Masca: Gegenwart und Zukunft


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Wachsende Besucherzahlen haben die Bedürfnisse des Dörfchens verändert

Masca ist eine Perle der Natur und der kulturellen Identität der Insel. Das versteckte Bergdorf im Westen der Insel wurde aber längst vom Tourismus entdeckt und hat einen festen Platz im Ausflugsangebot der Tourenanbieter. Doch die über Jahrzehnte immer größer gewordene Zahl der Besucher, die täglich mit Bussen in diesen kleinen Ort gebracht werden, hinterlässt auch ihre Spuren.

Das malerische Dörfchen Masca befindet sich im Nordwesten von Teneriffa, am Fuße des Tenogebirges. Es liegt im Naturpark von Teno, in der Gemeinde Buenavista del Norte. Seine Häuschen und Bauten sind von großem architektonischem Interesse, Beispiele der traditionellen kanarischen Architektur.

Der Ort besteht aus mehreren Weilern (Caseríos), die kleine Kirche wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Masca konnte seine Ursprünglichkeit über Jahrzehnte, nicht zuletzt durch die ausgesprochen schlechte Verkehrsanbindung, beibehalten. Mit dem Ausbau der Straße wurde das kleine Bergdorf jedoch zum Anziehungspunkt für Urlauber. Im Laufe der Jahre ist die Besucherzahl ständig gestiegen. Weit mehr als 500.000 Menschen machen das Dorf jährlich zu ihrem Ausflugsziel, 100.000  wandern durch die Schlucht bis zum Meer hinunter, wo sie von einem Boot abgeholt und nach Los Gigantes gebracht werden.

Masca selbst hat nur knapp 80 Einwohner und zehn Geschäfte. Die Bewohner fühlen sich von der großen Anzahl von Touristen, die das Dorf jährlich besuchen, vollkommen überrollt. Der Mangel an Infrastrukturen ist bedeutend. Die Fußgänger teilen die schmalen Gassen mit Autos und Touristenbussen, von Evakuierungswegen kann nicht die Rede sein. Seit Jahren warten die Dorfbewohner auf einen Krankenwagen, der zur Sicherheit der vielen Wanderer einen festen Standort in der Gemeinde haben sollte. „So müsste nicht für jede leichtverletzte Person der teure Rettungshubschrauber in Anspruch genommen werden“, rechtfertigt der Präsident des Einwohnerverbandes, José Riquelme Díaz, diese Forderung. 2014 wurden 21 verunglückte Wanderer evakuiert. Allerdings hatten mehr als die Hälfte dieser Personen nur leichte Verletzungen wie Verstauchungen oder Schwächeanfälle erlitten.

Die Zufahrt für Notfahrzeuge ist ebenso schwierig, und nicht selten kommt es vor, dass die Bewohner ihren kranken Nachbarn auf den Schultern zum Krankenwagen tragen müssen, weil dieser nicht bis vor das Haus fahren bzw. dort wenden kann.

Seit 2008 warten die Bewohner von Masca auch auf Brandschutzmaßnahmen, nachdem bei einem Waldbrand 2007 sieben Häuser zestört wurden und augenscheinlich wurde, dass die Löscheinheiten Schwierigkeiten haben, das Dorf im Ernstfall schnell zu erreichen. Es gibt in Masca zwar zwei große Wasserbassins, diese haben allerdings keine Löschanschlüsse, moniert Díaz.

Auch klagen die Bewohner darüber, dass sowohl das kleine Völkerkundemuseum, als auch das Besucherzentrum seit Jahren geschlossen sind und somit mehrere Arbeitsplätze verloren gingen.

Ganz besonders besorgt sind die Bewohner jedoch über die Umweltbelastung, die die unkontrollierte Besucherzahl für das Dorf bedeutet. Die Belastungsgrenze der Wanderwege ist bei Weitem überschritten, der Grund sinkt durch die Vibrationen langsam ab. Täglich kommen nach Schätzungen von vor vier Jahren (neuere Zählungen gibt es nicht) zwischen 600 und 700 Touristen nach Masca. Viele davon wollen die Wanderung durch den Barranco bis zum Meer machen, doch nicht allen ist bewusst, dass dies kein Spaziergang ist. Obwohl ein Schild Auskunft gibt, brechen immer wieder ahnungslose oder desinformierte Touristen ohne das richtige Schuhwerk und sonstige Ausrüstung auf. Der Anwohnerverband fordert deshalb die Einrichtung einer Art Notfallstelle, die nicht nur bei leichten Verletzungen von Wanderern oder Ausflüglern einspringen könnte, sondern auch die Funktion einer Prüfstelle übernehmen könnte, um zu verhindern, dass Menschen mit schlechter Kondition oder ohne die notwendige Ausrüstung die Wanderung antreten.

Widerstand gegen Gebührenordnung

Seit 2001 wird immer wieder über die Einführung einer Gebühr für den Besuch des Bergdorfes gesprochen. Doch die Eintrittsgebühr als Maßnahme für die Besucherkontrolle ist bei den Dorfbewohnern auf großen Widerstand gestoßen. Mit einer Gebühr allein sei es nicht getan. Sie fordern darüber hinaus umfassendere Schutzmaßnahmen für ihr Dorf. Die tägliche Besucherzahl sollte eingeschränkt, geführte Wandertouren angeboten, die Infrastrukturen verbessert und die Ausbildung der Bewohner als Fremdenführer und Übersetzer gefördert werden. Letztendlich wünschen sich die Bewohner von Masca, dass ihr Dorf auch an dem Ertrag teilhat, den der Besucherstrom mit sich bringt.

So hat sich in den letzten Monaten eine Arbeitsgruppe aus Experten der kanarischen Regierung mit Bewohnern von Masca zusammengesetzt, um gemeinsam über eine nachhaltige Entwicklung dieses kleinen Dorfes im Nordwesten Teneriffas zu entscheiden. In Gesprächen mit den Dorfbewohnern möchten die Mitarbeiter der Regierung mehr über die tatsächlichen Bedürfnisse des Ortes erfahren.

Vorerst sind sich die Teilnehmer der Arbeitsgruppe jedoch lediglich darüber einig geworden, dass die „Besucherkapazität“ der Schlucht herausgefunden werden muss, um den Erhalt dieses Natur- und Kulturguts Teneriffas ebenso wie die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.




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