Lebensmittel und Lebensmitte


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

„Macht euch keine Sorgen!“ – Das klingt verdächtig nach Werbung. Die Werbung verspricht uns ja tagtäglich, dass man uns alle erdenklichen Sorgen abnehmen möchte: Da gibt es die Lebensversicherungen, die Bausparkassen, die Krankenkassen, das „Riestern“ für die Rente, der Auslandsschutzbrief – alle sorgen sich darum, dass wir anscheinend keine Sorgen mehr haben.

Und eigentlich ist es ja auch gerade das, was sich alle von uns wünschen: Eben keine Sorgen mehr zu haben. Zieht dann tatsächlich auch noch mal jemand das große Los – gleichgültig ob nun im Lotto oder bei sonst einem Glücksspiel – und gewinnt eine beträchtliche Summe, dann heißt es doch allenthalben: Der hat jetzt ausgesorgt. Allerdings gibt es da auch die anderen Sätze, die wir im Laufe unseres Lebens schon gehört haben: „Geld allein macht nicht glücklich! Lieber arm und gesund als reich und krank!“… Worum also geht es, wenn es z.B. auch in der Hl. Schrift heißt: „Macht euch keine Sorgen!“?

Man muss da, denke ich, sehr genau hinhören, wenn Jesus diese Aussage macht, um sie wirklich auch richtig zu verstehen. Denn ihm geht es um das falsche bzw. das richtige Sorgen. Und dahinter steckt letztlich die Entscheidung: Diene ich dem Gott, den Jesus mir in seiner frohen Botschaft nahegebracht hat oder diene ich dem Gott der Lebensmittel, den man landläufig auch den Mammon nennt. Wer letzterem dient, der macht sich selbst zum Sklaven. Denn für den besteht das Leben nur aus den beiden Wörtern „noch mehr“: Noch mehr arbeiten, um noch mehr Geld zu verdienen und sich noch mehr leisten zu können und eben noch mehr Urlaub zu haben oder noch mehr genießen zu können… Diesem Gott dienen heute viele, ohne dass sie sich dessen immer so bewusst sind und ohne dass sie oft spüren, welche gewaltigen Opfer sie ihm letztlich darbringen. Man opfert ihm Zeit und Erholung, oft die Gesundheit, die Familie, die Ehe – man opfert ihm alte und kranke Menschen. Denn wie war das? Wer diesem Gott dient, der will ja immer nur noch mehr – und zwar für sich!

Nun bringt man diesem Gott Mammon aber nicht nur privat große Opfer, sondern auch weltweit. Zu diesen Opfern gehört die Umwelt, die mehr und mehr verschmutzt wird und der langsam aber sicher die Luft auszugehen droht bzw. der der Wärmekollaps droht. Und weshalb? Damit die Wirtschaft boomt. Zu diesen Opfern gehört der Regenwald, der erbarmungslos abgeholzt wird; dazu gehört der rücksichtslose Verbrauch an Rohstoffen und Energie, der nicht mal durch überteuerte Preise aufzuhalten ist. Von den Entwicklungsländern ganz zu schweigen, die auch jetzt wieder die großen Leidtragenden sind, wenn weltweit die Kosten wegen des Börsenabschwungs und der hausgemachten Finanzkrise steigen. Aber so sieht es eben aus, wenn wir Menschen dem Mammon dienen, dem Gott der Lebensmittel.

Der Gott, den Jesus uns vor Augen führt, ist dagegen der Gott der Lebensmitte! Wer sich auf ihn einlässt, der versucht die Dinge immer wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen. Wer seiner Botschaft folgt, der wird immer bemüht sein, die Nebensache dieser Welt eben nicht zur Hauptsache zu machen. Wie sagt Jesus: Das Leben ist wichtiger als das, was ich mir leisten kann. Mein Leib, meine Gesundheit sind wichtiger als das, was ich anziehe, was für ein Haus oder welche Möbel ich habe. Wohlgemerkt: Alles andere muss mir nicht gleichgültig sein – da würden wir Jesus falsch verstehen. Essen, Trinken, Arbeit, Wohnung, Kleidung, Urlaub…das muss uns nicht gleichgültig sein; aber es kommt eben erst an zweiter Stelle und lässt nicht all unsere Gedanken nur darum kreisen. All das verbraucht dann nicht meine ganze Energie.

Wenn Menschen sich auf Feste in der Kirche vorbereiten – ich denke da ganz speziell an Erstkommunion und Hochzeiten, dann sind da für viele häufig die alles entscheidenden Fragen: Wen laden wir ein? Was ziehen wir an? Für welches Essen entscheiden wir uns usw. Für Jesus sind all das Vorbereitungen, die durchaus sein dürfen; sofern dabei die Hauptsache nicht zu kurz kommt. Er ruft uns immer wieder in Erinnerung: Was ist mir wichtig? Wofür lebe ich? Für wen und was bin ich da? Und er sagt auch deutlich: Wer dem Gott der Lebensmittel, dem Mammon, dient; wer die Neben- zur Hauptsache macht, der ist eigentlich gott-los geworden. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes, den Gott, der für uns die Liebe, die Mitmenschlichkeit und Erlösung bedeutet und bewirkt, der ist diesen Gott los geworden.

Wir haben also die Wahl, worum es in unserem Leben zuerst gehen soll. Vielleicht können Sie die Tage Ihres Urlaubs ja auch dazu nutzen, dieser Frage ein wenig Zeit einzuräumen.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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