Einwanderer, die nicht in ihre Heimatländer zurückgeführt werden können, nicht auf der Straße campieren müssen. Zwar habe die Regionalregierung keine Kompetenzen beim Grenzschutz, könne und sollte jedoch die Rückführung illegal Eingereister vorantreiben, unbegleitete Minderjährige betreuen und Aufnahmezentren schaffen.

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