Megayacht „A“ in Santa Cruz


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Die berühmte Megayacht „A“ des russischen Milliardärs Andrej Melnitschenko sorgte Ende Dezember in Santa Cruz de Tenerife für Aufsehen. Mehrere hundert Spaziergänger bestaunten von der Avenida Francisco La Roche beim Cabildo aus das imposante Schiff.

Ob Oligarch Melnitschenko mit Model-Frau Aleksandra Nikolic überhaupt an Bord war, geschweige denn in Santa Cruz von Bord ging, wurde geheim gehalten.

Das futuristische Luxusschiff, designed von Philippe Starck, nimmt auf der Liste der längsten Motoryachten mit 118 Metern immerhin Platz 10 ein. 2008 von Blohm & Voss als „Sigma“ gebaut, kaufte Melnitschenko sie 2003 von einem saudischen Unternehmer und ließ sie überholen. Mit der 2008 neu entstandenen kurz und knapp „A“ nach seiner Frau Aleksandra getauften Yacht schien Melnitschenko zumindest kurzzeitig Roman Abramowitsch die Show zu stehlen, denn seine Yacht übertraf die „Pelorus“ von Abramowitsch um drei Längenmeter. Doch Abramowitsch kann neuerdings mit der größten Megayacht der Welt aufwarten: Im Dezember 2009 sollte in der Hamburger Werft Blohm & Voss die Übergabe der 163 Meter langen „Eclipse“ an den Milliardär stattfinden. Die Gesamtkosten dieses Luxusschiffes werden auf rund 800 Millionen Euro geschätzt. Dagegen wirken selbst die über 200 Millionen Euro, die Andrei Melnitschenko für seine „A“ hingeblättert haben soll, wie ein Schnäppchen.

Aber für Nicht-Milliardäre sind die Ausmaße, Ausstattung und Kosten der „A“ immerhin beeindruckend. Schon allein der Anblick der Megayacht verschlägt den Atem. Und wenn man etwas tiefer forscht, dann wird es noch weitaus beeindruckender.

Neben der verschwenderisch großzügigen Hauptsuite des Eigentümers bietet die Megayacht in sechs luxuriösen Kabinen Platz für bis zu 14 Gäste. Sämtliche Kabinen sind mit Leder und Edelstahlelementen modern und luxuriös im First-Class-Stil ausgestattet. Im Heckbereich ist der Fuhrpark – verschiedene Beiboote, etc. – untergebracht, und am Bug gibt es einen Helikopterlandeplatz. Eine 42-köpfige Besatzung kümmert sich darum, dass es den Eigentümern und wohlhabenden Gästen an Bord an nichts fehlt und das Schiff stets top gewartet ist.

Während der Umbauzeit der „A“ in Kiel herrschte übrigens lange Rätselraten, wer die futuristische Megayacht in Auftrag gegeben hatte; man spekulierte gar, es könnte sich um ein Spielzeug für den nächsten 007-Film handeln.

Andrej Melnitschenko (37) studierte zunächst Physik an der Moskauer Staatsuniversität und schloss sein Studium 1997 an der Plechanov-Akademie im Studiengang Finanzen und Kredit ab. Im Laufe der letzten 15 Jahre spielte Andrej Melnitschenko eine bedeutende Rolle beim Aufbau von Unternehmen, die zu Russlands erfolgreichsten gehören. 1993 war Melnitschenko einer der Gründer der MDM Bank, die nach weniger als 10 Jahren schon zu den größten russischen Privatbanken zählte. 1997 erstand er die Anteile der zwei anderen Inhaber und wurde somit zum alleinigen Eigentümer der Bank.

Mit Partner Sergey Popov leitete er seit 2000 den Aufbau von drei erfolgreichen Unternehmen. Dazu zählt neben EuroChem auch Russlands größter integrierter Kohle- und Energiekonzern, die Sibirische Kohle- und Energiegesellschaft (SUEK). 2007 erklärten sich Melnitschenko und Popov einverstanden, dass 50 % plus ein Anteil an SUEK von Gazprom erworben werden. Melnitschenko blieb jedoch Vorstandsmitglied der SUEK. 2001 gründeten er und Popov das Unternehmen TMK, heute Russlands größter Produzent und Exporteur von Stahlrohren. TMK produziert fast die komplette Palette an Rohren, die in der Öl- und Gasbranche sowie in der Chemie- und Petrochemieindustrie gebraucht werden und hatte 2006 einen Verkaufsumsatz von 2,4 Milliarden Dollar. 2007 übernahm Melnitschenko Popovs Anteile an EuroChem und wurde zum alleinigen Inhaber, verkaufte im Gegenzug seinen Anteil an der MDM Bank an Popov.

EuroChem ist der größte Mineraldüngerproduzent Russ­lands, gehört zu den Top 10 der Branche weltweit. 2007 hatte EuroChem einen Verkaufsumsatz von 3 Milliarden Dollar. EuroChem beschäftigt insgesamt über 23.000 Mitarbeiter.

Nach der russischen Zeitschrift Finanz nimmt Andrej Melnitschenko mit einem Vermögen von 5,9 Milliarden USD auf der Liste der reichs­ten Russen den 18. Platz ein.




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