Mahnmal der Immobilienblase


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Nicht geschenkt! Gebäudekomplex verkommt zur Investitionsruine

Es scheint so, als laste auf dem modernen, geschwungenen Gebäude auf dem Berg Mesa Mota ein Fluch. Seit der Fertigstellung des großzügigen Gebäudekomplexes im Jahr 2006 wurden die unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten angekündigt, aber aus verschiedenen Gründen immer wieder verworfen.

Der vermeintliche „Fluch“, der über die Jahre verhindert hat, dass das Gebäude einer Nutzung zugeführt wird, scheint vielmehr ein Kostenproblem. Denn sogar das Angebot einer über zehn Jahre kostenlosen Nutzung der Stadt La Laguna an das Cabildo wurde von der Inselverwaltung, die durchaus an einer Übernahme interessiert war, ausgeschlagen. Die jährlichen Instandhaltungskosten werden auf 120.000 Euro geschätzt. Ein offenbar abschreckender Betrag. So kommt es, dass der Bau, von dem aus man ganz La Laguna überblicken kann, zu einem weiteren Mahnmal der spanischen Immobilienblase verrottet.

Der Umbau des ehemaligen Gebäudes des Taubenschützenvereins wurde im Jahr 2002 von der Stadt La Laguna in Auftrag gegeben. Damals wurde mit Kosten in Höhe von drei Millionen Euro gerechnet, die allerdings im Zuge der Bauarbeiten und Projektänderungen auf vier Millionen anstiegen. Das vom Architekturbüro Damián Trujillo y Asociados entworfene Gebäude sollte das neue Kongresszentrum der Stadt werden. Später wurde von der Stadtverwaltung mitgeteilt, dass darin das Institut für die Erforschung der Biodiversität in Makaronesien seinen Sitz haben würde, das von der EU finanziert werden sollte. Auch daraus wurde nichts. Der nächste Plan war die Umwandlung in ein Zentrum für Hochleistungsportler mit angeschlossenem Reha-Bereich und einem Restaurant, das für Nebeneinkünfte sorgen sollte. Im Jahr 2006 kündigte die damalige Bürgermeisterin der Stadt, Ana Oramas, schließlich an, dass Mesa Mota künftig der Universität als Kongresszentrum dienen werde. Offenbar wieder nur ein Lippenbekenntnis. 2008 folgte die Ankündigung, eine internationale Einrichtung habe Interesse an dem Gebäude, und wenig später war die Rede vom Einzug des Instituts für Biodiversität des Umweltministeriums. Seriös erschien zunächst die Anfrage der Inselverwaltung im Jahr 2010, die darin die Einrichtung zur Förderung von Projekten und Investitionen in Forschung und Technik (Parque Científico y Tecnológico de Tenerife) unterbringen wollte. Die Stadt La Laguna war bereit, dem Cabildo das Gebäude zehn Jahre kostenlos zu überlassen, sofern die Inselverwaltung die Instandhaltunsgskosten tragen würde. Doch diese erschienen, zusammen mit den durch Plünderungen und Vandalismus notwendig gewordenen umfangreichen Renovierungsarbeiten, schlicht zu hoch, sodass auch dieses Abkommmen nicht zustande kam.

Im Laufe der Jahre wurden weitere Nutzungsmöglichkeiten in Betracht gezogen. Dem Roten Kreuz, Cáritas, der Behindertenstiftung OID und dem Krankenhaus San Juan de Dios – Letzterem zur Einrichtung eines Pflegeheims für Senioren – wurden die Räumlichkeiten angeboten. Zuletzt hieß es vor rund einem Jahr, dass der spanische Pfadfinderverband der Scouts dort einziehen sollte, aber auch diese Idee scheiterte.

Die Nutzung ist bislang auf den soziokulturellen Bereich beschränkt, da der Flächennutzungsplan der Stadt dies vorschreibt. Die Stadtverwaltung zieht infolge der Schwierigkeiten, einen Pächter bzw. Bewirtschafter zu finden, nun die Möglichkeit in Betracht, den Flächennutzungsplan zu überarbeiten, um eine gewerbliche Nutzung des Gebäudekomplexes von Mesa Mota zu ermöglichen.

Der Berg von La Laguna

Wer heute einen Ausflug von La Laguna hinauf zu Mesa Mota macht, findet auf über 700 Metern Höhe zumindest eine herrliche Aussicht auf die Stadt. Der großzügige Grillplatz mit Holztischen und -bänken wurde vor ein paar Jahren grunderneuert und ist besonders an Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel. Doch auch hier wurde der Einsatz von Wachpersonal notwendig, denn die Zerstörungswut einiger unzivilisierter Menschen kennt offenbar keine Grenzen. Im Sommer 2008 musste der „Parque de la Mesa Mota“ geschlossen werden, nachdem Vandalen die Grillstellen, Tische und Bänke verwüstet hatten. Heute ist die Zufahrt zur Freizeitanlage Mesa Mota zwischen 22.00 und 7.00 Uhr gesperrt, um Vandalismus vorzubeugen.

Nachbarschaftsverbände haben erst kürzlich zur Anzeige gebracht, dass die Wälder auf dem Hügel von Motocrossfahrern schwer beschädigt werden, und die Stadt unbedingt tätig werden müsse, um diesem unzivilisierten Verhalten Einhalt zu gebieten. Außerdem, monierten sie, seien auch Spaziergänger und Läufer in Gefahr, die in diesem schönen Gebiet unterwegs sind.

Auf dem Platz vor dem Gebäudekomplex von Mesa Mota steht übrigens auch das Denkmal, das der niederländische Bildhauer und Architekt Reindert Wepko van de Wint entwarf und das den 583 Opfern der Flugzeugkatastrophe von Los Rodeos gewidmet ist. Von dem Platz aus, auf dem das Denkmal steht, kann man über La Laguna bis zum Flughafen Los Rodeos blicken. Die 18 Meter hohe Wendeltreppe soll den Weg in die Ewigkeit darstellen. Das Denkmal wurde am 27. März 2007 – 30 Jahre nach der bis heute schwersten Flugzeugkatastrophe in der Geschichte der zivilen Luftfahrt – im Rahmen einer Gedenkveranstaltung enthüllt, zu der Hinterbliebene der Opfer aus den Niederlanden und den USA kamen.




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