Massengrab aus dem Bürgerkrieg in Las Cañadas?


© Moisés Pérez

Großangelegte Überprüfung des Gebiets mit Georadar gefordert

Es sei „relativ ausgeschlossen“, so der Archäologieprofessor Antonio Tejera Gaspar von der Universität La Laguna, dass sich in Las Cañadas del Teide irgendwelche Massengräber mit Opfern des Bürgerkriegs befinden könnten.

Die traurige Wahrheit sei, dass man sich der Toten bekanntlich ganz einfach entledigt habe, indem man sie ins Meer warf oder seltener verbrannte. Zu Zeiten des Bürgerkriegs habe es zudem noch gar keine Straßenverbindung in die Cañadas gegeben; die sei bekanntlich erst in den 40er Jahren von den politischen Häftlingen des neuen Regimes gebaut worden.

Losgetreten wurde die Diskussion durch die Öffnung eines Bürgerkriegs-Massengrabs bei Granada, in dem angeblich der berühmte spanische Poet Federico García Lorca zusammen mit anderen Opfern des Bürgerkriegs verscharrt wurde. Doch als die Grabstelle nun geöffnet wurde, fanden sich weder darin, noch in der gesamten Umgebung menschliche Überreste (das Wochenblatt berichtete).

Auf Teneriffa geht seit Jahrzehnten die Saga, dass man sich in einer tiefen, fast senkrechten Höhle zwischen Izaña und dem Portillo, Bucio de Maja genannt, einiger Opfer des Bürgerkriegs entledigt habe. Darunter mehrere Bürgermeister der Zweiten Republik. Tatsächlich sind im Bucio de Maja menschliche Knochen gefunden worden, jedoch stammen sie allesamt aus der Guanchenzeit. Dies ist übrigens nicht die einzige Bestattungsstelle der Ureinwohner in Las Cañadas.

Nun fordert der Verband zur Förderung des historischen Wissens von Teneriffa (ARMHT) nicht nur die penible Untersuchung des Bucio de Maja, sondern auch die Ausdehnung der Suche nach möglichen Grabstellen auf das Ucanca-Gebiet. Was für die Angehörigen der Bürgerkriegs-Opfer in Andalusien recht ist, darf denen auf Teneriffa nicht verwehrt werden: Sie wollen ihre Toten würdig bestattet wissen. Und obwohl Professor Tejero Gaspar alles andere als überzeugt ist, dass die Suche von Erfolg gekrönt sein wird, befürwortet er die Untersuchungen, denn: „In den mündlichen Überlieferungen aus dem Bürgerkrieg ist immer wieder die Rede davon.“




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