Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder


© Gernot Huber-Stiftung

Neuigkeiten vom Skulpturenpark in San Isidro

Vor einem Jahr kämpften Gisela und Gernot Huber mit Unterstützung des Inselpräsidenten Ricardo Melchior in großer Runde im Cabildo zusammen mit dem Deutschen Honorarkonsul Ingo F. Pangels und ihrem Rechtsanwalt Alberto Regalado noch um den Erhalt des Skulpturenparks der Gernot Huber-Stiftung in San Isidro.

Der Anwalt flog danach zu Gesprächen mit dem Präsidenten des Baukonsortiums, das Anspruch auf die Hälfte des Skulpturenparks erhebt (nach spanischem Recht kann die Mehrheit eines Bebauungsplanes die Minderheit überstimmen und notfalls enteignen), nach Madrid, um Näheres über dessen Päne zu erfahren. Miguel Rico, der Präsident aus Pamplona, traf sich daraufhin mit Gernot und Gisela Huber in deren Skulpturenpark und unterbreitete interessante Vorschläge. Man hatte sowohl dort als auch im Ayuntamiento von Granadilla die Bedeutung des Parks erkannt und ihn im Gegensatz zu den ersten  Bebauungsplänen nun als öffentlichen Park ausgewiesen. Sicher hat zu diesem Entschluss auch beigetragen, dass die bis zu 10 Meter hohen und teils Tonnen schweren Skulpturen internationaler Künstler aus Stein, Stahl, Holz und Glas nur unter größten Schwierigkeiten, wenn überhaupt, zu versetzen wären. Die Pläne sehen zwar unterhalb des Geländes Hochhäuser mit unvorstellbaren 11 Stockwerken vor, doch es besteht die Aussicht, dass Gernot Huber, der sich neben seinen bildhauerischen Werken auch als Landschaftsplaner einen Namen gemacht hat, von dem Bauherren den Auftrag zur Umgestaltung in einen öffentlichen Park erhält und damit Schlimmeres verhindern könnte. Immerhin kann er auf diesem Areal auf 18 Großplastiken zurückgreifen, ein Vorteil gegenüber Mitbewerbern um diesen Gestaltungsauftrag. Huber macht für diesen Fall weitreichende Vorschläge. Neben rollstuhlgerechten Wegen soll ein großer Wassertank zu einem Biotopsee umgestaltet werden und ein Naturlehrpfad  kleine und große Kinder über die immer seltener werdende endemische Pflanzenwelt Teneriffas aufklären. So könnte in San Isidro der erste Themenpark entstehen, in dem die Urnatur der Insel unzerstört bliebe und mit Blick auf die Weite des Atlantiks und den Teide den Rahmen für eine international beachtete Skulpturensammlung bilden. Die Hubers wären bereit, auch den restlichen Teil ihres Parks mit weiteren 60 Skulpturen der Öffentlichkeit dauerhaft zur Verfügung zu stellen und ihn auf diese Weise auf 10 Hektar zu vergrößern. Voraussetzung wäre allerdings, dass die das Areal zerschneidende Straße entfiele, der Park eingefriedet und nur zu musealen Zeiten frei zugänglich wäre, denn sonst würde er in kürzester Zeit zur Müllhalde und Hundeabtritt verkommen.

Gisela und Gernot Huber fassten also wieder Mut und sind dabei, nun die letzten Schäden des Wirbelsturms mit Hilfe von Kranwagen und kräftigen Helfern zu beseitigen. „Der Würfel“ von Maik Scheermann z.B. wurde trotz seiner 800 kg aus seiner Verankerung gerissen und 20 m in Richtung Meer gerollt. An manchen Totalschäden ist allerdings nichts mehr zu retten. An deren Resten wird eine Inschrift „DELTA  30.11.2005“ an den denkwürdigen Katastrophentag erinnern. Die Materialien für zwei Edelstahl­plastiken werden zur Zeit in der Schweiz und Deutschland in Kontainer verpackt und demnächst hier errichtet. Und sollte alles so gut gehen, wie derzeit angedacht, wird Huber sein dem Inselpräsidenten gegebenes Versprechen einlösen und dem heimischen Bildhauer Juan Carlos Martín den Auftrag für seine Vulkansteinplastik „Reunion“ erteilen. Das Modell wird am nächsten „Tag der offenen Tür“ am  Sonntag, dem 3.Februar 2008 schon zu bewundern sein. So kann die für den Archipel einzigartige Sammlung der rein privat finanzierten Gernot Huber-Stiftung also weiter wachsen. Der hochbegabte bildhauerische Nachwuchs wird durch Arbeitsstipendien gefördert, bereits erfolgreiche und bekannte Künstler nutzen die Möglichkeit, sich mit Unterstützung der Stiftung hier oder in deren deutschem Park in der Nordheide bei Hamburg zu präsentieren. Dort entstand Europas einziger rein kinetischer Kunst­park. In beiden Parks gilt Hubers Kredo: mit Nonsenskunst, wie dem ausgespuckten Kaugummi (DOKUMENTA Kassel 2007), wird er seine Gäste nicht veräppeln.

Skulpturenpark „Los Cardones“ der GERNOT HUBER-STIFTUNG. Anfahrt von der Autopista Sur  Salida 22 San Isidro Richtung Granadilla. Am Ortsende von San Isidro große S-Kurve. 100 m danach links Einfahrt bei einem weissen Stein mit Sonne. Geöffnet am Sonntag, dem 3.2.2008 von 14 -18 Uhr sowie für Gruppen nach Vereinbarung unter Telefon 922 772331. Infos: http://www. gernot-huber-stiftung.de. Eintritt gegen eine Spende von 5 EURO für den künstlerischen Nachwuchs. Jugendliche frei.




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